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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 11 · p. 500

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 11
Article
Das moderne Hep! Hep!
Date
1919-01-01
Page
500 (sequence 2)
Language
German
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5oo George Eliot: Ebenso ist's mit Italien. Das Pathos des Geschickes seines Landes rührte die jugendliche Seele Mazzinis, weil ihm gleich Dante das Gefühl der inneren Verwandtschaft mit italienischer Größe im Blute lag, weil seine Phantasie erfüllt war von einer erhabenen Vergangenheit, die zu einer erhabenen Zukunft sich gestalten sollte. Was war vor 50 Jahren Italien? Ein Aufenthaltsort für dilettantischen Müßiggang oder für ziellos wandernden Reichtum, ein für den päpstlichen Unterhalt, für dynastische Interessen und zum Nutzen einer fremden Regierung aufgeteiltes Gebiet. Und was waren die Italiener? Kein Volk, keine Stimme in den Kabinetten Europas, keine ausschlaggebende Macht in europäischen Angelegenheiten, ein Stamm, den man in der französischen und englischen Gesellschaft als besonders begabt für die Oper oder zu Modellen für Maler ansah, bereit mit dankbarem Lächeln sich Kupfermünzen schenken zu lassen. Und auch wer über bessere geschichtliche Kenntnisse verfügte, erinnerte sich, daß sie ein mehr äußerlich verfeinertes als innerlich ehrliches Volk waren, aller Wahrscheinlichkeit nach eine Kombination von Machiavelli, Rubini und Masaniello. Daß das alles oder doch größtenteils anders geworden ist, danken wir vor allem der göttlichen Gabe der Erinnerung, die jeden Augenblick mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erfüllt und dem Menschen ein Zusammengehörigkeitsgefühl gibt, das ihn über das sonst achtenswertere und harmlosere Tier erhebt. Einer unserer heutigen Geschichtsschreiber wiederum findet berechtigte Zustimmung, wenn er nachdrücklich auf unsere wahre Abstammung hinweist, darauf, daß wir in Sprache und Geistesart die unverkennbaren Erben jener alten Seeleute sind, die beim Anblick eines reichen Landes mit einer besonders passenden Küste herüberkamen, zweifellos im Gefühl göttlichen Rechts, die sich dann an beiden Seiten segenspendender Ströme niederließen, den Eingeborenen, welche nichts von Odin wußten, immer mehr und mehr von dem schönen Lande entrissen, und schließlich mit außergewöhnlicher Gründlichkeit sich dieser früheren Bewohner entledigten. „Lasset uns," so sagt er etwa, „lasset uns wissen, wer unsere Vorväter waren, wer es war, der den Boden für uns gewann und die gute Saat der Institutionen schuf, durch die wir uns nicht in Überhebung, sondern in Dankbarkeit vor allen Völkern ausgezeichnet fühlen sollten als Besitzer lang ererbter Freiheit. Führen wir nicht länger einen nur auf Unkenntnis beruhenden Namen, der unsere wahre Bluts¬ und Sprachverwandtschaft verschleiert, sondern erforschen wir gründlich, was für Begriffe und Traditionen unsere Vorfahren besaßen, und was für eine Art von Gesang sie begeisterte! Lasset die poetischen Fragmente, aus denen uns ihre wilde Tapferkeit im Kampf und ihr Vertrauen auf die wilden Gottheiten, die ihnen halfen, entgegentönt, in Liebe und Ehrfurcht sammeln! Diese seefahrenden, erobernden, selbstbewußten Männer waren die Engländer der alten Zeit, waren unsere Väter, die rauhe Arbeit taten, deren Früchte wir jetzt genießen. Sie hatten Tugenden, die sich in heilsamen Bräuchen verkörperten, auf die unsere eigenen politischen Segnungen zurückgehen. Lasset uns unsere verwandtschaftlichen Beziehungen zu ihnen erkennen und anerkennen und dankbar dafür sein, daß neben und über den Neigungen und Pflichten, die wir als Menschen haben, uns als Engländer noch nähere und dauernder bindende Pflichten obliegen!" Dieser Ansicht über unsere Nationalität werden wohl die meisten willig zustimmen, die genug Gefühl und Verstand haben, um sich der Verwandtschaft zwischen der Vaterlandsliebe und jeder anderen Liebe bewußt zu werden, die uns über wandernde Ratten oder lüsterne Paviane erhebt. Freilich, unsere Religion schulden wir diesen Vorfahren nicht, vielmehr sind wir stolz darauf, unsere religiöse Erleuchtung an-

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