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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 2 · p. 89

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Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 2
Article
Die Wirkung des Kompromisses
Date
1920-01-01
Page
89 (sequence 5)
Language
German
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Die Wirkung des Kompromisses 89 für sie sogleich verloren, denn sie erfolgt in zweckbefangener Abhängigkeit, sie wird mitgemacht, weil die Umwelt sie gemacht hat, mit der man unter allen Umständen auf gleicher Höhe oder Tiefe bleiben will. Sie darf wieder nur dazu führen, daß die deutschen Juden dasselbe sind wie die anderen Menschen, die in Deutschland leben. Es darf also nur deutschen Nationalismus geben. Deswegen wird man national, aber deutsch-national, und in Worten und Taten bemüht man sich immer aufs neue, diesen Charakter recht augenfällig zu zeigen. Deswegen bringt es Fuchs fertig, seine Liebe und seinen Haß zu den Juden außerhalb Deutschlands den entsprechenden Beziehungen zu den Christen anderer Länder gleichzustellen und die Normierung dieser Gefühle von der Entwicklung des Völkerbundes abhängig' zu machen. Deswegen beteiligt man sich an so vielem, was lärmend als nationale Pflicht aufgeboten wird, ohne viel zu fragen, ob man damit wirklich der Nation oder dem nationalen Gedanken dient. Das Verständnis für die Forderungen wahrhaft nationalen Wesens muß verdorben werden, wenn seine erste Forderung, die Pflicht zur Selbsterkenntnis, hartnäckig übersehen und als Übel und Gefahr behandelt wird. Es kann nicht die Aufgabe dieses Aufsatzes sein, noch einmal, wie das schon oft geschehen ist, die Fehlerhaftigkeit dieser deutschnationalen Ambitionen dadurch zu erweisen, daß man ihnen die jüdisch-nationale Anschauung gegenüberstellt und den Gegensatz wirken läßt. Das ist auch überflüssig, denn der Nationalismus dieser Art erledigt sich von selbst. Die Falschheit des Gedankens, die Unfähigkeit, der eigenen Anschauung treu zu bleiben, zeigt sich hier wie bei den anderen, schon besprochenen Ideen-Versuchen, und richtet ihr Objekt. Die Opposition gegen den jüdischen Nationalismus, die einerseits als Folge der deutschnationalen Auffassung nicht zu umgehen ist, muß andererseits den deutschen Nationalismus der deutschen Juden stark erschüttern. Denn sie zwingt dazu, dieselben Gegenstände einmal zu schmähen und zu verdammen, das andere Mal als höchsten Wert zu loben. Man spricht davon, daß das Leben des Einzelnen nichts ist gegenüber der Nation, daß aber die Nation ewig leben will und soll. Da ist die deutsche Nation gemeint, der deutsche Krieg und der Tod im deutschen Kriege soll verherrlicht werden. Den Zionisten aber, die ebenfalls von der Ewigkeit ihres Volkstums reden, kann man nicht oft genug versichern, daß die jüdische Nation sich seit längerer Zeit in eine Glaubensgemeinschaft umgewandelt habe und als Nation untergegangen sei, ja Fuchs behauptet sogar einmal, daß ein preußisches Edikt der jüdischen Nation ihr Ende bereitet, daß also ein formeller Gesetzesakt eine Naturtatsache überwunden habe, der Ewigkeitswert zugesprochen wird, wenn sie auf das Deutschtum bezogen wird. Wenn vom deutschen Volk gesprochen wird, dann hören wir, daß die Nation alles sei, daß man in der nationalen Gemeinschaft aufgehen müsse, daß.man auch des Judentums wegen das Vaterland nicht preisgeben dürfe. Die Zionisten aber, deren Forderungen auf der Erkenntnis beruhen, daß das Vqlks-

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