Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Das moderne Hep! Hep!
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 503 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Das moderne Hep! Hep! 503 jeder Vogelart ist in diesem Sinne exzeptionell, doch der notwendige Grund einer solchen Unterscheidung ist eine tief erliegende Ähnlichkeit. Die allerstärkste Eigenart der Juden zugegeben, tritt unsere Verwandtschaft mit ihnen um so stärker hervor, wenn die Elemente ihrer Eigenart genau erkannt sind. Von welchem Gesichtspunkte man die Schriften des Alten Testamentes auch betrachten mag, das Bild der nationalen Entwicklung, das sie darbieten, ist jedenfalls von hohem Interesse und von ausgeprägtestenEigentümlichkeit, und ihre geschichtliche Bedeutung bleibt unberührt durch irgendwelche ihre Beziehungen zum Neuen Testament oder zur Entstehung und Konstituierung des Christentums betreffenden Theorien. Ob wir die kanonischen und hebräischen Bücher als Offenbarung oder einfach als einen Teil alter Literatur betrachten, ist belanglos für die Tatsache, daß wir hier das scharf umrissene Bild eines Volkes finden, welches schon früh oder erst später zu einem in seiner Intensität einzig dastehenden Gefühl seiner Sonderart erzogen wurde, eines Volkes, das] durch viele zusammentreffende Einflüsse gelehrt wurde, die Treue gegen seine nationalen Traditionen mit den höchsten sozialen und religiösen Segnungen zu identifizieren. Unsere allzu spärlichen Quellen biblischer Geschichte von der Rückkehr unter Esra*) bis zum Beginn des verzweifelten Widerstandes gegen Rom zeigen uns den heroischen und siegreichen Kampf der Makkabäer, welcher die Religion und die Unabhängigkeit der Nation von dem verderblichen Einfluß der syrischen Griechen befreite. Sie vermehrten damit nicht nur die glorreichen Erinnerungen des Volkes, sondern gaben auch die Anregung zu anhaltenden Bemühungen friedlicher Art, indem sie durch stilles Wirken auf gesetzgeberischem und volkserzieherischem Gebiete jenes nationale Leben, für welches die Helden gekämpft hatten und in den Tod gegangen waren, aufrecht - hielten und weiter entwickelten. Hinfort waren die besten Kräfte des Judentums, wie sie es schon nach verschiedenen Richtungen während der langen und wechselvollen prophetischen Zeit und während der Restauration unter Esra gewesen waren, damit beschäftigt, den Nationalcharakter in seiner Eigenart gegen eine entsittlichende Verschmelzung mit dem der Fremden zu wahren, deren Religion und Bräuche götzendienerisch und oft unzüchtig waren. Es gab immer eine Griechenpartei, welche der Nationalpartei Beschränktheit vorwarf und gelegentlich die Weite ihres eigenen Gesichtskreises damit begründete, daß sie im wohlverstandenen eigenen Interesse einer fremden Macht schmeichelte. Ein solcher innerer Kampf festigte natürlich das konservative Prinzip, welches stark sein mußte, wenn es die heilige Bundeslade, den Lebensgeist einer kleinen Nation, „der kleinsten unter den Nationen", retten sollte, deren Gebiet auf der Heerstraße zwischen drei Erdteilen lag. Als nun gar die Furcht und der Haß gegen die Fremdherrschaft sich zu Furcht und Haß gegen die Römer verdichtet hatte, wurden viele Konservative zu Zeloten, deren eigentliches Wesen darin bestand, daß sie gegenüber dem Unter gange ihrer Nationalität den Widerstand bis zum Tode predigten. Man könnte ja viel hierüber sagen und einen feinen Unterschied machen zwischen dem verzweifelten Kampf gegen eine als erniedrigend und entsittlichend anzusehende Fremdherrschaft und einer übereilten, aussichtslosen Auflehnung gegen eine festeingesessene Regierung. Ich für meinen Teil (wenn das überhaupt von Belang ist) teile den Geist der Zeloten. Ich betrachte das Bild des jüdischen Volkes, das dem römischen Edikt trotzt, das *) Irrtum der Verfasserin! Die Rückkehr aus dem Exil erfolgte schon 536, während Esra erst 458 nach Palästina kam.