Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Kompromiss des deutschen Judentums
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 23 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Kompromiß des deutschen Judentums 23 nur formell-jüdischen Interessen zu folgen. Dabei waren manche Widerstände zu tiberwinden. Diese erste Regung eines selbstverständlichen Bewußtseins mußte sich durchsetzen gegenüber einem Geiste demütigster Selbstverleugnung und Unterwürfigkeit, Sie hatte zu kämpfen gegen das überall geltende Bestreben, nur nicht aufzufallen, nur alles zu vermeiden, was auf die Tatsache einer jüdischen Besonderheit hingedeutet hätte. Aber selbst diese Verdienste, die sich die Idee der Selbstverteidigung um das Judentum erworben hat, können nicht kritiklos anerkannt werden. Denn sie sind verbunden mit einem Gefühl des Trotzes, das keineswegs als wertvoll angesehen werden kann. Häufig wird z. B. auch bei Fuchs der Kampf als solcher gepriesen, die Freude am Kampf tritt unverhältnismäßig mehr hervor, als etwa das Gefühl einer Freude am aufbauenden Werk, die Ausdrucbsweise wird charakterisiert durch Begriffe, die dem Geist des Kampfes entnommen sind, Worte von Fahnenflucht und Ehrlosigkeit spielen eine große Rolle. Es wird hervorgehoben, daß es nicht lohnen würde, das gesteckte Ziel mühelos zu erreichen, , .durch Kampf zum Recht" ist das oft wiederholte Leitwort, ohne Kampf also wäre der Sieg des Rechts weniger wertvoll. Selbst wenn man sich diese Anschauungsweise restlos zu eigen machen und übersehen will, daß sie notwendig mit einem Mangel an Verständnis für die Werte positiven Schaffens verbunden ist, dann darf man zum mindesten dem Zionismus nicht Mißvergnügen und verletzten Stolz als Entstehungsursachen vorwerfen. Eine Gedankenrichtung, die in diesem Grade von Kampf- und Abwehrvorstellungen beherrscht wird, widerspricht sich selbst, wenn sie einer-anderen Anschauung gegenüber tadelnd hervorhebt, daß sie auf Unterdrückungen reagiere. Dieses geistige Gebäude, an dem wir Widersprüche und Unzulänglichkeiten festgestellt haben, wird im Laufe der Zeit weiter ausgebaut. Es macht sich nämlich allmählich doch das Bedürfnis bemerkbar, die Tatsache eines jüdischen Zusammenschlusses nicht nur mit Abwehrgedanken zu rechtfertigen, die auf allgemeingültigen Prinzipien aufgebaut sind, sondern mit eigenen, besonderen Werten zu begründen. Sonderbar ist nun schon die allgemeine Grundlinie, die für diese Entwicklung angegeben wird. Man sollte meinen, daß die Erkenntnis der Pflicht zur Selbstverteidigung von dem Bewußtsein eines eigenen Wertes hervorgebracht wurde, daß man irgendwelche Güter besaß und gut kannte, als man die Bedeutung des Angriffs empfand und sich zur Abwehr entschloß. Aber es ist gerade umgekehrt. Nach der Ideologie des Zentralvereins sind Treue und Kenntnis, Selbstbewußtsein und Selbstzucht erst olgen der Abwehr, der Kampf verlangt diese Werte, und so entstehen sie dem Bedürfnis nach solchen Mitteln. Diese Konstruktion verrät eine 'Axt sehr einwandfreie Psychologie, und vor allem ist sie nicht geeignet, Bedeutung dieser positiven Werte zu erhöhen. Von den Werten, die hier in Frage kommen, ist in erster Linie die Reli- zu erwähnen. Sie müßte der Grundpfeiler des deutschen Judentums sein, seit langem verkünden seine Führer, daß das Wesen des deutschen Juden-