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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 1 · p. 53

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 1
Article
Rassenkunde
Date
1920-01-01
Page
53 (sequence 5)
Language
German
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Umschau: Rassenkunde 53 meniern und deren Vorfahren, den Hethitern (vgl. Abschn. II). Die Körperlänge kann nicht ohne weiteres als Rassenmerkmal benutzt werden, da sie sehr stark von äußeren Ursachen beeinflußt wird. Die Juden zeigen hier in verschiedenen Ländern erhebliche Abweichungen (Tabellen bei Judt und Fishberg). Fishberg will auch in diesen Unterschieden eine Parallele zu den Bevölkerungen der betreffenden Länder finden, doch besteht eine solche Gesetzmäßigkeit bei kritischer Durchrechnung seiner Zahlen nicht. Die in Amerika eingewanderten Juden haben eine größere durchschnittliche Körperlänge als die in ihren Ursprungsländern zurückgebliebenen (Boas, Fishberg). Die gleiche Erscheinung zeigt sich bei allen Auswanderern, auch bei anderen Völkern. Der Brustumfang bleibt bei den Juden fast überall hinter dem der Landesbevölkerung zurück (Snigireff, Fishberg). Auch das ist nicht ihrer Rasse, sondern den drückenden sozialen Verhältnissen der meisten Juden zuzuschreiben. Die „Judennase" ist nach Fishberg, Weißenberg u. a. kein Kennzeichen der Juden, da sie sich nur in etwa 15% der Fälle findet. Bezeichnender als Höhe und Krümmung des Nasenrückens ist vielleicht Ansatz und Formung der Nasenflügel. 3. Farbe der Haare und Augen. Im Jahre 1885 berichtete Virchow (s. 0.) über eine Sammelforschung an ungeheurem Material: an fast 7 "Millionen deutscher Schulkinder wurde die Farbe der Haare, der Augen und der Haut festgestellt, darunter an über 80000 jüdischen Kindern. Unter diesen fanden sich über 30% Blonde (gegen 60% etwa bei den deutschen Kindern). So hoch ist aber die Blondenziffer für die erwachsenen Juden in Deutschland bei weitem nicht; bei ihnen ist nach Virchow, Ammon, Auerbach die Zahl der Blonden nur etwa 12%. Zwei Drittel der blonden Haare also dunkeln bei den jüdischen Kindern nach, während es bei den deutschen nur ein Sechstel bis ein Viertel sind (Virchow). Überschauen wir die Blondenzahlen der Juden in anderen Ländern, so finden wir zunächst sehr starke Unterschiede: 0% bei den Yemeniten (Weißenbürg) bis 30% bei Londoner Juden (Jacobs). Aus diesen Unterschieden schließt Fishberg wie beim Schädelindex, daß die Juden verschiedener Länder nicht der gleichen Rasse zuzurechnen sind. Aber eine ähnliche Betrachtung wie dort führt zu ganz anderem Ergebnis. Die aschkenazischen Juden sind eine in sich fest geschlossene Gruppe mit sehr geringen Schwankungen in der Blondenziffer: Bei 10601 von Fishberg und Auerbach zusammengestellten Beobachtungen finden sich 14,5% Blonde, 82,1% Dunkelhaarige. Um diesen Durchschnittswert pendeln die einzelnen Zahlen in sehr engen Grenzen*). 80% der Blondenzahl entfernen sich vom Mittelwert um nicht mehr als 3%! — Dunkler erscheinen die sephardischen Juden: Bei 714 Beobachtungen, die Fishberg zusammenstellt, 6,2% Blonde, 93% Dunkelhaarige (vgl. die Anm.). Beide Gruppen weisen daneben noch 2—4% Rothaarige auf. — Ganz außerhalb dieser Grenzen liegt wie^ der die kleine Gruppe der Yemeniten, Kaukasier usw., bei der sich unter 519 Beobachtungen nur 2% Blonde finden. Unsere Schlüsse aus dem Schädelindex werden hier also bestätigt. Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse bei der Augenfarbe**). Die Zahl der hellen Augen ist überraschend groß, weit größer als die Zahl der Blondhaarigen, so daß augenscheinlich diese beiden Merkmale voneinander ganz unabhängig sind. Fishberg zählt bei der Zusammenstellung von 10 301 Beobachtungen an Aschkenazim 43,7% helle und 56,3% dunkle Augen; bei 714 Beobachtungen an Sephardim 29,3% helle und 70,7% dunkle Augen. Die kleinen abweichenden Gruppen sind auch hier viel dunkler pigmentiert: unter 519 Beobachtungen 12% helle und 88% dunkle Augen. Über die Herkunft der blonden und blauäugigen Juden bestehen mehrere Theorien, v. Luschan und Judt leiten sie aus der alten Mischung mit Amoritern her, Fishberg (Zur Frage der Herkunft des blonden Elements im Judentum. Zeitschrift f. Statistik und Demographie der Juden 1907, Heft 1) von neueren Mischungen, vor allem mit slawischen Völkern. Nach den vorliegenden Tatsachen ist es das Wahrscheinlichste, daß ein gewisser Grundstock von Blonden (vielleicht 10%) und Helläugigen (etwa 30%) bereitsaus alten Mischungen stammt; *) Die Grenzen wären sicher noch bedeutend enger, wenn nicht bei der Feststellung der Farben die einzelnen Untersucher eine starke persönliche Willkür zeigen würden. So ist es durch Kontroll-Untersuchungen anderer Forscher am gleichen Material zweifellos, daß z, B. Beddoe und Elkind „zu schwarz" sehen, Jacobs dagegen zuviel Blonde zählt. **) Man unterscheidet am besten, den jetzt bekannten Vererbungsgesetzen für die Augenfarbe entsprechend, nur zwei Arten von Augen: helle (blaue und hellgraue) und dunkle (dunkelgraue, gesprenkelte, grüne, braune und dunkelbraune) Augen, die sich durch das Fehlen oder Vorhandensein von Pigment innerhalb der Iris unterscheiden* — Auch hier herrscht in den bisherigen Arbeiten ein unglaublicher Wirrwarr.

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