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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 11 · p. 512

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 11
Article
Das moderne Hep! Hep!
Date
1919-01-01
Page
512 (sequence 14)
Language
German
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George Eliot: Ende gar darauf bestehen, daß der Name „Vater" uns nicht mehr heilig sein soll, weil nach ihrer Annahme wahrscheinlich unsere arischen Vorfahren nur einen Gesellschaftszustand höher entwickelten, auf dem keiner seinen eigenen Vater kannte? Wenn wir uns mit der Zukunft der Juden überhaupt beschäftigen wollen, so scheint es vernünftig, sich erst eine Vorfrage zu stellen: sind sie dazu bestimmt, vollständig mit den Völkern zu verschmelzen, unter die sie zerstreut sind, und jeden Rest eines Sonderbewußtseins als Juden zu verlieren, oder liegen, sei es in der Ausdehnung und Stärke, mit welcher augenblicklich in den jüdischen Gemeinden der ganzen Welt das Gefühl des Getrenntseins oder, wie wir auch sagen können, die lebensvolle Erinnerung eines nationalen Bewußtseins lebt, sei es in der politischen Weltlage jetzt oder in naher Zukunft die Bedingungen für die Wiederherstellung eines jüdischen Staates, der, gepflanzt auf den alten Boden, sich als ein Mittelpunkt nationaler Gesinnung, als eine Quelle der Veredlung und des Schutzes, als Sammelplatz für besondere Energien erweisen und dadurch eine neue Form des nationalen Geistes und eine neue Stimme im Rate der Völker schaffen könnte? Sie leben nun einmal allerwärts unter uns; es hat keinen Zweck zu sagen: wir können sie nicht leiden. Vielleicht können wir auch die Proletarier und ihre Neigung, sich zusammenzuschließen, nicht leiden, aber die Welt wird sie deswegen doch nicht los. Wenn wir danach streben, uns von allen Unzuträglichkeiten, die uns von den Proletariern und den Juden erwachsen, zu befreien, so tun wir am besten, alles zur Verbesserung dieser Nachbarn aufzubieten, deren Ellbogen wir im dichten Gedränge spüren, und ihre" uns unbequemen Kräfte in segensreiche Kanäle zu leiten. Warum sind wir so eifrig auf die Würde gewisser Völkerschaften bedacht, von denen wir vielleicht nie ein einziges Exemplar gesehen haben und über deren Geschichte, Sage und Literatur wir uns schon Jahrhunderte lang in zufriedener Unwissenheit befinden, und warum höhnen wir über die bloße Idee der Wiederherstellung einer nationalen Würde für die Juden, deren Denkweise, ja deren Worte auf unseren Lippen sind, so oft wir ein Gebet mit Amen beenden? Einige von uns glauben diese Frage dadurch zu erledigen, daß sie sagen, die reichsten Juden hätten gar kein Verlangen, ihre europäischen Paläste zu verlassen und sich in Jerusalem anzusiedeln. Aber bei einer Rückkehr aus dem Exil, bei der Wiederherstellung eines Volkes lautet die Frage nicht, ob gewisse reiche Leute es vorziehen, zurückzubleiben, sondern ob sich würdige Männer finden, die es vorziehen, die Rückkehr zu leiten. Viele wohlhabende Juden blieben damals in Babylon, als Esra*) die Führung seiner Schar von 40000 übernahm und damit eine neue ruhmreiche Epoche in der Geschichte seines Volkes einleitete, die Vorbereitung für jene Epoche der Weltgeschichte, welche als so glorreich betrachtet worden ist, daß man "für alle Zukunft von ihr an datiert hat. Die Ausführbarkeit hängt einfach davon ab, ob eine entsprechende Einmütigkeit der Gesinnung und ein allgemein empfundenes Bedürfnis im jüdischen Stamme lebt, und ob zu hoffen steht, daß unter seinen edleren Vertretern einige Männer von Wissen und feurigem Gemeinsinn erstehen, einige neue Esras, einige moderne Makkabäer, die es verstehen, alle günstigen äußeren Umstände zu benützen und durch ihr heroisches Vorbild über die Gleichgültigkeit ihrer Stammesgenossen und den Hohn ihrer Feinde zu triumphieren, und die standhaft alles daran setzen werden, ihr Volk wieder zu einer Nation unter den Nationen zu machen. *) Vgl. die vorige Anmerkung.

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