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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 11 · p. 511

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 11
Article
Das moderne Hep! Hep!
Date
1919-01-01
Page
511 (sequence 13)
Language
German
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Das moderne Hep! Hep! 5" Überlieferungen und Gebräuche, in denen der nationale Genius sich ausspricht und die in den Tiefen einer gesunden Empfindung wurzeln. Eine derartige Mäßigung und Leitung einer unaufhaltsamen Bewegung ist aller Mühe wert, und in diesem Sinne hat das moderne Betonen der Idee der Nationalität seinen Wert. Hier wie auch sonst scheint die Aufgabe der Menschheit darin zu bestehen, entgegengesetzte Ansprüche zu erkennen und miteinander in Einklang zu bringen. Aber, um dieses Ziel zu erreichen, dürfen wir nicht widersprechende Vorwürfe zu stark betonen, sondern müssen uns vor jedem Eingreifen erst um Erkenntnis bemühen, statt unseren Eifer nach einer launischen Wahl ausbrechen zü lassen, die nur durch Zufall bestimmt und erst dann durch persönliche Neigung gutgeheißen wurde. Selbst auf einer höheren Stufe des Denkens und des Enthusiasmus finden wir, daß Sympathie und Mitleid sich leidenden Menschen verschiedenen Blutes oder Bekennern einer andern Religion sonderbarerweise aus keinem anderen erklärlichen Grunde zuwenden, als aus einer zufälligen Richtung der Studien oder aus belanglosen Reiseerlebnissen. Selbst bei einzelnen ganz hei vorragenden Personen ist man nie ganz sicher, ob sie nicht bei etwas, was sie allgemein aussprechen, an etwas ganz Spezielles denken. So erzählt man von einem Provinzarzt, daß der ängstliche Gatte einer Dame, der er Salat zu essen verboten hatte, ihm die Gegenfrage stellte, ob sie auch Lattich, Gartenkresse oder Brunnenkresse nicht essen dürfe. Der Arzt hatte nämlich allzu schnell an den natürlichen Umfang des Begriffs Salat" geglaubt, genau so wie wir, wenn wir nicht durch die Erfahrung belehrt wären, an die allumfassende Bedeutung der „Sympathie mit den Geschmähten und Verfolgten" glauben könnten; Welcher Geist vermag all die Ausnahmen zu ergründen, die in jedem besonderen Falle vorbehalten werden? So wird von dem Neger behauptet, es hafte ihm ein besonderer Geruch an, und wir wissen, daß manche Leute, die zu rationalistisch sind um sich an den auf Harn ruhenden Fluch zu kehren, sehr energisch darauf hinzuweisen pflegten, daß dieser Geruch die Frage im Sinne der Negersklavereientschieden habe. Und auf einem solchen Niveau steht gewöhnlich das Denken der gebildeten Gesellschaft in betreff der Juden, Es wirkt anscheinend wie eine Überraschung, wenn jemand zu anderen als theologischen Zwecken sich für die Geschichte eines Volkes interessiert, aus dessen Schrifttum unsere ganze religiöse Sprache geflossen ist$ und wenn jemand auf ihre Vergangenheit oder Zukunft hinweist, so wird sicher irgend ein Zuhörer oder Zuhörerin als eine für die Bildung unseres Urteils wesentliche Tatsache feststellen, daß sie ihrerseits die Juden nicht leiden könne, denn sie habe einen Herrn Jacobsohn gekannt, der sehr unangenehm gewesen sei, oder daß er seinerseits von ihnen als Rasse eine geringe Meinung habe, obgleich er bei näherer Prüfung sich als gar nicht vertraut mit ihren charakteristischen Eigentümlichkeiten zeigt, und daher zu seinem Erstaunen erfahren muß, wie viele Personen, denen er glühende. Bewunderung und Verehrung gezollt hatte, Stockjuden sind. Und wiederum Männer, welche sich als die eigentliche Vortruppe des modernen Fortschritts betrachten, die die Geschichte und die jüngsten Systeme der Geschichtsphilosophie kennen, machen kein Hehl aus ihrem geringschätzigen Erstaunen darüber, daß jemand es der Mühe wert findet, sich mit dem Schicksal der Juden zu befassen. Zu diesem Zweck weisen sie auf Moloch hin und schließen sich der Meinung an, daß die Religion Jehovahs nur ein umgestalteter Molochdienst gewesen sei, während sie gleichzeitig die „Zivilisation" als eine Umgestaltung des alten Stammeslebens verherrlichen, von dem einzelne Züge sich noch in den scheußlichen Hochzeitssitten der Ureinwohner Australiens nachweisen lassen. Wollen diese gelehrten Leute am

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