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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 1 · p. 11

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Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 1
Article
Theodor Herzls Verhandlungen mit dem türkischen Sultan
Date
1920-01-01
Page
11 (sequence 3)
Language
German
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Theodor Herzls Verhandlungen mit dem türkischen Sultan Ii des Sultans. Für den Sultan arbeitete Herr Dr. Herzl in diesen Tagen mehrere Exposes in französischer Sprache aus und ließ sie durch seinen eigenen Übersetzer in das Türkische übertragen, worauf sie dem Sultan unmittelbar vorgelegt wurden. In diesen Exposes führte Dr. Herzl den Standpunkt der Zionisten aus und formulierte die Bedingungen der jüdischen Ansiedlung in einem zusammenhängenden Teile von Palästina und in noch anderen Gebieten Kleinasiens auf der Grundlage eines Charters. Diese Propositionen wurden von türkischer Seite in Erwägung gezogen. Der Sultan *ieß durch seine Vertreter zunächst seine vollen Sympathien für das jüdische Volk erklären, aber die Zugeständnisse, die Se. Majestät einer jüdischen Ansiedlung zu machen sich bereit erklärte, konnten nicht als ausreichend nach unserem zionistischen Programm erkannt werden. — Die Verhandlungen sind somit auch diesmal ohne Resultat geblieben. Indessen ließ der Sultan Herrn Dr. Herzl seiner Achtung und Sympathie versichern. Die Verbindung ist keineswegs abgebrochen. Wir dürfen vielmehr hoffen, daß der Vorteil, welchen eine geordnete und rechtlich gesicherte Ansiedlung der Juden nach unserem Programm bedeutet, von der türkischen Regierung noch im vollen Umfang eingesehen werden wird. Für diesen Zeitpunkt müssen sich die zionistischen Organisationen vorbereiten; die Agitation muß unablässig betrieben, und die materiellen Mittel müssen gesammelt werden. Je leistungsfähiger unsere Bewegung sein wird, um so schneller und sicherer wird sie ans Ziel kommen." Der zusammenfassende Bericht über seine Bemühungen in Konstantinopel, den Herzl in der Sitzung des Großen Aktionskomitees am 29. Oktober 1902 erstattete, und dessen Niederschrift hier, ebenso wie der Brief an Dr. Kokesch, aus dem Archiv der zionistischen Organisation zum Abdruck gebracht wird, war streng vertraulicher Natur, wie dies aus einer Beilage zu dem Berichte hervorgeht. Auf die fast prophetische Voraussicht Theodor Herzls, der nach dem Scheitern seiner Verhandlungen eine Änderung der Situation nur von einem Krieg erwartete, in den die Türkei verwickelt werden kann, und die Gewinnung der englischen Judenschaft und der englischen Regierung als die nächste Aufgabe bezeichnet, als hätte er die weltpolitische Lage der zionistischen Bewegung im Weltkriege genau vorausgesehen, braucht wohl nicht erst hingewiesen zu werden. Beide Dokumente mögen als Zeugnisse eines großen Staatsmannes und eines großen Menschen für sich selbst sprechen. Brief an Dr. Oser Kokesch. Summer-Palace Therapia (Bosphore), 27. VII. 1902. Lieber Freund! Mit Bedauern sehe ich heute in der „Welt" vom 25. Juli, daß eine Hand — ich weiß nicht welche — meine Notiz, daß ich mit Wolffsohn hierhergereist bin, amplifiziert hat. Ich bin darüber sehr böse. Solche ungeschickte Korrekturen verderben mehr, als der Einsichtslose, der sie macht, ahnen kann. Ich bitte dringend, eine Verwarnung zu erlassen, daß man an meinen Manuskripten, bei denen ich nicht bemerke, daß sie geändert werden dürfen, nicht einen Beistrich ändere. Das ist doch das wenigste, was ich an Unterstützung verlangen kann*). *) Hier beginnt die von Herzl erwähnte Klammer.

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