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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 11 · p. 507

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Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 11
Article
Das moderne Hep! Hep!
Date
1919-01-01
Page
507 (sequence 9)
Language
German
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Das moderne Hep! Hep! 507 ja noch mehr: jeder künftige Hebräer, der unbekehrt blieb, nachdem er Christi Anspruch auf die Messiaswürde nicht von ihm selbst und seinen ursprünglichen Aposteln, sondern aus dem Munde fremder Menschen vernommen hatte, die alle trotz Kreuz, Glauben und Taufe grausam, raubgierig und ausschweifend geblieben waren? Man bezeigt Christus mehr Ehrerbietung, wenn man annimmt, daß er den jüdischen Märtyrern, die sich mit voller Überlegung lieber verbrennen oder hinschlachten ließen, als sich einer gotteslästerlichen Lüge schuldig zu machen, mehr Beifall gezollt hätte, als dem Gesindel der Kreuzfahrer, welche sie in seinem Namen beraubten und ermordeten. Aber all diese Vorstellungen lassen anscheinend diejenigen ganz unberührt, welche die Miene des philosophischen Denkers und scharfen Kritikers aufsetzen, ihr Christentum ganz offen vom rationalistischen Standpunkte aus als Mittel zur Verbreitung der höchsten religiösen und moralischen Wahrheit betrachten, und doch die Juden aus dem einzigen Grunde verdammen, weil sie standhafte Anhänger eines überlebten Glaubens seien, in moralischer Entfremdung von den Völkern verharrten, mit denen sie die gleiche Staatszugehörigkeit verbindet, und kein wirkliches Interesse an der Wohlfahrt der Gemeinde und des Staates nähmen, dem sie in solcher Weise angehören. Diese Anwälte des judenfeindlichen Standpunktes gehören gewöhnlich einer Partei an, welche es sich einst zu besonderem Ruhme anrechnete, für Juden ebenso wie für Dissidenten und Katholiken die volle bürgerliche Gleichberechtigung errungen und ihnen alle Wege erschlossen zu haben, sich auszuzeichnen. Es gab eine Zeit, wo diese Partei mit Nachdruck verkündete, daß die Verschiedenheit der Glaubensbekenntnisse jiur durch die Verweigerung der staatsbürgerlichen Rechte gefährlich werden könnte, eine Zeit, in der man sich sagte: du mußt jemanden erst zum Staatsbürger machen, ehe er sich als solchen fühlen kann. An Stelle dieses zuversichtlichen Glaubens ist heute offenbar das Gefühl getreten, daß man einen Mißgriff begangen habe. Man beklagt, daß man nicht auf beschränkende Klauseln gedrungen habe, um die Juden zu verhindern, auf den ihnen erschlossenen Wegen zu weit und in zu großer Anzahl emporzukommen, und man meint, die Rumänen hätten eine beneidenswerte Weisheit bekundet, indem sie ihnen nur geringe Aussichten gelassen hätten. Wenn man dann aber die Beobachtungen macht, daß einige der anfechtbarsten Juden getaufte Christen sind, so springt es doch in die Augen, daß solche Klauseln den Zweck verfehlt hätten, und die Lehre, daß man aus einem Juden einen guten Christen machen könne, wird feierlichst zurückgenommen. Aber offenbar müssen diese liberalen, durch unliebsame Vorkommnisse zu spät erleuchteten Herren solchen, welche schon seit langem gegen sie argumentiert haben, die Palme weiser Voraussicht überlassen. Und es gewährt ein merkwürdiges Schauspiel zu beobachten, wie diese Herren, die sonst so nach Fortschritt lechzen, daß sie ihn ihrer Umgebung wider Willen aufdrängen möchten, sich ganz verzweifelt an mittelalterliche Anschauungen klammern mit dem Hinweis darauf, daß die Juden durch den Besitz des Geldbeutels der Welt sündhaft kosmopolitisch geworden seien, daß für sie alle nationalen Interessen sich in Anleihealgebra auflösten, daß sie eine innere Entwürdigung erlitten hätten, die sie moralisch minderwertig mache, und daß ,,ihnen Recht geschähe", da sie das Christentum verworfen hätten. Ein genaues Spiegelbild für all das zeigen die Iren, auch ein geknechteter Stamm, der sich trotz Feuer und Schwert und peinlicher Gesetze den Protestantismus niemals aufdrängen lassen wollte und dessen moralische Bewertung aus unseren Zeitungsannoncen geschlossen werden kann, wo die Bemerkung „kein

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