Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Probleme der Kunsterziehung in Palästina
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 99 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Probleme der Kunsterziehung in Palästina 99 Siedlungen zur Besichtigung gestellt werden. Selbstverständlich wäre es grundfalsch, wenn derartige Wanderausstellungen den Ehrgeiz hätten, irgendwie einen vollständigen Überblick zu geben. Sie müßten der Natur der Sache nach vielmehr notwendigerweise auf einzelne Gebiete beschränkt bleiben, etwa „Jüdische Kunst im europäischen Mittelalter*1 oder „Jüdische Kunst im Orient", „Jüdische Grabmalkunst", „Synagogenbau" oder dgl. Auch eine Verbindung mit irgendwelchen jeweilig aktuellen Problemen dürfte nicht in einem falschen wissenschaftlichen Hochmut von der Hand zu weisen sein, sondern würde von Fall zu Fall geeignete Anknüpfungsmöglichkeiten bieten und sicher auch gerade diejenigen Kreise heranziehen, auf deren Gewinnung es eben gerade ankommt, die nämlich bis dahin künstlerischen und ästhetischen Fragen uninteressiert gegenüber gestanden haben. Mit diesen Wanderausstellungen (und als Einführung in diese) wären wieder leicht faßliche Vorträge zu verbinden, in diese Lichtbilderserien zu verflechten, so daß allmählich, bei verschiedenen Gelegenheiten, die Fülle des künstlerisch Gestalteten wirklich in immer weitere Schichten dringen würde. Erst das hierdurch ermöglichte Ineinanderwirken gelegentlicher hauptstädtischer Museumsbesuche, der Bibliotheken und Sammlungen, zu der noch eine billige, leicht faßliche und weit verbreitete Literatur populärer Kunstbücher*) zu treten hätte, das Hören der Vorträge am Feierabend, zu denen nicht erst weite Wege zurückgelegt werden müssen, sondern die gleichsam „im Hause" stattfinden, — alles das zusammen schafft eine Atmosphäre allgemeinen Interesses an Dingen bildender Kunst. Nur auf diesem Wege kann so etwas wie eine gleichgerichtete, einheitliche künstlerische Einstellung der verschiedenen Volkselemente geschaffen werden, und auch das erst ganz allmählich, im Laufe von Jahren und Jahrzehnten. — Und dann erst, wenn diese vorhanden ist, ist der Boden gegeben für ein stileinheitlich künstlerisches Schaffen, das dann vielleicht die Besonderheit des jüdischen Genius auch in der bildenden Kunst dokumentieren wird. Eine Besonderheit der Leistung, von deren Art und Tendenz wir uns heute wahrhaft noch nicht die geringste Vorstellung machen können, der wir keine Richtung und Umgrenzung vorschreiben können und auch nicht wollen. Und die sicher nicht gefördert wird durch krampfhafte Züchtungsversuche und Destillate vorhandener Stilformen — ein Verfahren, das jedes historischen Sinns entbehrt —, sondern nur durch die langsame, stilvorbereitende Arbeit im Kleinen — an der künstlerisch-anschaulichen Bereitschaft der Masse. *) Ein Anfang hierzu soll gemacht werden durch die in hebräischer Sprache erscheinenden, vom Verfasser herausgegebenen Künstler-Monographien mit reichem Abbildungsmaterial* die vom Jüdischen Verlag, Berlin, vorbereitet werden.