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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 2 · p. 95

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 2
Article
Probleme der Kunsterziehung in Palästina
Date
1920-01-01
Page
95 (sequence 3)
Language
German
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Probleme der Kunsterziehung in Palästina 95 führt ins Absurde oder zum sentimentalen Kitsch. Anfänge zu einer derartigen bedauerlichen Entwicklung haben wir schon kennengelernt in jenen Stickereien oder Metalltreibereien des Bezalel, die typische Anregungen modernen Wiener Kunstgewerbes durch die Verwendung von Motiven des siebenarmigen Leuchters oder des Davidsterns national zu gestalten vermeinten und doch auf diese Art nur innerlich unwahre Geräte von einem hohlen und falschklingenden Pathos schufen. Die Arbeit künstlerischer Volkserziehung hat also an einem ganz anderen Punkte einzusetzen und muß notwendigerweise induktiv und nicht deduktiv vorgehen. Anders formuliert: es darf nicht irgendeine fertige Gestaltung europäischer Kulturwelt übernommen und darauf irgendwelche nationale Motive aufgepfropft werden, sondern es muß versucht werden, zunächst ganz allgemein eine wirklich organische Einstellung zu ästhetischen Werten zu schaffen, die eben wahrhaft volkstümlich ist. Bei der Inhomogenität der nach Palästina zusammenströmenden Massen eine keineswegs einfache oder eindeutig zu lösende Aufgabe. Denn der westeuropäische Intellektuelle bringt selbstverständlich durch das, was er in seinem europäischen Leben bewußt und unbewußt vor sich gesehen hat, ganz andere optisch-sinnliche Vorstellungen mit als der russischjüdische Holzflößer oder der polnisch-jüdische Melamed. Wieder eine ganz andere Welt des Sichtbaren umgab den amerikanischen Juden, so daß in der Tat von einer irgendwie homogen gestalteten Basis sinnlichen Empfindens und formaler Einstellung nicht die Rede sein kann. Was ist zu tun? Keinesfalls der von vornherein zum Mißlingen verurteilte Versuch anzustellen, willkürlich einen „reinen Stil" zu schaffen, indem man unter bewußter Vermeidung aller Anklänge an europäisierende Traditionen einzelne Künstler oder gar eine Gruppe von Künstlern sich etwas neues „ausdenken" läßt und diese Formensprache dann als jüdisch-national dekretiert. Wohin solche Versuche bewußter und willkürlicher Neuschöpfungen führen, haben wir im Kleinen an dem Beispiel des Jugendstils von 1896 schaudernd miterlebt. Aber auch die bewußte Anlehnung an Stilformen einer bestimmten Epoche europäischer oder orientalischer Kunstentwicklung ist verfehlt. Aus irgendeinem Grunde wurden im letzten Jahrhundert die Synagogen Europas, da kein ausgesprochen nationaler Stil zur Verfügung stand, in einem seltsamen Gemisch romanischer Formen mit orientalischem Anstrich errichtet, ein Verfahren, das zu gänzlich charakterlosen Bildungen führte, die jüdischen Charakter bestimmt nicht aufwiesen und vom Wesen des Orients ungefähr ebenso viel zeigen wie ein Ausstellungspalast oder ein orientalisches Cafe in einer Großstadt. Am natürlichsten erscheint mir vielmehr ein organisches Weiterarbeiten im Sinne der allgemeinen und internationalen Entwicklung, kein Hervorkehren irgendeiner vermeintlichen jüdischen Eigenart, die vielleicht doch nichts ist als individuelle Artung des betreffenden Künstlers. Wahrschein-

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