Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1919-01-01 · Heft 11 · p. 504

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 11
Article
Das moderne Hep! Hep!
Date
1919-01-01
Page
504 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3101111-3101150-3101161-3104991--3661-3105027
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

504 George Eliot: den Tod durch Hunger oder Schwert der Schmach vorzieht, Caligulas Büste zur Anbetung im Tempel aufgestellt zu sehen, als ein erhabenes Beispiel von Standhaftigkeit. Doch hier genügt der Hinweis auf die Fortdauer ihrer nationalen Erziehung—durch äußere und innere Umstände—, die in den Juden ein Stammesgefühl, ein in dieser Intensität einzig dastehendes Zusammengehörigkeitsbewußtsein entwickelte. Aber nicht so einzig dastehend, wenigstens für die Zeit vor der Diaspora, sind die zugrundeliegenden wesentlichen Eigenschaften. So besteht mehr Ähnlichkeit als Verschiedenheit in der Art, wie wir Engländer in den Besitz unserer Insel gelangten und wie die Juden in ihren Besitz von Kanaan gelangten. Man sagt uns nicht nach, daß wir uns im Vergleich zu Fremden gering schätzten, oder daß wir zugeständen, unsere Institutionen würden von denen irgend eines anderen Volkes unter der Sonne erreicht. Ja viele unter uns haben sogar geglaubt, die uns schützend umgebende See sei eine göttliche Vorkehrung, um uns zu einer Nation von Seekönigen nach Art unserer Vorfahren zu machen und zu erhalten, gesichert gegen feindliche Einfälle, doch nötigen Falles imstande, in ändere Länder einzufallen, mögen sie auch jenseits des Ozeans liegen. Ebenso ist behauptet worden, wir hätten einen besonderen Beruf als protestantisches Volk, nicht nur fähig, das Haupt einer götzendienerischen Christenheit in unserer Mitte zu zermalmen, sondern auch als Inhaber der größten Summe von Wahrheit und Tonnage unsere reinere Religion über die ganze Welt zu tragen und die ganze Menschheit zu unserer Denkart zu bekehren. Die Puritaner, die das Recht für sich in Anspruch nahmen, Tyrannenmacht zu brechen, fanden die. hebräische Geschichte voller Beziehungen zu ihren eigenen Gefühlen und Absichten, und man darf kaum die Schuld an ihren weniger rühmlichen Taten den Schriften beimessen, auf die sie sich beriefen, da doch ihre Gegner dieselben Schriften zu ganz anderen Zwecken benutzten und darin Beweise fanden für das Gottesgnadentum der Könige und für die Verdammung derjenigen, die wie Korah, Dathan und Abiram sich das Amt des Priestertums anmaßten, welches von Rechtswegen einzig und allein Aron und seinen Söhnen gehörte, oder mit anderen Worten, nur Männern, die durch englische Bischöfe ordiniert waren. Wir müssen vielmehr den leidenschaftlichen Gebrauch der hebräischen Schriften auf eine Wahlverwandtschaft zwischen unserer eigenen Rasse und der jüdischen zurückführen. Ist es wahr, daß die Anmaßung eines Juden so ungeheuer die eines Calvinisten überrage? Und die wohlverdiente Sympathie und Bewunderung für unsere Vorfahren, die dem Unterdrückungswillen unserer rechtmäßigen Könige Widerstand entgegensetzten und dadurch den besten Teil unserer bürgerlichen und religiösen Freiheiten für uns retteten oder errangen, darf diese Sympathie und Bewunderung jenen tapferen und standhaften Männern des jüdischen Stammes versagt werden, die kämpften und starben oder durch weise Vorkehrungen der Unterdrückung und dem entsittlichenden Einfluß fremder Tyrannen einen Damm entgegenzusetzen suchten und durch diesen Widerstand ihre Nationalität retteten, die der wahre Herd unserer eigenen Religion werdensollte? Jedenfalls ist angesichts der Tatsache, daß die Juden systematischer als irgend eine andere Nation zum Bewußtsein ihres überlegenen moralischen Wertes erzogen wurden, nichts so überraschend, als daß es überhaupt noch eine Nation gibt, die sich in diesem Glauben an sich selbst mit ihnen messen kann. Viel einzigartiger und weniger ähnlich dem Gang unserer eigenen Geschichte war ihre Zerstreuung und ihre Erhaltung als besonderes Volk durch Jahrhunderte, in welchen sie größtenteils angesehen und behandelt wurden fast wie Tiere, die man jagte, um ihr Fell oder ein wertvolles ihnen eigenes Sekret zu erlangen. Die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.