Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 2
- Article
- ... ob sie ihre Rechte stark genug in der Partei fordern werden
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 105 (sequence 4)
- Language
- German
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Bemerkungen: Ein Vergessener 105 aller, gegen die Vergiftung unseres werdenden neuen Lebens, gegen die Schädigung der Gesamtheit, und jeder Zionist müßte dagegen rücksichtslos kämpfen. Anderseits kann ich mir den Fall vorstellen, daß die Juden-Zionisten irgend eines Landes, irgend einer Gruppe zu diesen oder jenen Ämtern, zu diesen oder jenen Arbeiten nicht oder nicht ganz tauglich wären. Dann müßten wir sie mit aller Unerbittlichkeit von diesen Ämtern, von diesen Arbeiten fernhalten, ohne Rücksicht auf ihre eventuelle bedrängte Lage oder ihre Not. Und ihre Delegierten dürften da ihre ,berechtigten Interessen" nicht vertreten! Nochmals: Ich weiß, es waren diese Äußerungen nicht so wörtlich, nicht so programmatisch, nicht so ernst zu nehmen. Und es ist dies überhaupt nur eine Bagatelle. Vielleicht ist das Ganze nur eine pedantische Wortklauberei von mir. Aber wie gesagt: Ich habe leider keinen rechten Sinn für Nichtbagatellen, halte eine fanatische Pedanterie in allen Angelegenheiten des sich erneuernden jüdischen Lebens für dringend notwendig und beurteile Zustände, Tendenzen, Bewegungen, besonders aber Wendungen nur nach Äußerungen, die nicht so wörtlich, nicht so programmatisch, nicht so ernst zu nehmen sind. Abraham Schwadron * Nachdem dieser Aufsatz bereits geschrieben war, wurde auf der Konferenz der ostgalizischen Zionisten in Lemberg ein „Interessenbeschluß" im Sinne der hier besprochenen Äußerungen gefaßt. Leider! Diese Einstellung ist also doch Ernst, doch programmatisch. — In einem Zeitungsreferat über die Konferenz heißt es: „Es ist einstimmig beschlossen worden, von der Leitung in London zu fordern, für die ostgalizische Intelligenz und die ostgalizische Arbeit den Anteil an der allgemeinen Arbeit zu sichern, der uns gebührt." — Jawohl: darüber, was von uns gefordert werden darf, sind die Meinungen zwischen uns geteilt, darüber diskutieren wir; was „uns gebührt", das fordern wir einstimmig. Ich bleibe bei meiner Empfindung, daß die — sehr gelinde ausgedrückt: — desorientierende volkserzieherische Wirkung eines solchen Beschlusses alle Wertigkeit auch der vorzüglichsten Konferenz aufwiegt, aufhebt. Und während dies schon im Druck ist, erscheint das Tätigkeitsprogramm der neuen Exekutive, die eben auf jener Konferenz gewählt wurde. In diesem heißt es: ,,Es handelt sich dabei in erster Reihe darum, die Position der ostgalizischen Organisation gegenüber dem Aktionskomitee und der zionistischen Weltorganisation zu stärken. In den obersten zionistischen Stellen hat man sich in der letzten Zeit daran gewöhnt, die Zionisten im frühein Galizien als eine quantite negligeablezu betrachten und zu behandeln ..." Nach den bisherigen Ausführungen .habe ich jetzt nur noch mit tiefer Wehmut nochmals zu konstatieren, daß diese Einstellung also kein Ungefähr ist, sondern ein System. Und habe formell diejenigen um Entschuldigung zu bitten, deren Äußerungen ich als nicht wörtlich-wichtig genug ansah. Es war eben von mir unrichtig, das Ganze vorher als Bagatelle zu bezeichnen, wenn wir wahrhaftig bereits so weit sind, die Stärkung der „Position der ostgalizischen Organisation gegenüber dem Aktionskomitee und der Weltorganisation" als unsere erste Aufgabe zu betrachten. — Ich aber hätte wirklich gedacht, daß die Stärkung der Position der wahren zionistischen Ideen und Gefühle gegenüber den Köpfen und Herzen und Taschen der organisierten Zionisten Ostgaliziens eine dringendere Aufgabe darstelle. A. Sch. Ein Vergessener Persönliche Erinnerungen Es ist merkwürdig, wie kurz das Gedächtnis der Menschen ist. Wer heute noch die Zeitungen von sich reden macht, kann morgen tot sein, und ist übermorgen bereits vergessen. Aber es kommt vor, daß einer vor seinem wirklichen Tode stirbt, daß er aus der Öffentlichkeit, in der man ihn gekannt und beachtet, bekämpft und umkämpft hat, so völlig verschwindet, als wäre er