Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Rassenkunde
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 55 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau: Rassenkunde 55 sind (Max Sichel, Die Nervenkrankheiten der Juden; Fishberg, Auerbach). Es bleiben jedoch einige Erkrankungen, bei denen das Verhalten der Juden nach dem heutigen Stande des Wissens als eine Eigenart ihrer Rasse bezeichnet werden muß. Hierher gehören: 1. Der grüne Star (Glaukom). Diese schwere Augenkrankheit tritt, unabhängig von den sozialen Verhältnissen, auffallend häufig bei Juden auf (Fuchs, Lehrbuch der Augenkrankheiten; Singer u. a.). 2. Die amaurotische Idiotie, eine im frühen Kindesalter auftretende tödliche, mit Blindheit verbundene Gehirnerkrankung. Von den bisher beschriebenen etwa 20 Fällen dieser sehr seltenen Erkrankung sind fast alle an jüdischen Kindern beobachtet worden (Singer). 3. Der Krebs der Gebärmutter. Diesem sehr häufigen Leiden erliegen weit weniger jüdische als nicht jüdische Frauen (Auerbach, Rosenfeld, Theilhaber), während die Juden an allen anderen Krebserkrankungen ihrer Zahl entsprechend beteiligt sind. Die Seltenheit des Gebärmutterkrebses scheint ein altes Rassenerbe der Juden zu sein, denn auch im heutigen Orient ist bei anderen Stämmen diese Erkrankung selten (Auerbach, Die syrische Frau, Arch. f. Rass.- u. Ges.-Biol. 1916). d) Geistige Rassenmerktnale Das Suchen nach einer geistigen Eigenart setzt die Annahme voraus, daß sie überhaupt eine besondere Rasse mit eigenen Merkmalen sind. Von Fishberg, der das leugnet, wird daher auch diese Frage gar nicht erörtert. Man kann diesem Problem nähertreten, indem man entweder die unterscheidende geistige Eigenart der heutigen Juden zu erfassen sucht, oder indem man aus ihren in der geschichtlichen Vergangenheit liegenden Kulturleistungen Rückschlüsse auf ihre Veranlagung zieht. Gewöhnlich werden beide Wege zusammen beschritten; zu sicheren, einwandfreien Ergebnissen führt bisher keiner. 0 Aus der ungeheuren Literatur seien nur einige Werke genannt, die nähere Beziehungen zum Rassenproblem haben: H. St. Chamber« lain, Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts. —• Reibmayr, Inzucht und Vermischung im Leben der Völker. — Moses Heß, Rom und Jerusalem. 1862. — Spinoza, Der theologisch-politische Traktat. 1670. — Buber, Vom Geist des Judentums. 1915. — Sombart, Die Juden und das Wirtschaftsleben. 1911. — Zollschan, Das Rassenproblem. 3. Aufl. — Ruppin, Die Juden der Gegenwart. 1904 (2. Aufl. 1911). Das Buch von Chamberlain ist ein ungeheures, glänzend geschriebenes, aber innerlich völlig wertloses Pamphlet. Richtunggebend sind ein paar fanatische Vorurteile. Dabei wimmelt das Werk von groben Fehlern, willkürlichen Behauptungen, gehässigen Urteilen und den tollsten Widersprüchen. Mehr als ein Drittel handelt von den Juden. Sie sind die Träger alles Bösen. Bald heißen sie hochbegabt, bald beschränkt einseitig. Sie sind nie Schöpfer, immer nur Nutznießer der Kultur; bar jeder Religiosität und jedes Sinnes für Kunst; reine Willensmenschen, vom Hunger nach Macht und grob materialistischen Trieben gestachelt; Feinde jedes nationalen Volkstums; ein Element der Zersetzung. — Das Buch wird nur erwähnt, um davor zu warnen. Doch sollte es von Kritischen gelesen werden, da es durch tausendfachen Anreiz zum Widerspruch — gegen seine Absicht — klärend wirken kann. Reibmayr sieht in den Juden ein hochwertiges Kulturelement, weil sie verstanden haben, ihre Rasse und Eigenart rein zu erhalten. Nur Rassenreinheit verbürgt dauernd Kulturhöhe (vgl. Gobineau). Das Buch Moses Heß' ist trotz mancher Irrtümer im einzelnen von bleibendem Wert durch seine vertiefte Auffassung der geistigen Werte des Judentums. Er findet diese vor allem in der Verkündung der sozialen Gerechtigkeit und der sittlichen Freiheit der Persönlichkeit. Moses, Jesus, Spinoza und Marx sind ihm Kinder eines jüdischen Geistes. — Ähnliche Gedanken über das Judentum finden sich in Henry Georges „Moses" und in Damaschkes „Bodenreform". Baruch Spinoza fand den Kern der Bibel (und damit des Judentums) in der Feststellung des göttlichen Gesetzes der Sittlichkeit und Nächstenliebe. Hierher gehört z. T. auch die neuere Literatur über die Prophetie, insbesondere die Arbeit von Troeltsch: „Die Ethik der Propheten" („Logos", Bd. IV) und von Kellermann: „Der ethische Monotheismus der Propheten" (1916). Bub er sieht den Kern der jüdischen Eigenart in dem schrankenlosen Drang nach Vereinheitlichung der Welt, besonders nach der inneren Vereinigung des Einzelmenschen mit dem All durch Entscheidung und Tat. Die Juden gehören zum „motorischen" Menschentypus. Er stützt sich dabei weniger auf das antike Judentum als auf die religiös-mystischen Bewegungen der Kabbala und des Chassidismus. Der stärkste Wert der Juden ist die Tiefe ihres religiösen Gefühls. Demgegenüber betont Zollschan als Hauptkennzeichen des jüdischen Geistes die Entwicklung der rationalen Vernunft, der Intellektualität.