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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 2 · p. 79

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 2
Article
Ein missglückter Versuch
Date
1920-01-01
Page
79 (sequence 3)
Language
German
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Ein mißglückter Versuch 79 sinnlos hinausgeworfen wurden, nur um die Geldsäcke der Ausbeuter zu füllen*). Nur wenige, in erster Reihe Achad Haam, der schon früher die Verfehltheit des ganzen Systems der Kolonisation einer scharfen, aber durchaus verdienten Kritik unterworfen hatte**), erkannten den vollen Ernst der Situation, und die Schilderungen von der Art und den Wirkungen der Bodenspekulation, die er selbst in Palästina beobachten konnte, sind sicherlich nicht übertrieben***). Die Gefahr, die dem Kolonisationswerke von diesen Zuständen drohte, bestand nicht allein in einer heillosen Korruption, nicht allein in einer künstlichen Verteuerung des Bodens, sondern schließlich auch darin, daß die Aufmerksamkeit der türkischen Regierung auf diese Zustände gelenkt wurde, die ihr einen willkommenen Vorwand' zu einem Verbot des Landkaufs und der Einwanderung von russischen Juden boten. Die Unzufriedenheit mit den bisherigen Resultaten, sowie die haltlosen Zustände in Palästina legten den Chowewe-Zion-Vereinen den Gedanken nahe, daß sie aus eigener Kraft den großen Anforderungen des Kolonisationswerkes nicht gewachsen sein würden, und daß nur ein inniger Zusammenschluß aller in Betracht kommenden Organisationen, vor allem die tatkräftige Mitarbeit der Alliance Israelite Universelle und des Baron Hirsch, Rettung bringen könnte. Die so entstehende neue Organisation müßte vor allem eine Agrarbank gründen und die Einwanderung nach Palästina regeln. Die Wortführer dieser Idee, der Bialystoker Rabbiner Samuel Mohilewer, der Schriftsteller Schaul Pinchas Rabinowitz (Schefer) aus Warschau und Jehoschua Syrkin aus Minsk reisten anfangs Juli 1891 über Berlin, wo sich ihnen Dr. Hirsch Hildesheimer und S. Simmel, die lebhaft für die Palästinakolonisation arbeiteten, anschlössen, nach Paris. In der Unterredung, die sie am 16. Juli mit Baron Hirsch hatten, stimmte dieser im Prinzip zu, verlangte jedoch zunächst die Mitwirkung der Alliance. Da in deren Zentralkomitee Anhänger der Chibath-Zion, wie Grand Rabbin Zadoc Kahn und Michael Erlanger saßen, so kam am 29* Juli die gewünschte Konferenz ohne Schwierigkeit zustande, auf der, wie das folgende Protokoll I ergibt, zwar das Einverständnis zur Gründung einer Bank für hypothekarische Anleihen und Bodenkauf sowie zur Regelung der Emigration erklärt wurde, wobei jedoch die Alliance-Vertreter forderten, daß die Aktienzeichnungen zunächst in Rußland zu erfolgen hätten und die Gelder durch Vermittlung der Alliance bei einem bedeutenden Bankhause in Westeuropa deponiert werden sollten, bis sich die etwaige Notwendigkeit einer nicht auf Rußland zu beschränkenden Aktienausgabe herausstellen sollte. Die Vertreter der Alliance übernahmen sodann die Vermittlung näherer Beziehungen der russischen De- *) Glückson, 1. c; Mordechai ben Hillel Hakohen, „Nachalah mewaheleth" in Luach Achiasaf 1904. **) Siebe den Aufsatz „Lo se haderech" und andere aus den Jahren 1889—1891. ***) Siehe „Emeth meerez Jisrael".

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