Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Von westjüdischen Schriftstellern
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 159 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Bemerkungen: Von westjüdischen Schriftstellern 159 scheinlich wird sich in Palästina dies bei ihm bessern) fühlt man bei ihm einen Mangel an Zusammenhang sowohl mit der hebräischen Literatur,-Bialik und zwei, drei andere ausgenommen, als auch mit den Arbeitsbestrebungen im Lande. Der leicht bewegliche, wache und lebensvolle Mann bringt uns manchmal auf durch die Stumpfheit seines Gefühls in den Dingen, in die wir unsere Seele hineinlegen. Ich denke, daß diese Abschweifung vom Problem nicht als überflüssig erscheinen wird. Die Erscheinung Jabotinsky muß für jeden Westjuden, der nach Palästina gehen will, von großem Interesse sein, und sicherlich habe ich hier sogar viel Arbeit gespart. Diese Andeutungen über Jabotinsky nämlich, mit denen ich mich hier begnügen kann, besagen mehr als eine ganze abstrakte Theorie. Und dennoch muß man noch einige Bemerkungen hinzufügen. Die Fremdheit in Inhalt und Sprache (die Sprache Jabotinskys ist manchmal hebräischer als die der hebräischen Schriftsteller von Geburt, Und trotzdem fühlt man hier eine Fremdartigkeit) ist keine seltene Erscheinung bei uns in der hebräischen Literatur. In der ersten Reihe der hebräischen Literatur stehen . zwei Fremde, ihrem Wesen nach kaum noch Juden: Schorf mann, der noch lebt, und Gnessin, der verstorben ist. Für euch, die ihr den Juden in allem sucht, geht nichts über Agnon. In unserer Literatur, für uns sind Schoffmann und Gnessin wichtig. Der Jude ist für uns manchmal allzusehr Realität. Ihn braucht man nicht hervorzuheben. Er dringt von selbst durch. Wenn wir hebräisch über eine ferne und dem Judentum fremde Sache schreiben, dann sind wir Hebräer. Man erzählt in Erez Israel, Weizmann habe sich darüber beklagt, daß alles in Palästina gleichsam aus einer fremden Sprache übersetzt sei: Tel Awiw, die Kolonien, die Schule, die hebräische Sprache, die Literatur und noch mehr. Es habe keine jüdische Wesenhaftigkeit, keine Ursprünglichkeit. Demgegenüber aber ist es interessant, daß vielen, die dort bitten im Leben stehen, vieles dort noch als allzu jüdisch erscheint. Und diese verschiedene Betrachtungsweise ist erklärlich. Der Westen strebt zum Juden, und der Osten zum Menschen. Hier besteht kein Grund zu Befürchtungen. Jeder westliche Schriftsteller, der zu uns kommen wird, wird kein Fremder sein. Ich fürchte nur, daß gerade die, die mit der Betonung des Juden und des Judentums kommen werden, die Fremden sein werden, daß gerade hier der Gegensatz entstehen wird. Hier stoßen wir auf die wirkliche Frage. Für euch schafft der Nichtjude die Realität. Er sät, ebnet Wege, schafft euch Wasser, baut, lehrt, hat euch Sprache, Wissenschaft, Kultur und Politik vorgearbeitet. Und deshalb habt ihr Zeit zur Abstraktion. Uns hat die Türkei nichts geschaffen, und der Araber ist im besten Falle (der vom Standpunkt der jüdischen schöpferischen Arbeit und Erneuerung gerade der schlechteste Fall ist) nur ein Helfer. Und wir sind gezwungen und freuen uns darüber, jeden Anfang mit eigener Hand zu schaffen. Das stört das Schaffen, soweit es gedanklicher höherer Art ist. Ich habe einmal (in einem in der Freistatt 1913, S. 166 übersetzten Artikel) die Meinung ausgesprochen, es sei nach den Erfahrungen, die wir in Amerika und Griechenland gemacht haben, sehr möglich, daß wir in Palästina viele Jahre lang keine wichtige geistige Produktion besitzen werden, da die kolonisatorische Arbeit alle Kräfte verschlingen wird. Jetzt sehe ich, daß es anders ist. Wir sind letzten Endes doch das Volk des Buches. Aber die Tatsache besteht, daß es wenigstens in der Kolonie und in der arbeitenden städtischen Bevölkerung (Jerusalem ist bekanntlich wirtschaftlich unproduktiv) im wesentlichen nur Verständnis für Realitäten und für die Kunst der Lebensgestaltung gibt, die A. D. Gordon in Prag proklamierte. Es gibt nichts Aufregenderes und Erbitternderes für die Schöpfer unseres beginnenden Lebens als jüdische Wissenschaft und jüdische Ethik. Menschen mit einem instinktiven religiösen Gefühl, Schöpfer einer Arbeitsreligion nennen dies alles Theologie und scheuen sich davor, wenn sie es nicht sogar als nichtig ganz verwerfen. Der Schiloach ist allmählich fremd geworden. Irgendein allgemein menschliches Sammelbuch spricht mehr an als das wertvolle Prager Sammelbuch „Vom Judentum" (ich habe es z. B. bis heute nicht gelesen, und nur die Bekanntschaft mit den ihm nahestehenden Menschen erweckt das