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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 1 · p. 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 1
Article
Theodor Herzls Verhandlungen mit dem türkischen Sultan
Date
1920-01-01
Page
13 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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Theodor Herzls Verhandlungen mit dem türkischen Sultan 13 die Juden vorsichtig und zurückhaltend sind* Man wird sie nur zu einer großen Anstrengung haben, wenn sie etwas in Händen haben," Ich wollte einen provisorischen Charter für nichts bekommen, da ich nichts zu bieten imstande war. Im Februar habe ich eine Einladung bekommen, zum Sultan zu kommen. Ich bin mit Mr. Cowen hinuntergefahren und habe die Unterhandlungen fortgesetzt. Im Laufe dieser Verhandlungen hat sich die wunderbare Erscheinung gezeigt, daß unser Auftreten eine solche Sympathie in der Türkei erreicht hat, daß wir, obwohl wir ohne Geld gekommen sind, doch noch gut angehört worden sind. Allerdings war das, was man uns geboten hat, nicht das, was wir gebraucht haben, und zwar wurde uns angeboten die Kolonisation in Mesopotamien und anderen Teilen der kleinasiatischen Besitzungen des Sultans. Ich habe dieses Anerbieten abgelehnt, da ich einen Kongreßauftrag habe, welcher meine Verhandlungen dirigiert. Ich bin vielleicht nicht in den besten Beziehungen abgereist, denn ich habe einen formellen Antrag rundweg abgelehnt. Nichtsdestoweniger ist es mir durch eine anhaltende Arbeit gelungen, neuerlich zur Wiederaufnahme der Unterhandlungen eingeladen zu werden und zwar Ende Juni d. J. Ich fuhr mit D. Wolffsohn nach Konstantinopel und habe die Unterhandlungen zum Zwecke der Erlangung eines Charters wieder aufgenommen . . . Ich habe in meinen Unterhandlungen mit dem Großvezir gesagt, daß wir . . eine gecharterte Kolonisation wünschen und alle Sicherheiten haben möchten. Auf dieses Verlangen habe ich die offizielle Antwort bekommen, daß der Sultan nicht gewillt ist, uns das zu geben, daß er aber eine Einwanderung von Juden in verschiedene Teile der Türkei gern sehen und willkommen heißen würde. Ich habe auch diese Antwort als unannehmbar bezeichnet. Ich habe erklärt, daß wir bei aller Freundschaft, die wir für das türkische Reich und den Sultan haben, uns nur auf gesicherte Verhältnisse einlassen können, daß wir nur die Kolonisation als ganze annehmen können. Nachdem ich dies erklärt habe, ebenfalls in der Beachtung meiner vorgeschriebenen Route, sind die Verhandlungen als gescheitert anzusehen. Sie sind es vielleicht auf längere Zeit, sie sind es vielleicht auf kurze Zeit. Das hängt von den Schicksalen des türkischen Reiches ab. Wir können eine Veränderung in der Verhandlungssituation aus uns leider ungünstigen Verhältnissen heraus nicht erwarten, aus uns heraus nicht, weil unsere finanzielle Ohnmacht fortbesteht und in einer absehbaren Zeit nicht behoben werden wird. Wir haben dem jüdischen Volke im allgemeinen eine kolossale Arbeit geliefert, wir haben ihm eine politische und diplomatische Arbeit geliefert, die man vor zehn Jahren einfach für einen Traum erklärt hat. Wir haben es dahin gebracht, daß ohne den Widerspruch der Regierung mit dem Sultan eine offizielle Verhandlung über die Besitzergreifung von Palästina eingeleitet worden ist. Diese Unterhandlungen sind nicht rundweg abgewiesen

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