Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Das moderne Hep! Hep!
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 510 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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5io George Eliot: ihrer, wenn man sie mehr schikaniert hätte, vielleicht nicht so viele bei der englischen Presse beschäftigt sein, in deren Macht sie sich mit den Schotten teilen, solchermaßen viele Engländer zu rechtschaffener und stiller Arbeit zwingend. So weit werden wir kommen, wenn wir nach Mitteln suchen, um Leuten anderen Blutes den Vorzug der Niederlassung hierzulande zu verweigern. Geben wir zu, daß es für die Engländer wie für jedes Volk mit großer Vergangenheit eine Kalamität wäre, vor der Zeit mit fremdrassigen Einwanderern so zu verschmelzen, daß die unterscheidenden Züge ihres Nationalcharakters verwischt werden könnten durch die stärkere Eigenart der fremden Ansiedler. Ich gebe das nicht nur zu, sondern ich stimme sogar ein in die Klage über diese drohende Gefahr. Jemand, der seine Muttersprache liebt, der glücklich wäre, wenn er unser reiches wohlklingendes Englisch rein erhalten könnte von fremdem Akzent, fremdem Tonfall und allen fremden Nüancierungen der Wortbedeutung, die das gesprochene wie das geschriebene Wort so entstellen, den beklemmt es wie ein ungewohntes Klima, daß auf unserer Bühne, in unseren Ateliers, in unseren öffenlichen und privaten Zusammenkünften, in unseren Kontoren, in unseren Warenhäusern und in unseren Werkstätten wir gefaßt sein müssen, unser geliebtes Englisch in so verdorbener Gestalt zu hören: seine Worte verkürzt, seine Vokale gedehnt und gewunden, seine Wendungen der Zustimmung und Höflichkeit, der Herzlichkeit, der Meinungsverschiedenheit und der Beweisführung stets wie eine schlecht gesungene Melodie in falschen, bis zur Unkenntlichkeit entstellten Tönen herausgebracht. Nun, daran ist unsere eigene Trägheit schuld, da wir uns um das Kostbarste nicht kümmern und absichtlich die Schätze vernachlässigen, die in unserem nationalen Erbe liegen, während wir nach dem, was ausländisch ist, gaffen, wäre es auch nur eine elende Nachahmung des Einheimischen. Diese Verballhornung unserer Sprache ist jedoch nur das geringere Übel im Vergleich zu dem Schaden, der sich für uns aus dem Vorherrschen der zu Reichtum gelangten Einwanderer ergibt. Denn ihre Beurteilung unseres politischen und sozialen Lebens muß oft ebenso schief und sogar verhängnisvoll falsch sein wie ihre Art, unsere Sprache zu Gehör zu bringen. Aber nehmen wir selbst die schlimmsten Folgen an, was können wir tun, sie zu verhindern? Sollen wir das Ausschließungssystem anwenden, für das wir die Chinesen bestraft haben? Sollen wir die glorreiche Fahne unserer Gastfreundschaft zerreißen, welche unsere Freiheit zum Segen der Unterdrückten auf der ganzen Erde gemacht hat? Es ist nicht angenehm, ausländische Akzente und eine holprige Ausdrucksweise aus einer pikanten Ausnahme zur allgemeinen Regel werden zu sehen, aber deswegen darauf zu dringen, den friedlichen Fremden auszuschließen, das hieße unsere internationalen Beziehungen in einer Weise auffassen, die auf die Dauer unseren Landsleuten nicht zum Vorteile gereichen könnte. Denn in der Neigung, uns überall da niederzulassen, wo Geld zu machen und ein müßiges Leben billig zu haben ist, tun wir es den Stämmen, die wir Eindringlinge nennen, mindestens gleich. Gegen die nationalen Übel, welche die fortschreitende Entwicklu ng der Welt über uns bringt, gibt es oft nur ein direktes erfolgverheißendes Mittel: das Streben nach höherer Vervollkommnung der Nation, das sich in der Schaffung hervorragender einheimischer Persönlichkeiten kundgeben muß. Die Tatsachen zeigen eine Tendenz zu einer schnelleren oder langsameren Verschmelzung der Rassen. Es ist unmöglich, diese Tendenz zu hemmen. Wir können nur ihren Lauf mäßigen, indem wir verhüten, daß der moralische Status der einzelnen Gruppen herabsin ke durch eine übereilte Verwischung der nationalen