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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 2 · p. 87

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Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 2
Article
Die Wirkung des Kompromisses
Date
1920-01-01
Page
87 (sequence 3)
Language
German
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Die Wirkung des Kompromisses 87 mit jedem Zuge im Volkstum ruhendes Deutschtum als teilweise außerhalb des Deutschtums liegend, als Möglichkeit eines Vorbehaltes gegenüber dem Volkstum dargestellt wird. Die Echtheit dieses jüdischen, zur deutschen Nation gehörigen Stammestums ist ferner durch einige vergleichende Überlegungen leicht nachzuprüfen. Die Besonderheit der deutschen Stämme äußert sich häufig in einem bestimmten landsmannschaftlichen Gefühl der Zusammengehörigkeit, das in vielen politischen und gesellschaftlichen Erscheinungen zu bemerken ist. Wenn die Juden einen solchen Stamm bilden, so müßte diese Art ihrer besonderen Zusammengehörigkeit zugleich ein Gefühl der Verschiedenheit von den anderen (deutschen Srämmen, auch denen ihrer Heimatsbezirke, hervorrufen — wenn wir nicht etwa zu der sonderbaren Folgerung gezwungen werden sollten, daß die Juden es fertig bringen, mehreren Stämmen zu gleicher Zeit anzugehören. In der Tat ist häufig zu beobachten, daß die Juden eifrig bemüht sind, die besondere Tönung ihres engeren Heimatsgebietes wiederzugeben und mitzuempfinden. Das ist leicht zu erklären: alle Äußerungen eines ganz urwüchsigen und naturhaften Deutschtums werden mit besonderer Lebhaftigkeit übernommen. Deswegen begnügt man sich nicht damit, Deutscher zu sein, sondern man gibt sich als Ostpreuße, Bayer oder Rheinländer. Bei näherem Zusehen zeigt freilich, wie bei allen ähnlichen Erscheinungen, die krankhaft betonte Manier dieser Haltung, daß hier etwas Unnatürliches, eine übernommene Rolle vorliegt. Auf diese Beobachtungen soll nicht weiter eingegangen werden. Hier ist nur festzustellen, daß wieder einmal eine Disharmonie entsteht, wenn dem jüdischen Stammestum der deutschen Juden ihr ebenfalls behauptetes lokaldeutsches Stammestum gegenübergestellt wird. Für die innerliche Kraft diesen stammestümlichen Versuche ist das Verhältnis der Juden zum Partikularismus bezeichnend. In Wahrheit ist das Wesen der Juden, trotz ihrer markierten Bemühungen, mit keiner dieser deutschen Besonderheiten verwandt. Deswegen lehnen sie im politischen Leben fast durchweg partikularistische Bestrebungen ab und sind Anhänger des Einheitsgedankens. Das Verhältnis ist heute noch genau so wie in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Die Parteien, die mit Juden in Verbindung stehen, wollen den Einheitsstaat, die judenfeindlichen Parteien vertreten zugleich partikularistische Bestrebungen. Ein interessantes Beispiel hat noch die letzte Zeit gebracht: die partikularistische Gruppe des Zentrums, die sich aus Opposition gegen die in der Partei zurzeit herrschenden unitarischen Tendenzen absonderte, hat von jeher antisemitische Neigungen gezeigt. Diese Erscheinungen sind sicher nicht zufällig zu erklären. Sie zeigen, daß die Juden mit den Eigentümlichkeiten deutschen Stammestums keineswegs innerlich so fest verbunden sind, wie sie sich oft den Anschein geben. Die Brüchigkeit des Stammesgedankens, die aus diesen Betrachtungen hervorgeht, war zu erwarten, weil er, wie wir gezeigt haben, im Dienste einer Tendenz geschaffen worden ist. Diese Tendenz, die Zugehörigkeit zur deut-

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