Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ein missglückter Versuch
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 80 (sequence 4)
- Language
- German
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8o Josef Meisl: legierten zu Baron Hirsch, der die Einbeziehung von Syrien und der asiatischen Türkei in seinen Tätigkeitsbereich von der Erfüllung bestimmter, später noch festzusetzender Bedingungen abhängig machte. Nach der Abreise der meisten russischen und der deutschen Delegierten übernahm S. P. Rabinowitz deren Vertretung in Paris und verlangte dringend von den Chowewe-Zion in Rußland die unverzügliche Aufbringung eines Fonds von 50000 Rubeln für die Agrarbank. Da kam die traurige Kunde von dem Einwanderungs- und Bodenkaufverbot der türkischen Regierung, wodurch jegliche Tätigkeit lahmgelegt wurde. Mohilewer reiste abermals nach Paris und auch nach London, um mit Baron Rothschild und Baron Hirsch zu verhandeln. Dieser verlangte die Entsendung einer Delegation nach Konstantinopel behufs Verhandlung mit den türkischen Behörden wegen Aufhebung der beiden Verbote, sowie die Entsendung einer Expedition aus Vertretern der Chowewe-Zion, der Alliance und einigen von ihm selbst zu bestimmenden Personen nach Palästina zur Regelung der Kolonisation; weiter sollte die Zentrale nach einer westeuropäischen Stadt verlegt werden. Auf der Konferenz vom 11. September 1891, an welcher neben dem Vertreter der amerikanischen Chowewe-Zion Rechtsanwalt A. Rosenberg und Colonel Goldsmid aus London die meisten der Persönlichkeiten, welche auf der Konferenz vom 29. Juli anwesend gewesen waren, teilnahmen, wurde im wesentlichen den Wünschen des Baron Hirsch gemäß über die Entsendung der beiden Expeditionen Beschluß gefaßt (siehe Protokoll II). Die Delegierten der Chowewe-Zion versicherten sich noch einmal der Zustimmung des Baron Rothschild in London und des „Deutschen Zentral-Komitees für die russischen Juden" in Frankfurt a. M. Sie versuchten weiter der geplanten Aktion durch die Beschlüsse einer Konferenz in Warschau größeren Nachdruck zu verschaffen. Aber sie waren nicht imstande, auch nur annähernd den an sie von Baron Hirsch gestellten Anforderungen zu genügen, und die von ihnen verlangten Summen aufzubringen*). So verflog der kurze Traum, und Baron Hirsch, der sich nicht mehr an seine Zusage gebunden hielt, widmete seine volle Kraft und seine Millionen dem argentinischen Werke. Die beiden folgenden Protokolle habe ich im Nachlasse von S. P. Rabinowitz nebst vielen Briefen aus der Zeit der Chibath-Zion-Bewegung vorgefunden. Das erste Protokoll ist in einer handschriftlichen, das zweite in einer hektographierten Kopie vorhanden. Sie sind bisher, soweit ich feststellen konnte, im Wortlaut nicht veröffentlicht worden, waren aber nicht ganz unbekannt, wie sich aus der Schrift von S. Tschernowitz über den Orden „Bne Mosche" ergibt. I. Protokoll der Versammlung vom 29. Juli 1891 in Paris Am 29. Juli 1891 fand in Paris eine Versammlung statt, an welcher folgende Herren teilnahmen: *) S. Tschernowitz, „Bne Mosche ut'kufatam". Warschau 1914, S. 81 ff.