Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Rassenkunde
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 54 (sequence 6)
- Language
- German
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54 Umschau: Rassenkunde die kleineren Differenzen zwischen den verschiedenen Ländern dürften durch neuere Mischungen (F i s h b e r g), durch den Einfluß relativer Isolierung und getrennter Vererbung, durch Angleichung an die Umwohner mit Hilfe geschlechtlicher Zuchtwahl (Auerbach) zu erklären sein. Das auffallend häufige Nachdunkeln blond geborener jüdischer Kinder in den nordischen Ländern spricht auch für einen gewissen, wenn auch begrenzten Einfluß des Klimas, das der Entwicklung des Pigments ungünstig ist. Einen Vergleich bieten hierfür die Versuche von Fischer und Standfuß an Schmetterlingen. b) Physiologische Rassenmerkmale Die Rassenmerkmale, die mit dem Ablauf der Lebenserscheinungen zusammenhängen, sind bei allen Rassen bisher nur in geringem Maße untersucht worden. Bei den Juden wissen wir von Rassenverschiedenheiten auf den Gebieten des Wachstums, der Ernährung, der Bewegungserscheinungen und der Sinnestätigkeiten so gut wie nichts. Einiges wenige dagegen im Bereich der Fortpflanzungserscheinungen. Hier ist zunächst das Zahlen Verhältnis der Geschlechter zu nennen, das bei allen Kulturvölkern ein feststehendes ist (106 Knaben auf ioo Mädchen bei den Lebendgeborenen) Schon Raub er (Der Knabenüberschuß und seine biologische Bedeutung, 1881) hat angegeben, daß die Juden eine höhere Knabenziffer aufweisen. Fishberg (a.a.O.) bestreitet das, ohne Gegenbeweise zu erbringen. Die Tatsache selbst ist neuerdings von Auerbach (Die Sterblichkeit der Juden in Budapest, Z. f. Stat. u. Demogr. d. Jud. 1908 und „Das wahre Geschlechtsverhältnis des Menschen", Arch. f. Rass.- u, Ges.- Biol. 1912) bestätigt worden; er zeigt jedoch gleichzeitig, daß dies nicht eine Rasseneigentümlichkeit, sondern die Folge der geringeren Fehlgeburtenzahl unter den Juden ist» Ein echter Rassen Charakter dagegen ist der Zeitpunkt des Eintritts der weiblichen Reife, der ersten Menstruation. Dieses stellt sich bei europäischen Mädchen meist zwischen dem 15. und 16. Jahr ein, in den großen Städten etwas früher; bei den orientalischen Völkern dagegen meist zwischen dem 12, und 14. Jahr (Ploß, Das Weib in Natur- und Völkerkunde). Die jüdischen Mädchen in Europa nun, obwohl unter den gleichen klimatischen und sozialen Bedingungen lebend wie die Europäerinnen, folgen hierin den Orientalinnen (Ploß, Theilhaber, Auerbach). Es ist auch angegeben worden, daß die Fruchtbarkeit der Juden größer sei als die anderer Völker (vgl. II. Mos., Kap. 1), doch ist das kaum richtig. Wo die Juden sich stärker vermehren als ihre Nachbarn, ist dies durch soziale Verhältnisse erklärbar (z. B. im Orient, Osteuropa, New York). In Westeuropa zeigen sie im Gegenteil, ebenfalls aus sozialen Gründen, die geringsten Geburtenziffern (Theilhaber, ,,Der Untergang der deutschen Juden" und „Das sterile Berlin".) — Ob bei den Juden Zwillingsgeburten häufiger vorkommen als bei anderen, ist noch nicht sichergestellt. c) Pathologische Rassenmerkmale Wichtigste Literatur; Fishberg, Die Rassenmerkmale der Juden (hier zahlreiche Literaturnachweise). — Singer, Die Krankheiten der Juden. — Rosenfeld, Die Sterblichkeit der Juden in Wien. Arch. f. Rass.- u. Ges.-Biol. 1907. — Auerbach, Die Sterblichkeit der Juden in Budapest. Z. f. Stat. u. Dem. d. Jud. 1908. — Mehrere Arbeiten von Fishberg in Z. f. Stat. u. Dem. d. Jud. 1904—1907. Das Verhalten der Juden gegen gewisse Krankheiten ist seit langem als ein bezeichnendes Rassenmerkmal betrachtet worden. In den meisten Fällen jedoch läßt sich zeigen, daß es vor allem auf soziale Verhältnisse zurückzuführen ist (s. besonders Fishberg und Auerbach). Dies gilt besonders für die angebliche Festigkeit der Juden gegen allgemeine Volksseuchen, das sogar zu Judenverfolgungen geführt hat (der „schwarze Tod" im Mittelalter, Choleraepidemien, Blattern, auch Tuberkulose und Syphilis). Wo die Juden weniger unter diesen Seuchen litten, geschah das wegen ihrer räumlichen Absonderung (Fishberg), vernünftigeren Lebensweise oder, wie bei der Syphilis, wegen ihres reineren Familienlebens. Fishberg hat in seinen Arbeiten diese Verhältnisse in scharfsinniger und einwandfreier Weise aufgeklärt. Bei einer ganzen Reihe von Kinderkrankheiten (Darmkatarrh, Masern, Diphtherie, Lungenentzündung usw.) zeigen jüdische Kinder eine auffallend geringe Sterblichkeit. Diese erklärt sich jedoch durch die größere Fürsorge der jüdischen Eltern und ihre soziale Lage (Rosenfeld, Auerbach). Für andere Erkrankungen ist umgekehrt eine besonders starke Beteiligung der Juden nachgewiesen worden. Das bekannteste Beispiel hierfür ist die Zuckerkrankheit (Diabetes). Da die meisten Statistiken infolge einseitiger Auswahl unbrauchbar sind, untersuchte Auerbach die Sterblichkeit. Er konnte zeigen, daß Diabetes eine Berufskrankheit bestimmter Schichten ist und daß innerhalb dieser Schichten die Juden keinerlei Besonderheiten aufweisen. — Dasselbe gilt auch für die Nerven- und Geisteskrankheiten, die bei den Juden stark verbreitet