Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Probleme der Kunsterziehung in Palästina
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 98 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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98 Paul Zucker: amerikanischer Republiken durchaus ansehnliche und kunstpädagogisch fruchtbare Galerien zustande gebracht. Die Anordnung wäre so vorzunehmen, daß nicht Bild neben Bild gehängt würde; die einzelnen Abteilungen müßten vielmehr nach lokalen und historischen Gesichtspunkten gegliedert und Bilder einer bestimmten Epoche in Räume gehängt werden, die mit Möbeln, Architekturstücken und Gegenständen des Kunstgewerbes dieser Zeit ausgestattet werden. So würde eine Verschmelzung von Gemäldegalerie und Kunstgewerbemuseum entstehen, die pädagogisch für einen weiteren Kreis viel fruchtbarer wirkt als eine ängstliche Scheidung beider Gebiete. Natürlich ist dies kein Museum für Fachgelehrte, die auszubilden ja auch nicht die erste Aufgabe eines jungen Gemeinwesens wäre. Auch brauchte man nicht zu ängstlich in der Gestaltung der einzelnen Räume zu sein und kann ruhig Werke der Früh- und Hochrenaissance zusammenbringen und erst in dem Maße des näheren spezialisieren, in dem der Besitz des Museums an Kunstwerken allmählich wächst. Diese Methode der Kombination von bildender Kunst und Kunstgewerbe und der allmählich fortschreitenden Spezialisierung hat zweifellos den einen Vorteil, daß die Sammlungen vom Moment der Begründung an wirklich fruchtbar wären. Das Zweite wäre eine Art Nationalmuseum jüdischer Altertümer, das eine Zentrale aller in der Welt vorhandener Judaica zu bilden hätte, von den typisch palästinensischen Ausgrabungen an bis zu den Kunsterzeugnissen der Diaspora. Beide Museen wirken aber noch nicht durch ihre einfache Existenz fruchtbar. Verlebendigt werden sie erst durch regelmäßige, unentgeltliche Führungen. Vor allem durch Öffnung der Museen auch bei Abend, bei künstlichem Licht, also nach Abschluß der Berufszeit. Bibliotheken zu weiterer Orientierung wären anzuschließen, und vor allem Photographiesammlungen. Auch die Benützung dieser Bibliotheken und Sammlungen müßte durch populäre Gebrauchsanweisungen erleichtert und ihre Wirkung denkbar verbreitert werden. Doch wären hier wohl weniger Hemmungen als bei andern Völkern zu überwinden, weil auch dem proletarischen Juden das Wesen des Buches vertraut und die Benutzung des Buches selbstverständlich ist. Aber wie gesagt, diese Museumspolitik ist nicht entscheidend. Bei der Dezentralisierung des geistigen Lebens hätte eine andere Neueinrichtung als gleichwertig neben die Museen zu treten: die „Wanderausstellung**. Auch hier gilt es wieder, mit Kleinem zu beginnen und langsam auf dem Vorhandenen aufzubauen. Die minder wertvollen Bestandteile des Museums und vor allem wieder Nachbildungen und Photographien in großem Maßstabe wären für übersichtliche Kollektionen, die in zwei oder drei Wagen verstaut werden können, zusammenzustellen. Diese sind, von einem einführenden, darstellerisch gewandten Pädagogen begleitet, von Siedlung zu Siedlung zu schicken und könnten dann in den Schulen oder Volkshäusern der einzelnen