Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Rassenkunde
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 51 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau: Rassenkunde 51 bis 85) als die echten Nachkommen der Hethiter, die Armenier (Index meist über 85); und ihr Schädel hat eine ganz andere Form, er ist länger und breiter, aber flacher, der armenische sehr kurz („ohne Hinterkopf"), steil und hoch. — Besser begründet ist die Ableitung der Blonden von den Amoritern, die A. als nahe Verwandte der um 1180 von den griechischen Inseln her eingewanderten Philister erweist*). Für die Zeit der Diaspora nimmt Auerbach eine relative Rassenreinheit der Juden an. In starkem Gegensatz hierzu steht Fishber g, der in zahlreichen sehr wertvolles eigenes Material enthaltenden Arbeiten und zuletzt in seinem zusammenfassenden Buche „Die Rassenmerkmale der Juden** (Deutsche Ausgabe: München 1912) die Behauptung vertritt, daß die Juden infolge unausgesetzter und verschieden gerichteter Mischungen heute überhaupt nicht mehr als Rassengemeinschaft, sondern nur noch als Religionsgemeinschaft zu betrachten sind. Nach ihm stehen die aschkenazischen, sefardischen, nordafrikanischen, yemenitischen, abessinischen, persischen, kaukasischen usw. Juden den Bevölkerungen ihrer Aufenthaltsländer körperlich näher als untereinander. So leitet z. B. Fishberg (wie vor ihm. schon Ikow) die osteuropäischen Juden im wesentlichen aus der slawischen Bevölkerung Rußlands ab. Diese aus dem eigenen Material Fishbergs leicht zu widerlegende Behauptung (siehe folgenden Teil) leitet als vorgefaßte Meinung die ganze Darstellung des Buches. Die Rassenmischungen in neuerer Zeit überschätzt Fishberg ganz erheblich. Als ihre Quellen sieht er an: 1. Übertritte zum Judentum, 2. Haussklaven, 3. Aufnahme der Chazaren, 4. Vergewaltigungen jüdischer Frauen bei Judenverfolgungen, 5. Mischehen. Das in vielen Einzelheiten ausgezeichnete Buch Fishbergs, das auch sehr reichliche Literaturangaben enthält, ist wegen des voreingenommenen Standpunktes des Verfassers als Gesamtdarstellung nur mit Vorsicht zu benutzen. Wie weit hier die Anschauungen auseinandergehen, sieht man an dem älteren Buche *) Zur Erklärung der starken Differenz in der Kopfform der heutigen Juden und der „semitischen" Beduinen (jene sind Kurzköpfe, diese Langköpfe) weist Auerbach darauf hin, daß die rein sprachliche Gruppe der „Semiten" anthropologisch keine Einheit ist, sondern mindestens in zwei Gruppen zerfällt: Nordsemiten (Israeliten, Kanaanäer, Phönizier, Aramäer, Mesopotamier) und Südsemiten (Minaer, Sabäer, Hadramantiter, afrikanische Semiten und Hamiten). Die heutigen Juden sind die letzten lebenden Vertreter der Nordsemiten, die Araber die der südsemitischen Gruppe. von R. Andree (Zur Volkskunde der Juden, Bielefeld 1881), dem zwar weit weniger moderne Messungen, aber doch das ganze geschichtliche Material vorlag. Das (im ganzen wenig jüdenfreundliche) Buch kommt zu dem Schluß, daß die Juden mit erstaunlicher Zähigkeit ihre Rassenreinheit bewahrt haben. Nur nebenher und sehr unklar äußert sich über diese Fragen Ignaz Zo lisch an (Das Ras-, senproblem mit besonderer Berücksichtigung der Grundlagen der jüdischen Rassentheorie. Wien 1910). Da er eine Veränderlichkeit der Rassenmerkmale durch äußere Einflüsse und durch kulturelle Tätigkeit annimmt, wird der Begriff der „Rasse" bei ihm zu verschwommen, um überhaupt noch greifbar zu sein. Er zählt die Juden zur Mittelmeerrasse und scheint in den heutigen Juden echte. Nachkommen der alten Israeliten zu sehen. In der neuesten Zeit hat die Blutmischung der Juden durch zahlreiche Mischehen stark zugenommen. Über den Umfang dieser Bewegung unterrichtet am besten das hervorragende Werk von Arthur Ruppin, Die Juden der Gegenwart (Berlin 1904, 2. stark veränderte Auflage 1911). Da aber etwa 9/io der Kinder aus Mischehen durch die Taufe aus dem Judentum ausscheiden (nach demselben Autor), gelangt nur wenig rassefremdes Blut in die jüdische Gemeinschaft, zumal der Prozeß bisher erst etwa ein Achtel der Judenheit ergriffen hat. Ergebnis: Rassenmischungen der Juden zur Zeit ihrer staatlichen Selbständigkeit werden von allen Seiten zugegeben. Sie haben den ursprünglichen Typus der in Palästina einwandernden Israeliten verändert, aber wohl kaum völlig verwandelt. Seitdem dann ein neues Gleichgewicht der Mischungsbestandteile erreicht war, haben die Juden ihren Rassencharakter zäh durch zwei Jahrtausende beibehalten. Der heutige Jude gleicht noch dem auf assyrischen und ägyptischen Denkmälern dargestellten. III. Anthropologie der Juden a) Anatomische Rassenmerkmale Die Ergebnisse des Studiums der jüdischen Rassengeschichte müssen, um Geltung zu gewinnen, übereinstimmen mit dem durch die neueren Untersuchungen festgestellten Befunde an den heutigen Juden und imstande sein, diesen Befund zu erklären. In erster Linie gilt das für die körperlichen Merkmale der jüdischen Rasse, die im folgenden gesichtet werden sollen. Literatur: Fishberg, Die Rassenmerkmale der Juden. 1912. — Von den zahlreichen Einzelarbeiten Fishbergs sei als wichtigste genannt: Mem. of the amer. anthrop. and ethnolog. 4*