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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 1 · p. 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 1
Article
Theodor Herzls Verhandlungen mit dem türkischen Sultan
Date
1920-01-01
Page
14 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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M Theodor Herzls Verhandlungen mit dem türkischen Sultan worden, sondern der Unterhändler der zionistischen Bewegung ist mit großen Ehren und großem Wohlwollen aufgenommen worden. Diese Arbeit habe ich damals in London in dem Bilde bezeichnet, daß wir nur imstande sind, die Drähte zu legen, die Kraft müssen wir aber vom Volke bekommen. Wir haben diese Drähte gelegt, die Kraft hat man uns nicht geliefert, das ist eine Tatsache, über die wir uns nicht täuschen können. Folglich ist von uns aus eine Änderung dieser Verhandlungssituation nicht zu gewärtigen. Eine Änderung könnte nur kommen, wenn die Türkei plötzlich in einen Krieg verwickelt wird oder in eine internationale Schwierigkeit kommt. Wie die Dinge jetzt stehen, sehe ich eine Änderung unserer Verhandlungssituation nicht voraus. Ich halte mich verpflichtet, Ihnen dies mitzuteilen. Inwiefern wir es der Öffentlichkeit vollständig übergeben werden, und noch über das hinaus, was in den offiziellen Publikationen enthalten war, wird beschlossen werden müssen. Ich bin selbstverständlich nicht der Ansicht, daß unsere Bewegung darum zusperren soll oder daß wir entmutigt sein sollen. Dazu sehe ich keinen Grund ein, wenn wir auch vor abgebrochenen Verhandlungen stehen. Nun hat das A. C, da es an eine Ausweitung des Einflusses der zionistischen Bewegung und an eine Erstarkung unserer Organisation denkt, selbstverständlich sich auch mit allgemeinen jüdischen Angelegenheiten dauernd befaßt. Es wurde infolge der Einwanderung in England eine Kommission eingesetzt, bestehend aus Lords und Abgeordneten. Von dieser Kommission wurde ich eingeladen. Das ist darum ein Erfolg der zionistischen Bewegung, weil die Leute zum erstenmal in einem Akt des englischen Parlamentes unsere Bewegung anerkannt haben. Ich habe in dieser Aussage selbstverständlich einen politischen Zweck verfolgt. Ich wollte nach zwei Richtungen wirken: Erstens, daß kein Einwanderungsverbot in England entstehe, weil ich darin ein schweres Präjudiz gesehen hätte. Auf der anderen Seite habe ich mich bemüht, England dahin zu bringen, daß es sich unserer gegenwärtig am schwersten in Rumänien bedrückten Brüder annimmt, und ich glaube, daß meine Aussage nicht ganz ohne Wirkung war. Es ist nicht zu anmaßend, wenn das Einschreiten Amerikas mit darauf zurückzuführen ist. Hier waren wir in einer gewissen Beziehung in eine nähere Berührung mit dem englischen Assimilationsjudentum gekommen. Hier liegt die nächste Zukunft unserer Tätigkeit; der Punkt, auf dem wir einsetzen müssen, ist dieses politisch und finanziell sehr einflußreiche Judentum Englands. Ich würde daher meinen, daß wir einerseits auf die Eroberung dieser englischen Judenschaft, andererseits auf die Gewinnung der Sympathien der englischen Regierung in einer sehr nachdrücklichen Weise hinarbeiten müssen. Das ist die Richtung, die ich für die nächste Zukunft voraussehe. In dieser Beziehung werden wir Verschiedenes versuchen müssen — und auch in Rußland. Für England werde ich Ihnen einen besonderen Vorschlag machen, daß wir in London ein Blatt gründen oder kaufen, ein Blatt, welches einen fort-

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