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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 12 · p. 548

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 12
Article
Die Methodik des Cheders
Date
1919-01-01
Page
548 (sequence 7)
Language
German
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548 E. M. Lipschütz: ihn eindringen, dann üben sie auch auf ihn unbewußt ihre Wirkung aus. Auch ohne klare Erkenntnis der Regeln findet er sich dann zurecht. Will man nun für den Talmud eine abgestufte Lehrmethode aufbauen, so wird sofort klar, daß jede der erwähnten drei Seiten des Talmudstudiums eine andere Anordnung beansprucht. Die Sprachen des Talmuds, das Hebräische und das Aramäische, müssen für sich allein erlernt werden. Es ist möglich, nach verschiedenen Methoden, aus Übersetzungen, aus Tabellen von Verben und Nomen, aus abgerissenen Sätzen einen Lehrgang herzustellen. Aber eine solche Reihenfolge entspricht keineswegs den Bedürfnissen des Inhalts. Eine schwierige Halacha braucht sprachlich gar nicht schwer zu sein und umgekehrt. Und der Inhalt des Talmuds, das unendliche Gebiet der Halacha und der Hagada können lehrmethodisch überhaupt nicht, sondern höchstens systematisch geordnet werden. Die Halacha ist, wie schon oben bemerkt, in den Schriften der Dezisoren auf verschiedene Weise angeordnet, und die Hagada, bei der es keine Dezision gibt, die deshalb eine systematische Ordnung gar nicht verträgt, hat trotzdem verschiedentlich Ordner gefunden. Aber all diese Sammlungen und Ordnungen haben dem Inhalt des Talmuds seine eigentliche Form genommen. Die Kenntnis des Inhalts ist mehr eine Voraussetzung für den Unterricht als sein Ziel. Jeder, der Talmud lernt, muß als Vorbereitung halachisches Wissen und Kenntnisse von Realien mitbringen, auch mancherlei Historisches muß ihm vertraut sein; von dem Umfang solcher Kenntnisse wird auch sein Verständnis abhängig sein. Stellt man aber einen Lehrplan zusammen, der nur auf diesen Inhalt zugeschnitten ist, so kann jedenfalls die sprachliche Seite nicht berücksichtigt werden. Will man schließlich den Lehrstoff nach der talmudischen Lehrweise anordnen, nach den verschiedenen Formen der Sugiot, ebenfalls in ansteigender Anordnung, so zeigt es sich, daß es eine „Einleitung in den Talmud", die von diesem Gesichtspunkt ausgeht, überhaupt noch nicht gibt, ja, daß noch niemand den Versuch gemacht hat, diese verschiedenen Formen zu analysieren. Es ist auch noch nicht versucht worden, auf dieser Grundlage eine Lehrmethode zu schaffen. Es ist schwer anzunehmen, daß dieser Versuch gelingen wird; denn um die Sugiot nach ihren Formen anzuordnen, müßte man sie aus ihrem natürlichen Zusammenhang lösen und würde ihnen so gewissermaßen ihren Duft und ihre Farbe nehmen. Eine solche Lehrweise kann auf Schwierigkeiten der Sprache nicht eingehen und Rücksichten auf den Inhalt nicht zulassen. Aus all dem ergibt sich: Sprache, Inhalt und Form erfordern für sich verschiedene Anordnungen, und eine Lehrmethode, die nur eine dieser Seiten berücksichtigt, geht auf Kosten der eigentlichen Seele des Talmudstudiums. Es liegt hier in Wahrheit ein pädagogischer Circulus vor; denn das Verständnis des Talmuds ist doch nur die Summe des Verständnisses all seiner vielseitigen Details, jede Einzelheit wird aber nur aus dem Verständnis des Ganzen erschlossen. Aus diesem Zirkel gibt es keinen pädagogischen Ausweg, und hier liegt die eigentliche Schwierigkeit in dem Problem des Talmudunterrichts für Schüler. Wie hat nun der Cheder dieses Problem für sich gelöst? Was die Sprache des Talmud anbetrifft, so wurde sie im Chederunterricht stark vernachlässigt, schwierigen Wörtern und seltenen Formen wurde keine Beachtung geschenkt, und selbst große Gelehrte scheuten sich nicht, wegen einer selten vorkommenden Vokabel jedesmal von neuem einen Kommentar zu befragen. Nur Vertrautheit mit dem gewöhnlichen Sprachgebrauch sollte durch das Lernen

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