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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 1 · p. 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 1
Article
Theodor Herzls Verhandlungen mit dem türkischen Sultan
Date
1920-01-01
Page
12 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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12 Theodor Herzte Verhandlungen mit dem türkischen Sultan Ich habe den Sultan noch nicht gesprochen. Am Tag meiner Ankunft ließ er mir ein Exposfe abverlangen, woran ich bis spät nachts arbeitete. Noch in der Nacht wurde es ihm zugestellt. Freitag wurde es übersetzt und die, Übersetzung mit meinem Siegel ihm direkt übergeben. Sein ganzer Apparat arbeitet seitdem ununterbrochen an der Sache. Diesmal macht es einen sehr ernsten Eindruck! Dennoch bin ich gesonnen, wenn ich ihn in dieser Woche nicht seibist sprechen kann, abzureisen. Ich bin furchtbar müde und abgespannt. Er hält mich täglich bis nachts fest. Mein jetziger Nervenzustand ist nicht geeignet für solche Arbeit und Aufregung. Es ist möglich, daß Sie von mir Depeschen aus Bulgarien oder Rumänien bekommen. Die Adresse für Rückantwort wird dann angegeben sein. Wenn nicht, telegraphieren Sie an Victor Schwarz, Konstantinopel Stambul. Dies genügt. Der Han ist nicht anzugeben. Das zwischen den blauen Klammern Stehende dieses Briefes ist natürlich für das A. C* und streng geheim zu halten. Mit herzlichem Gruß Ihr Benjamin*). \ Bericht Theodor Herzls an das Große Aktionskomitee der zionistischen Organisation (29. Oktober 1902). Dr. Herzl: Ich habe Ihnen diesmal keinen guten Bericht zu erstatten. Wir haben seit dem Kongresse mit dem größten Nachdruck die politischen Unterhandlungen in der Türkei weitergeführt. Im Mai 1901 wurde ich zum erstenmal zum Sultan geladen. Die Aufnahme, die ich gefunden habe, war eine glänzende, nicht nur persönlich, sondern auch für unsere Sache. Die Idee, die Juden zur Stärkung des türkischen Reiches zu bekommen und zwar in der Weise, wie ich sie ihm auseinandergesetzt habe, hat eine freundliche Aufnahme gefunden. Das war aber verknüpft mit der Voraussetzung, daß wir imstande sein werden, mit großen Geldmitteln zu kommen. Daraufhin bin ich nach London gegangen. Soweit es möglich war, habe ich in einer Rede erklärt, daß wir einen großen Geldbetrag brauchen, um vorwärts zu kommen. Das Resultat unserer Aufforderung war ein klägliches. Es ist überhaupt nichts eingekommen. Unsere vom Erfolge begleitete ungeheure Anstrengung, mit dem Sultan in direkte Unterhandlungen zu kommen, ist frustriert worden. Das war die Situation im Mai 1901. Trotzdem ist es mir gelungen, die Verhandlungen fortzusetzen. Allerdings mußte ich angesichts der Ohnmacht unserer Bewegung, die sich gezeigt hat, eine Form finden, um die türkische Regierung und insbesondere den Sultan zur Fortsetzung der Unterhandlungen zu animieren. Die Form, die ich gefunden habe, war, daß ich gesagt habe: „Es ist nicht zu verwundern, wenn *) Herzls hebräischer Vorname.

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