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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 2 · p. 104

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 2
Article
... ob sie ihre Rechte stark genug in der Partei fordern werden
Date
1920-01-01
Page
104 (sequence 3)
Language
German
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104 Bemerkungen: „... ob sie ihre Rechte stark genug in der Partei fordern werden" serem nächsten oder einem der nächsten Kongresse wird der Kandidat sagen können: „Eure gerechten Forderungen wurden bis jetzt nicht genügend berücksichtigt, weil ihr sie nicht stark genug in der Partei geltend gemacht habt. Das werde ich jetzt für euch tun." — Was für ein populärer Führer kann man so werden! Oder bei der Entsendung eines Vertreters einer Landsmannschaft in irgend eine leitende Stelle werden nicht dessen sachliche Fähigkeiten, moralische Qualitäten oder programmatische Stellungnahme ausschlaggebend sein, sondern die Erwägung, ob er kräftig genug die Interessen der Zionisten des Landes wird vertreten können. — Ganz wie in Europa! Wo ja die diversen Gewählten trotz der schönen patriotischen Redensarten in erster Reihe meistens auch nicht zur Arbeit für die Gesamtheit entsendet werden, sondern um ihre Wähler der Gesamtheit gegenüber zu vertreten, um die Rechte dieser Wähler gegenüber dem Ganzen geltend zu machen; wo das Vertreten der Interessen wählender Gruppen, Länder, Bezirke, Städte eine Stufe zur Vertretung der Interessen der einzelnen Wähler bildet, zur Interventions- und Protektions-„Pflicht" der Abgeordneten — was ja allgemein geübt wird und bekannt ist. Ganz wie fast überall, in Ton, Gebärde und Sinn; ganz die typische, übliche-üble Einstellung des Einzelnen oder der Einzelgruppe zur Gemeinschaft! Aber überall ist doch schon etwas vorhanden, hat die Gemeinschaft schon irgendwie irgendwelche latenten oder manifesten staatlichen, normalen Formen und staatlichen Fundamente, die von jener tödlichen Einstellung eben erst untergraben werden können. Wir aber wollen so den Anfang des Anfangs beginnen? Und ich kann mir wohl vorstellen, daß die Lage irgend einer Gruppe, der Judenschaft oder Zionistenschaft irgend eines Landes wirklich besonders berücksichtigungswert ist; daß sie infolge dieses oder jenes Umstandes mit Recht sogar vor anderen weit bevorzugt werden muß. Aber auch dann darf man sich nicht auf das Interesse dieser Gruppe einstellen, sondern immer noch auf das Interesse des Ganzen, das eben fordert, daß in diesem Moment und in dieser Beziehung dieser Teil vor allen anderen Teilen bevorzugt werde. Dann aber auch kann ein solches Erfordernis gerade z.B. Sokolow oder Ussischkin für die ostgalizische Jugend und der Vertreter Ostgaliziens für die jemenitischen Juden etwa einsehen und durchsetzen. „Aber der Fremde kennt die Not, kennt die Notwendigkeit nicht", wird man sagen. — Möglich. Aber wenn es schon der Nahe, der „Vertreter" sein muß, der das Erforderliche, Dringende vorbringt, so doch wehe uns, wenn schon jetzt, am Anfang, am Voranfang, das Durchsetzen des tatsächlich Notwendigen „davon abhängig sein wird", ob diejenigen, die es betrifft, „ihr Recht stark genug in der Partei fordern werden"! Und ich kann mir wohl den Fall vorstellen, daß dieses Recht, daß irgend ein Recht wirklich in der Partei, von Seiten der Leitung, verletzt wird; daß z. B. die Besetzung unserer untergeordneten Ämter nicht nach den gehörigen Gesichtspunkten erfolgt. Unlängst hat einer vor mir geklagt, er fürchte, daß in London „Freunderlwirtschaft" einreiße. Ich weiß es nicht. Er sagte mir, es bestehe die Gefahr, daß tüchtige Intelligenzen, darunter auch im Staatsdienst erprobte, bei der Besetzung von Ämtern in Palästina vom Zentralbureau zurückgesetzt werden, nur weil sie Galizier sind. Ich weiß es nicht. Ich kann es nicht kontrollieren. Der Gedanke wäre freilich ganz fürchterlich, daß bei der Wahl der Beamten für den Bau unseres Heims nicht die Qualität das einzig, einzig, einzig Ausschlaggebende wäre. Ich halte die menschlichen und fachlichen Qualitäten der Beamten eines Landes als für dessen Wohlergehen wichtiger und entscheidender denn dessen Verfassungsform und Gesetze. Gegen eine solche Gefahr — wenn sie beeteht — müßte also stärker Sturm gelaufen werden, als gegen die Gefahr, was weiß ich, einer autokratischen Monarchie oder einer feudalen Bodenverteilung. Aber dieses Stürmen darf nicht und darf nicht und darf nicht für die Interessen der zurückgesetzten Nicht-Freunderl und muß nicht gerade seitens deren Landes-, Gruppenu. dgl. Vertreter erfolgen. Sondern im Namen der Auflehnung gegen die Korrumpierung unser

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