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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 1 · p. 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 1
Article
Theodor Herzls Verhandlungen mit dem türkischen Sultan
Date
1920-01-01
Page
15 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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Theodor Herzls Verhandlungen mit dem türkischen Sultan 15 währenden Einfluß auf die ganze Tätigkeit der englischen Judenschaft nimmt. Die notwendigen Mittel hierfür wird zum größten Teil unsere Bank liefern müssen, weil dieses Blatt für die Bank ist. Das Blatt wird die Funktion haben müssen, in die allgemeinen politischen Wahlen einzugreifen in einem viel nachdrücklicheren Maße als zum, letzten Male, weil wir uns auf diese Weise die Mittel sichern, auf die Entschließungen der Politik einzuwirken. In Rußland haben wir ein Gutes und ein Schlechtes in diesem Jahre zu verzeichnen. Das Gute war die Minsker Konferenz, die großes Aufsehen erregt hat in nichtjüdischen Kreisen, das Schlechte war das Sharesverbot. Wir werden uns bemühen müssen, mit den russischen Autoritäten in engere Fühlung zu kommen, um uns vor der Beengung und Behinderung unserer Bewegung zu schützen. Über diese Erklärungen des Vorsitzenden wird die Debatte eröffnet. Ussischkin fragt an, wie sich der Empfang in Konstantinopel mit dem Einwanderungsverbot vereinbare. Dr. Herzl: Für die Erlaubnis der Einwanderung von Juden verlangt der Sultan nichts. Ich sage dies nicht öffentlich, weil ich glaube, daß viele Juden in die Türkei gehen werden, und das halte ich für ein großes Unglück. In der Türkei gibt es nichts anderes als einen Charter, der alle Sicherheiten gibt. Carl Herbst fragt, wie die Einwanderungserlaubnis in die Türkei zu verstehen ist. Dr. Herzl: Der Sultan möchte es gern haben, daß ich diese bekannt gebe. Ich werde aber nichts dazu tun, um sie zu publizieren. Wenn es publiziert wird, müßte ich aufstehen und sagen: „Geht nicht in das Land des Mannes, der uns keine Sicherheiten gibt!" Carl Herbst: Wird der Sultan erklären, daß eine systematische Einwanderung von Juden in die Türkei möglich ist? Dr. Herzl: Diese Erklärung kann ich morgen.haben. Ich habe geglaubt, nach meiner Pflicht zu handeln, daß ich die in diesem Jahre zweimal vorgekommenen Anträge des Sultans, uns Mesopotamien und verschiedene Provinzen einzuräumen, abgelehnt habe und ihren Inhalt nicht publiziert habe, weil ich fürchte, daß diese Veröffentlichung zur Folge haben könnte, daß einige Tausend verzweifelte Familien hingehen könnten, und weil es außer Zweifel ist, daß diese Familien einem traurigen Schicksal entgegengegangen wären. Sollte aber von irgendeiner anderen Körperschaft das, was ich abgelehnt habe, angenommen und veröffentlicht werden, so erkläre ich schon jetzt, daß ich ausdrücklich dagegen protestieren werde. Hier endet der Bericht.

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