Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Das moderne Hep! Hep!
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 505 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Das moderne Hep! Hepl 505 Juden bekundeten ein besonderes Talent, gerade das anzuhäufen, was die Christen noch sehnlicher begehrten als tierische Öle oder wohlpräparierte Pelze, und ihre Habgier sowohl wie ihr Geiz wurden zu gleicher Zeit besonders hassenswert und besonders nützlich gefunden, je nach Bedarf: hassenswert, wenn daraus das Recht hergeleitet werden sollte, sie mit Geldstrafen zu belegen oder zu berauben, nützlich, wenn dieser Vergeltungsprozeß erfolgreich durchgeführt werden konnte, Könige und Kaiser hatten natürlich mehr Sinn für die Nützlichkeit von Untertanen, welche Geld sammeln und hergeben konnten; aber Edikte, die erlassen wurden, um „des Königs Juden" ganz so wie das königliche Wild gegen das Quälen und Jagen von Seiten, des Volkes zu schützen, waren nur schwache Linderungen des beklagenswerten Loses eines Stammes, der als unter göttlichem Fluche stehend galt, und hatten nur geringe Kraft nach Beginn der Kreuzzüge. Wie die Sklavenhalter in dgn Vereinigten Staaten den Fluch Harns als eine Rechtfertigung der Neger Sklaverei ansahen, so galt der Fluch, unter dem die Juden standen, als eine Rechtfertigung dafür, sie vom Betrieb des Ackerbaus, oder Handwerks auszuschließen, sie als verabscheuenswerte Gestalten durch eine besondere Kleidung zu brandmarken, sie zu foltern, um sie zur Hergabe ihres Gewinnes zu zwingen, oder noch willkürlicher, sie anzuspeien oder zu bewerfen, es als sicher hinzustellen, daß sie Säuglinge töteten und auffraßen, daß sie Brunnen vergifteten und sich bemühten, die Pest zu verbreiten, ihnen die Wahl zu lassen, sich taufen oder verbrennen zu lassen, und sie wirklich zu verbrennen und niederzumetzeln, wenn sie hartnäckig blieben, nach erfolgter Taufe sie zu verdächtigen, daß sie es nicht ernst damit nähmen, und sie dann wieder wegen dieser Unaufrichtigkeit zu verbrennen und schließlich sie myriadenweise aus den Wohnsitzen zu verjagen, in denen sie Jahrhunderte Schutz gefunden hatten, und damit die Schrecken eines neuen Exils mit einer neuen Zerstreuung über sie zu verhängen. All das, um den Erlöser der Menschheit zu rächen oder dieses hartnäckige Volk zu zwingen, einen Herrn anzuerkennen, dessen Diener so wohltätige Wirkungen seiner Lehre zeigten. Bei einem so behandelten Volke war nur zweierlei möglich: entweder gab es, weil es von schwächerer Natur als seine Verfolger war und mehr Wert auf ein behagliches Leben legte als auf die sein eigenstes Wesen ausmachenden Gefühle und Ideen, allerwegen dem Drucke nach und ging rasch in der umgebenden Bevölkerung auf, oder sein Kern verhärtete sich — weil es eine einzig dastehende körperliche und geistige Widerstandskraft besaß, weil es doppelt stark durch die ererbten Bande des Blutes und des Glaubens sich gebunden fühlte, weil es seines nationalen Ruhmes eingedenk war, und auf seine Wiederherstellung vertraute, weil es den Abfall verabscheute und im Bewußtsein seines unerschütterlichen Festhaltens an seinen geistigen Verpflichtungen fähig war, alles zu ertragen und alles zu hoffen — zu einer Unzerstörbarkeit, die durch Gesinnung und Gewohnheit noch immer mehr gefestigt wurde. Alles, was es von seinen verhaßten Unterdrückern unterschied, alle Erinnerungen, die es mit dem Gefühle virtueller, wenn auch nicht anerkannter Überlegenheit trösteten, würde es liebevoll hegen, und die Absonderung, die als Zeichen seiner Schmach ersonnen wurde, würde seinen inneren Stolz ausmachen und es in seinem trotzigen Ausharren bestärken. Ohne Zweifel würde ein solches Volk dadurch auch in seinen Fehlern bestärkt. Eine gewalttätige Regierung und eine verfolgungssüchtige Religion erzeugen bekanntlich nicht nur unter denen Laster, welche die Macht in Händen haben, sondern rufen entsprechende Laster auch bei den Unterdrückten und Leidenden hervor. Nun,