Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Ansprache des Generals Smuts
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 525 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Dokumente des Zionismus 525 ein dem jüdischen Volke gegebenes Versprechen von uns eingelöst werden kann. Das war die eine Schwierigkeit. Die andere Schwierigkeit bestand darin, eine Formel zu finden, mit der die verschiedenen Großmächte einverstanden sein würden. Das war eine Angelegenheit von äußerster Schwierigkeit und Empfindlichkeit und erforderte sehr viele Verhandlungen, bevor man es möglich fand, eine öffentliche Erklärung zu erlassen» die die britische Regierung und die britische Politik verpflichten und binden würde. Endlich nach vielen Überlegungen fanden wir die Formel, die historisch geworden ist und in der von Mr. Baifour namens der britischen Regierung gemachten' Deklaration veröffentlicht wurde. Die Formel erklärt, daß die britische Regierung in Zukunft ihr Möglichstes tun werde, um Palästina, das alte historische Palästina der Bibel, zur nationalen Heimstätte des jüdischen Volkes zu machen. Wir haben eine Anzahl anderer Formulierungen versucht, die den Tatsachen oder den Möglichkeiten der zukünftigen politischen Weltlage nicht entsprachen. Aber endlich wurde diese Formel gefunden und angenommen, als geeignet, sowohl der jüdischen Sache die angemessene Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, als auch die Zustimmung der Großmächte zu finden. Nachdem wir diese Kundmachung veröffentlicht hatten, schloß sich ihr fast augenblicklich Präsident Wilson und die amerikanische Regierung an, und kurz danach gewann sie auch die Zustimmung der Regierung der französischen Republik. Und seither, seit dem November 1917, habe ich das Schicksal Palästinas als entschieden und als für immer entschieden angesehen. Die Kriegsereignisse haben bewiesen, daß unser Vertrauen am Platze gewesen war. Die türkische Armee wurde aus Palästina und aus ganz Syrien vertrieben, und der englischen Regierung war die Möglichkeit gegeben, das gegebene Versprechen einzulösen. Meine Damen und Herren, dieses Versprechen ist noch nicht erfüllt, da es noch nicht möglich war, mit der Türkei endgültig Frieden zu schließen. Sie wissen, daß die Verhandlungen bezüglich des Friedensvertrages mit der Türkei noch andauern. Doch ich glaube kein Geheimnis zu verraten, wenn ich sage, daß es als feststehend angesehen wird, daß das Mandat für Palästina, das alte historische Palästina, dem britischen Reiche übertragen werden wird. Ich glaube, darüber kann kein Zweifel bestehen, wenn es auch zu den Dingen gehört, welche noch nicht endgültig festgesetzt sind, und wenn auch dieser Sondervertrag noch nicht unterzeichnet ist. Aber ich zweifle nicht daran, daß nicht viele Monate vergehen werden, bis dieses Ziel erreicht und Palästina in einer innigen Weise mit dem Geschick Großbritanniens verbunden sein wird. Der Plan der britischen Regierung.ist, sobald sich dies durchführen läßt, lokale autonome Institutionen in Palästina zu errichten. Das Problem ist ein sehr heikles, da in Palästina eine zahlreiche arabische Bevölkerung lebt. Die Juden bilden eine Minorität, und die Politik, die in Zukunft betrieben werden soll, wird darin bestehen, eine große und immer größere Anzahl von Juden nach Palästina zu bringen. Es ist leicht zu sehen, daß in einer solchen Situation die Möglichkeit zu Konflikten und Mißverständnissen zwischen der alten arabischen und der neuen jüdischen Bevölkerung gegeben ist. Die ganze tage erfordert großes Feingefühl und großen Takt; und ich kenne kein Volk der Welt und keine Regierung der Welt, die durch ihre große Erfahrung mit allen Völkern und in allen Weltteilen zur Lösung eines solchen Problemes besser befähigt wären als das britische Reich und die britische Regierung. Das Problem kann hur nach und nach gelöst werden, und Sie haben wohl kürzlieh die Warnung Prof. Weizmanns an das jüdische Volk gelesen, keine übertriebenen Erwartungen zu hegen, da nicht sofort alles geschehen kann. In den Zeiten der Bibel war Palästina wirklich ein Land, wo Milch und Honig fließt. Aber seither ist es durch die Tyrannei der Türken verwüstet worden, und es wird viel Zeit und Kapital erfordern, um das Land in seinen alten fruchtbaren Zustand zurückzuversetzen. Und daher müssen wir an die große Aufgabe, die vor uns liegt, mit Weisheit und mit Geduld herangehen, aber auch mit dem festen Entschluß, sie durchzuführen. Ich zweifle nicht, meine Damen und Herren, daß, wenn wir auch nicht mehr den Tag erleben mögen, an dem ganz Israel nach Palästina zurückgekehrt ist, es doch mehr und mehr wieder zur nationalen Heimstätte des jüdischen Volkes werden wird. Aus jenen Teilen der Welt, wo die Juden unterdrückt und unglücklich und der übrigen christlichen Bevölkerung unwillkommen sind, aus jenen Teilen der Welt wird ein immer wachsender Strom der Auswanderung nach Palästina gehen; und in kommenden Generationen wird hier wieder ein großer jüdischer Staat erstehen. Und ich hoffe, daß sein Ruhm größer sein wird, als selbst der jenes Staates, von dem wir in der Bibel lesen. Meine Damen und Herren, während des Krieges war es mir gegönnt, für einige Monate nach Palästina zu gehen. Die britische