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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 11 · p. 527

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Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 11
Article
Ansprache des Generals Smuts
Date
1919-01-01
Page
527 (sequence 6)
Language
German
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Vom orientalischen Judentum 527 wenn es wieder in seinem eigenen Lande lebt und wieder den Einflüssen dieses Landes unterworfen ist, wieder an der Geschichte der Welt einen großen Anteil gewinnt. Als ich in Palästina war, ging es mir auf, wie es kommt, daß die Juden eines der größten Probleme im Leben der Völker gelöst haben. Ihr seid ein durchaus individuelles, ein nationales Volk geblieben. Und doch seid ihr vielleicht mehr als jedes andere ein stark internationales Volk mit wirklich internationalem Geist. Ihr habt es gelernt, das Nationale mit dem Internationalen zu versöhnen. Und als ich in Palästina war und die mit dem jüdischen Volk zusammenhängenden Probleme überdachte, ging es mir auf, wie ihr zu dieser Versöhnung zwischen dem Persönlichen und dem Allgemeinen, zwischen dem Nationalen und dem Internationalen gekommen seid. Ihr könnt es dort mit eigenen Augen sehen. Das jüdische Volk lebte in den Bergen von Judäa; und daneben zog sich die große Heerstraße der Geschichte, die Heerstraße zwischen Asien, Afrika und Europa. Diese Ebene, diese herrliche Ebene zwischen dem Mittelmeer und den judäischen Bergen, die Küstenebene von Palästina war die große Heerstraße, auf der die mächtigsten Völker und die größten Reiche der Welt auf ihren Eroberungs- und Zivilisationszügen in früheren Jahrhunderten hin und her wanderten. Und die Juden saßen auf ihren Bergen und sahen all dem zu; sie sahen es, während sie auf ihren Bergen ihr eigenes nationales Leben führten; sie sahen vor sich das ganze Panorama der großen Reiche, Hin- und Widerzug der großen Eroberer und der großen Armeen und der großen Kulturen von Assyrien nach Ägypten und von Ägypten nach Assyrien. Und das ging so Generation auf Generation und Jahrhundert auf Jahrhundert. Hier habt ihr eine der wertvollsten Lektionen in euerer Geschichte gelernt, die nämlich, v/ie das Leben des Volkes mit dem Leben der Welt, wie das Nationale mit dem Internationalen zu versöhnen ist. Und es scheint mir, daß dies eine der großen Lehren ist, die ihr der Menschheit zu geben habt. Meine Damen und Herren, dies beides ist von großem Werte. Es ist etwas Großes, patriotisch zu sein, sein Volk zu lieben und zu sagen: „mein Volk zuerst und vor allen"; das ist der nationale Gesichtspunkt. Aber dem muß der andere, der größere Gesichtspunkt das Gegengewicht halten, der für uns so schwer zu erlernen ist. Er ist in diesem Lande schwer zu erlernen und ebenso schwer in Europa. Sie alle sehen nur sich selbst; sie alle neigen dazu, nur ihr eigenes Volk zu sehen und ihr eigenes Volk zu lieben, während die große Welt und die anderen Völker und die ganze Kultur sie nicht sehr zu berühren scheinen. Euch ist es nach den harten Erfahrungen des Lebens, das ihr vor Tausenden von Jahren in eurem eigenen Lande und in anderen Ländern gelebt habt, ins Blut übergegangen, und ihr habt es gelernt, wie diese zwei Faktoren im Fortschritt der Völker zu versöhnen sind. Und daher seid ihr in der besonderen Lage, die Menschheit in Zukunft die Aufgabe lehren zu können, wie diese zwei Faktoren zu versöhnen sind, und das wird in den kommenden Jahren die große Aufgabe sein, die die Welt zu lösen hat. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Zeit des reinen Nationalismus vorbei ist. Es unterliegt keinem Zweifel, daß wir die internationale Ordnung der rein nationalen überzuordnen haben werden, und kein Volk der Welt versteht besser, wie das zu tun ist, keines kann die Welt in dieser Richtung größere Weisheit und Erfahrungen lehren, als euer kleines jüdisches Volk. Der Völkerbund scheint durchaus in der Entwicklungslinie der jüdischen Idee zu liegen, und ich hoffe daher, daß in den kommenden Jahren das jüdische Volk in diesem internationalen Bund eine bedeutende Rolle spielen« daß es den Völkerbund mit einem großen Geiste erfüllen wird, daß es sich für den weiteren Ausblick, der jetzt in der Geschichte heraufzudämmern scheint, einsetzen und auf dieser neuen Grundlage und in dieser neuen Richtung so viel zur menschlichen Wohlfahrt und zum menschlichen Fortschritt beitragen wird wie vordem, als es als das kleine Volk ein großes religiöses Schrifttum hervorbrachte. Wie ich schon früher gesagt habe, harre ich der Spinoza und Maimonides der Zukunft. Warum sollte ich es nicht, da die Rasse geblieben ist, der Charakter geblieben ist und die geistige Flamme noch stark in euch brennt. Ich muß zugeben, daß sie in den letzten Jahrhunderten zum großen Teil in eine andere Richtung abgelenkt wurde, daß die geistige Stärke und die Lebenskraft des jüdischen Volkes sehr oft in eine andere Richtung geleitet wurden, und heute habt ihr den Ruf, mehr an das Materielle zu denken, als an das Geistige, mehr ans Geldverdienen als an die großen geistigen Werte des Lebens. Doch ich bin sicher, daß dies nur eine vorübergehende Phase ist, eine Phase, welche durch die geschichtlichen Verhältnisse, in denen ihr viele Jahrhunderte unter den europäischen Völkern gelebt habt, erklärt und ausreichend erklärt werden kann. Es besteht kein Grund, warum Israel nicht zu seiner großen historischen Mission zurück* kehren, warum es nicht wieder das Banner

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