Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Ansprache des Generals Smuts
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 526 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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526 Dokumente des Zionismus Regierung sandte mich dahin, um mit General Allenby zu beraten und Pläne für unseren Vormarsch nach der vollständigen Besetzung des Landes auszuarbeiten. Ich hatte den unschätzbaren Vorzug, das Land zu sehen, es zu bereisen, seine natürlichen Verhältnisse kennen zu lernen und mit eigenen Augen zu sehen, wovon ich gelesen und gehört hatte, seit ich das Licht der Welt erblickte. Und ich versichere Ihnen, ich übertreibe nicht, wenn ich sage, daß ich, als ich im Februar 19x8 in Palästina ankam, den Eindruck hatte, wieder in Südafrika zu sein. Es war die einzige Weltgegend fern von unserem Kontinent, die als eine unserem Lande verwandte zu mir sprach. Da war dieselbe wundervolle, klare, scharfe, durchsichtige Luft; in diesen Februartagen konnte man ohne Schwierigkeit fast hundert Meilen weit sehen. Während in Europa unser Gesichtskreis gewöhnlich auf fünf, sechs Meilen beschränkt ist, können Sie in Palästina und auf den Bergen von Judäa ebenso wie in Südafrika fast auf jede Entfernung sehen. Ich atmete diese klare Luft ein, ich genoß diesen weiten Blick, ich dachte an mein eigenes Land und ich verstand, woher es kommt, daß die Juden Südafrika so lieben. Es war ein wundervolles Land« Ich muß gestehen, meine Damen und Herren, falls Sie es nicht wissen sollten, daß ich mit jedem meiner Instinkte Barbar bin. Ich liebe die verlassenen Teile der Welt, und Sie müssen sich klar machen, daß Palästina für den gewöhnlichen Europäer, der an seine Gärten, seine Bäume und sein beschränktes Gesichtsfeld gewöhnt ist, einen sehr abstoßenden Anblick bietet. Palästina ist ein abstoßendes Land, ebenso wie das Karroo ein abstoßendes Land ist, aber zu mir mit meinem afrikanischen Herzen sprach dieses wilde Land, sprach zu jeder Fiber meines Wesens, die Luft und der Geist Palästinas durchströmten mich. In diesem klaren Licht sah ich tatsächlich ganz Palästina von zwei Punkten aus. Der eine Punkt war eine kleine Anhöhe etwa 15 Meilen nördlich von Jaffa, von der wir die Bewegungen der feindlichen Armeen beobachteten. Und als ich eines Nachmittags hier stand, konnte ich tatsächlich das ganze alte Judenland vor mir liegen sehen. Links lag der Berg Karmel vor mir, und ich sah die Wogen des Mittelmeeres gegen seinen Fuß schäumen. Ich sah diese wundervollen Berge, umweht vom Hauche biblischer Erinnerungen. Und dann kam eine Talsenkung, und ein anderer Bergzug begann: die Berge von Judäa. Durch diese Talsenkung sah ich in der Ferne das Land Galiläa, das Hochland und die Berge von Galiläa, und rechts davon lag das ganze Land Judäa geradeaus bis zu Beer Seba vor mir ausgebreitet. Ich glaube nicht, daß es in irgendeinem Teile Europas möglich wäre, von einem erhöhten Punkte das Land so weit zu überblicken. Und bei einer anderen Gelegenheit stand ich auf dem Ölberge, und wieder lag das ganze Land vor mir. Das Jordantal erstreckte sich vor mir in einem der wunderbarsten Panoramas, die man erblicken kann. Nichts ist größer und majestätischer als das Jordantal und das Tote Meer vom Ölberge aus mit dem herrlichen Gebirge Moab, das sich an der anderen Seite des Tales erhebt, mit den Gipfeln von Pisgah und Nebo und Beth-Peor. Weiter im Norden sah ich in der Entfernung den Hauran mit seinen Erhebungen. Der Hermon selbst war nicht sichtbar, aber die Bergzüge des Hochlandes von Hauran sah ich in der Entfernung. Nun, meine Damen und Herren, mir schien es, als wäre ich wieder in Südafrika. Mir schien es, als stünde ich wieder auf einem erhöhten Punkte in Südafrika und überblickte mein Heimatland. Als ich an diesem Tage Palästina vor mir liegen sah, fühlte ich, daß ein großer Geist in diesem Lande wohnt. Ich fühlte, wie dieses anscheinend so wüste Land, so abstoßend und so groß, die größte Religion der Welt hervorbringen konnte, den erhabensten religiösen Geist der Geschichte und eines der wunderbarsten Völker, vielleicht das wunderbarste, das die Welt je gesehen hat. Wirklich Großes gewinnt man nicht im Glücke. In den fruchtbaren Teilen der Welt hätte nicht der große Geist der Bibel geboren werden können, das große religiöse Schrifttum der Bibel und der unzähmbare Geist des jüdischen Volkes. Nur etwas Wildes, etwas Schreckliches konnte diesen Geist und dieses Schrifttum erzeugen und schaffen, die vielleicht die einflußreichste Macht in der Geschichte gewesen sind. Meine Damen und Herren, warum sollen die Juden nicht in dieses wundervolle Land zurückkehren? Warum sollen sie über die Oberfläche der Erde wandern? Und warum soll ihre Mission in der Zukunft nicht ebenso groß sein, wie ihre vergangene gewesen ist? Ihr Volk, Ihr kleines Volk hat eine Mission gehabt, eine kulturelle Mission in der Welt, die vielleicht nicht ihresgleichen hat unter den Nationen der Erde. Ihr habt in der Geschichte eine Rolle gespielt wie keine andere Nation, und das hattet ihr in nicht geringem Maße den natürlichen Verhältnissen eures Landes zu verdanken. Und ich sehe nicht ein, meine Damen und Herren, warum es unter besseren Verhältnissen nicht möglich sein sollte, daß dieses kleine Volk,