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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 2 · p. 103

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 2
Article
... ob sie ihre Rechte stark genug in der Partei fordern werden
Date
1920-01-01
Page
103 (sequence 2)
Language
German
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Bemerkungen: „... ob sie ihre Rechte stark genug in der Partei fordern werden" 103 später in den Ämtern Palästinas die ostgalizische Jugend, welcher es sehr schlecht geht und die politisch verfolgt wird, besonders berücksichtigt werde . . . Aber die Berücksichtigung der gerechten Forderungen unserer ostgalizischen Jugend wird abhängig sein davon, ob sie ihre Rechte stark genug in der Partei fordern wird." In dem andern Gespräch hieß es: ,.Dr. N. hat mit Ussischkin gesprochen und von ihm verlangt, daß das galizische Judentum mehr als bis jetzt bei den Kolonisationsarbeiten und bei den Einwanderungen berücksichtigt werde." So weit sind wir also schon! Solange die zionistische Organisation bei ihren Mitgliedern nur zu nehmen hatte, haben wir nie gehört, daß „unsere ostgalizische Jugend" oder das „galtzische Judentum" sich dabei zu wenig berücksichtigt gefühlt hätte. Wer in Palästina war, weiß, daß — von vorzüglichen Leistungen Einzelner abgesehen — wir, die galizischen Juden und die ostgalizische Jugend, dort bis jetzt im Vergleich mit den russischen Juden (das perzentuelle Zahlenverhältnis der beiden JudenheLten in der Galuth als Vergleichsgrundlage) numerisch und qualitativ recht schwach vertreten waren. Beklagt haben wir uns darüber niemals. Denn damals hieß „berücksichtigt werden bei der Einwanderung" : all die mannigfaltigen Leiden auf sich nehmen, die dort die Pioniere erwarteten : Wüsteneinsamkeit, Entbehrungen aller Art, Hungerlöhne, Überarbeitung, unfehlbare Malaria mit manchmal tödlichem Ausgang, oft auch die Beduinenkugel. Abgesehen von der Ungewißheit, vom In-der- Luft-Hängen, vom fast Utopischen des ganzen Jischuw damals, wo sich ja jeder fragen mußte: Haben meine Opfer überhaupt einen Sinn, ist Hoffnung und Zukunft meinem Volke in diesem Lande? — Jetzt aber ist unsere Zukunftshoffnung, wenigstens diplomatisch, ganz anders fundiert, jetzt wird es, hofft man zumindest, in allen Hinsichten anders, besser sein — jetzt „müssen unsere gerechten Forderungen berücksichtigt" "werden! Ich weiß: Jene Äußerungen sind gar nicht so schlecht, nicht einmal im engern Sinne partikularistisch gemeint. Die Not und das Elend dieser unserer Juden und Jugend ist wirklich — wir alle sehen das ja — sehr, sehr groß. (Ob das der russischen Juden z. B. kleiner ist, wissen wir als Ferne allerdings nicht.) Sie befinden sich vielfach zwischen Hammer und Amboß und verdienen wahrhaftig alle Berücksichtigung. Ich bin darum wahrlich weder gekommen, um denen, die sich so geäußert haben, einen Vorwurf zu machen, noch um über den Spezialfall meine Meinung abzugeben. Sie können im Tatsächlichen ganz recht haben. Mich interessiert daran nur das Symptomatische, die Einstellung, das — den Betreffenden wohl selbst unbewußt — prinzipiell Neue, das hier, aber auch anderwärts sich ankündigt, an vielen Stellen und in vielen Formen, von Galizien bis Palästina, von der ostgalizischen Jugend bis zum „Haesrach". Auf unseren Kongressen, in unseren Kommissionen und Ausschüssen saßen immer Zionisten verschiedener Länder. Die sie dorthin als „Vertreter von . .." delegierten, sahen in ihnen nur Vertreter von Arbeitseinheiten, nur die entsprechende Tributquote an Menschenkräften, die das bezügliche Land zur Gesamtheit der im Interesse der Idee und Bewegung arbeitenden Menschen zu leisten hatte. Es gab eben bis nun nichts anderes, als zu leisten, zu geben. Jetzt aber gibt es etwas zu nehmen. D. h. wir hoffen erst, daß wir etwas zu nehmen haben. Hoffen, in der zionistischen Organisation ein Gemeinsames zu haben — so etwas wie bei anderen Völkern den Staat —, das austeilen, verleihen kann, und stellen uns schon — auch wie bei anderen Völkern —. in die Positur desjenigen, der weiß, daß auch ihm von diesem Allgemeinen etwas gebührt. Wamim ihm nicht? Er hat auch den Anspruch und muß schauen, daß er nicht benachteiligt werde. — Und zugegeben, es sind gerechte Ansprüche. Wann aber hat der vom, sagen wir, Staate Fordernde ein Ungerechtes gefordert? D. h. wann war er fähig, einzusehen, daß er ein Ungerechtes fordert? Und sind wir dazu fähig? So können von jetzt an auch bei uns die Vertreter wirkliche Interessenvertreter sein. Man stelle sich vor: Bei der Wahl zu un-

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