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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 11 · p. 509

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 11
Article
Das moderne Hep! Hep!
Date
1919-01-01
Page
509 (sequence 11)
Language
German
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Das moderne Hep! Hep! dafür hat, was wir die idealen Kräfte in der Geschichte der Menschheit nennen. Hinwieder hinterläßtauch eine vielseitige unparteiische Beobachtung der Juden in den verschiedenen Ländern den Eindruck, daß ihre hervorstechende Eigenschaft die Menschenfreundlichkeit ist, die tief in ihrer Stammesveranlagung liegen muß, da sie die Jahrhunderte der Verfolgung und Bedrückung überdauert hat. Die Konzentration ihrer Freuden auf das Familienleben hat ihren Sinn weichherzig erhalten: das Mitleid mit Waisen und Witwen, die Fürsorge für die Frauen und für die Kleinen, die so innig mit der Religion verwoben ist, ist eine Quelle der Barmherzigkeit, die durch Ausschließung nicht lange und nicht weit abgesperrt werden kann. Die Menschenfreundlichkeit des Juden verwischt die Scheidelinie zwischen ihm und dem Heiden. Alles in allem genommen kann es nur als eine der merkwürdigsten Erscheinungen in der Geschichte dieses zerstreuten Volkes betrachtet werden, daß die Juden, nachdem sie Jahrhunderte lang dem Hohn und Spott preisgegeben waren und eine Behandlung erfahren hatten, welche sie in jedem Sinne hätte verderben und entwürdigen müssen, statt dessen (nach jedem Maßstab, der ihrer Zahl Rechnungjträgt), mit den Nationen aller europäischen Länder in Gesundheit, körperlicher Schönheit, praktischer Geschicklichkeit, wissenschaftlicher und künstlerischer Befähigung und auch in Ausprägungen sittlichen Wertes wetteifern. Und hier finden wir den Grund für die offenkundige Eifersucht, die jetzt die wiedererwachte alte Abneigung schürt. ,,Die Juden," so fühlt man, „haben eine gefährliche Tendenz, die Oberhand zu gewinnen, nicht nur im Handel, sondern auch in der Politik. Ihr finanzieller Einfluß auf die Regierungen führt dahin, daß die maßgebenden Juden sich überall und nirgends zu Hause fühlen (euphemistisch gesprochen: Kosmopoliten sind), selbst in den Ländern des Westens, wo ihnen doch volle bürgerliche und staatsbürgerliche Gleichberechtigung zuteil geworden ist. Ein Volk, dessen Blut von orientalischer Sonne durchglüht ist, und das dennoch in jedem Klima gedeiht, besitzt eine Kraft und Zähigkeit, die es befähigt, die höchsten Preise davon zu tragen, und ihr Reichtum könnte die Hälfte aller Parlamentssitze zu ihrer Verfügung stellen." Es liegt etwas Wahres in dieser Beurteilung der jüdischen sozialen und politischen Beziehungen. Aber es ist etwas zu spät für liberale Wortführer, diese nur in einem tadelnden Sinne zu betonen. Wollen sie etwa als ein Mittel gegen die drohende Gefahr, daß unsere bessern nationalen Einflüsse der jüdischen Vorherrschaft sich nicht erwehren könnten, die Abschaffung unserer Emanzipationsgesetze vorschlagen? Die deutschen Einwanderer, welche sich seit Generationen unter uns niedergelassen haben und noch jetzt zur Niederlassung einströmen, sind nicht alle Juden, sondern waschechte germanische und mehr oder weniger christliche Handwerker, Mechaniker oder geschickte und kenntnisreiche Beamte, dagegen sind semitische Christen, von denen' es unter uns wimmelt, ihren unbekehrtett Stammesbrüdern an Hautfarbe, Beharrlichkeit und Reichtum gefahrdrohend gleich. Einige Beurteiler meinen, daß die Schotten hier in Südengland in einem größeren Prozentsatz leben und gedeihen, als es für uns Südländer vorteilhaft ist. Die schon früh unter den Stuarts empfundene Unzuträglichkeit, daß uns ein hungriges^ arbeitsames Volk mit scharf unterschiedenem Akzent und Religionsbekenntnis und mit höheren Backenknochen, als der englische Geschmack sie verlangt, den Platz wegnimmt, haben wir noch nicht ganz überwunden. Was nun vollends die Iren anlangt, so ist man an hoher Stelle der Überzeugung, daß wir immer zu milde gegen sie gewesen seien, wenigstens würden

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