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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 4 · p. 213

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Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 4
Article
Die Geschichte der österreichisch-jüdischen Kongressbewegung
Date
1920-01-01
Page
213 (sequence 10)
Language
German
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IRI
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Geschichte der österreichisch-jüdischen Koagreßbewegung stischen Teilnehmern der Kongreßbewegung die Forderung im. Gefolge gehabt, mit der gleichen Ausdrücklichkeit auch die für den Osten geforderten weiteren Konsequenzen der Anerkennung für den Westen auszuschließen. Angesichts der Programmziele, wie sie die Majorität der Programmkommission vertrat, und des Mißtrauens, sie könnten auch innerhalb der Kongreßbewegung stillschweigend in der unklaren ursprünglichen Fassung des ersten Programmpunktes mitverstanden werden (was ja auch tatsächlich der Fall war), wäre im Grunde ein solcher Wunsch nicht ganz unbillig erschienen. Andrerseits war aber seine Erfüllung selbst für die von mir vertretene Richtung aus politischen und moralischen Gründen unmöglich; es ist etwas an* deres, ob man aus sachlichen Gründen der Zweckmäßigkeit eine Forderung nicht vertreten will oder ob man nach außen zu erklären sich gezwungen sieht, die Forderung dürfe nicht erhoben werden, welche Deklaration offenbar auch nicht rein sachlichen Motiven entspringt. So blieb nichts anderes als die oben zitierte Formulierung übrig, die allerdings von unserem zionistischen Standpunkt aus rein äußerlich, rein formal eine Konzession darstellt. Diese mußte gemacht werden, sofern man auf die Mitarbeit der Nichtzionisten Wert legte* Daß ich von unseren inhaltlichen, unseren prinzipiellen Forderungen nicht das Geringste aufgab, somit auch der schon auf Grund des Wortlauts meiner Formulierung absurde Verdacht, ich wünschte nicht die Anerkennung der Juden als Nation oder nur die der Ostjuden, unbegründet war, wird ganz strikt durch von mir allein geführte Verhandlungen mit Nichtzionisten in Wien erwiesen. Ich hatte, da Ing. Stricker die Annahme meiner Formel durch Nichtzionisten bezweifelte, diese dem damaligen Präsidenten und dem Vizepräsidenten des Generalrats der österreichischen Bnai-Brith-Vereine vorgelegt, die sich beide mit ihr einverstanden erklärten. Sowohl mündlich wie in dem folgenden Bestätigungsschreiben, habe ich ausdrücklich „bemerkt, daß Voraussetzung für die Gewährung na* tionaler Rechte in irgendeinem Kronlande die allgemeine gesetzliche Anerkennung der Existenz einer jüdischen Nation in Österreich ist, daß hieraus jedoch für den Westen keinerlei politische Konsequenzen gezogen werden müssen". Wie man sieht, bestand zwischen dem Programm, das ich als Zionist vertrat, und dem, das ich für den Kongreß vorschlug, kein meritorischer, sondern nur ein formeller Unterschied. Ebenso wie beim Kongreß in Amerika und bei der russisch-jüdischen Kongreßbewegung, wo die Zionisten trotz ihrer gewaltigen Mehrheit so wenig doktrinär-formalistisch waren, daß sie sich mit der Koordination der Palästinaforderung, statt ihrer besonderen Heraushebung einverstanden erklärten, wäre hinsichtlich der Formel ein Einverständnis möglich gewesen. Die Forderung nach nationalen Minderheitsrechten im Sinne von öffentlichen Körperschaftsrechten allerdings, vom Wahlkataster angefangen bis zur vollen »nationalen Autonomie" mit Konstituierung der Nation als juristischer Person öffentlichen Rechts, habe ich ebensowenig für das innerpolitische Pro-

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