Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 2
- Article
- ... ob sie ihre Rechte stark genug in der Partei fordern werden
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 102 (sequence 1)
- Language
- German
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BEMERKUNGEN ,,... ob sie ihre Rechte stark genug in der Partei fordern werden" Ein Bekenntnis: Ich besitze die Gabe nicht, mir das Bild des Lebens gehörigerweise von dort aus zu machen, wo es die große Leinwand aufrollt und die Vorgänge filmmäßig ausdrucksreich, farbenstark, gleichsam in Deklamation, vorbeiziehen läßt. Ich habe kein rechtes Ohr für die große Trompete, die den Generalmarsch des Lebens hinausschmetfert. Von irgendeiner kleinen unansehnlichen Nebenerscheinung nur, vom leichten Beiwerk des Lebens muß ich mir daher seine momentane Triebkraft und Richtung begreiflich zu machen versuchen. Eine „kleingedruckte Bemerkung", ein Ungefähr von Seiten wirkender Gesellschaftskräfte, Gruppen, Parteien, Personen, gibt mir sicherere Kunde von ihrem Wesen und ihren Zielen, als vorsätzlich zur eigentlichen Kenntnisnahme seitens der Öffentlichkeit bestimmte, wohlüberlegte und zweckdienlich geformte Programme und Deklarationen. Auch jetzt will ich hier bei einer Kleinigkeit verweilen. Will die Aufmerksamkeit, der man nur die wichtigen Dinge würdig zu halten pflegt, auf eine Bagatelle lenken. Weil letztere, glaube ich, latenterweise ein Neues, Symptomatisches anzeigt, eine Wendung, die wichtig ist und wirkungsreich. Man bedenke: Die zionistische Organisation war bis jetzt ein Verband von Menschen zum Zwecke der Realisierung eines Gedankens, an dem diese Menschen für ihre Gemeinschaft wohl sehr stark, für ihre Person direkt aber gar nicht interessiert waren. Auch als die Bewegung bereits großgewachsen war und wohl schon inner- und außerparteiliche Ehrenämter, Würden, Mandate zu vergeben hatte, auch einige besoldete Stellen, wie die der Sekretäre, Redakteure u. dgL, da war das alles doch nur für Einzelpersonen, individuelle Bestallungen und Anstellungen, und man konnte von einer un- . mittelbaren Interessenvertretung innerhalb des Zionismus nicht sprechen. Auch die „Poale Zion", welche den Anspruch auf die Vertretung der proletarischen Klasseninteressen im Zionismus erhoben, konnten es wesentlich auch nur in der Idee, d.i. für die Idee tun, da doch im Wirkungskreis des Zipnismus kein (oder fast kein) faktisches Interesse zu behüten war. Jetzt aber hat sich die Sache geändert. Die zionistische Organisation wird, hofft man, irgend etwas zu vergeben, zu erteilen haben, wird irgendwie auf die Einwanderung nach Palästina, auf die faktische „Parnusse"-gebende Ansiedlung, einen Einfluß haben — und schon treten die Schatten von Interessen auf! Von direkten, eben „Parnusse"- und ähnlichen Interessen bestimmter Gruppen, Teile. Und eine ganz begrenzte, aspekt- und ideenlose, alltägliche, allzu alltägliche Interessen-Vertretung von in jeder Beziehung zufälligen, weil ideenbaren Menschengruppierungen, d. i. von Ländern, Provinzen, tritt jetzt als ein Neues auf . den Plan. Vor einiger Zeit nämlich waren in den Zeitungen Äußerungen zweier hochrepräsentativer Männer der zionistischen Organisation für Ostgalizien über den Aufbau Palästinas zu lesen. In einer dieser Äußerungen wurde unter anderem gesagt: „Ich hatte eine längere Konferenz mit Sokolow und habe die Forderung gestellt, daß sowohl in den zionistischen Büros als auch