Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die Hebraisierung des Volkes
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 463 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Hebraisierung des Volkes 463 Peripherie, neue, breitere Straßen bauen für die Ausbreitung der hebräischen Sprache im Volke. Zu gleicher Zeit wird auf dem ganzen Erdball eine hebräische Woche veranstaltet werden, in der jeder Jude die Herrschaft unserer Sprache anerkennt, sei es dadurch, daß er selbst hebräisch redet, sei es, daß er hebräischer Rede lauscht oder von seiner Habe für die Anstalten der Auferstehung der Sprache spendet. Die Schilder an den jüdischen Geschäften und Werkstätten und an den jüdischen öffentlichen Anstalten in allen Städten und Siedlungen der Welt werden hebräisch geschrieben werden (oder hebräisch und fremdsprachig, wo man auf Zweisprachigkeit Wert legt). Die Visitenkarten und Namensschilder jedes Juden, besonders aber in den Großstädten, die Geschäftsbücher und die Korrespondenzen zwischen Juden und Juden, werden wieder, nach der Sitte unserer Väter, hebräisch geschrieben und gedruckt werden. Den Trägern der hebräischen Literatur — Schriftstellern wie Lesern — liegt es ob, im Volke Träger der hebräischen Sprache in Unterhaltung, Haus, Arbeit, Straße, Markt und Gesellschaft zu sein und ihre Herolde und Apostel in der Öffentlichkeit. Redner und Prediger müssen von der „Organisation für Sprache und Kultur" ausgesandt werden und in alle Dimensionen des Galuth gelangen, müssen dem Volke zu Herzen reden und ihm seine Pflicht gegen die Sprache klarmachen. Abgesehen von ein paar Versuchen in Amerika haben wir von solcher Tätigkeit bisher nichts gehört. Aufrufe in allen Sprachen, die das Volk versteht, müssen in Millionen verbreitet werden und Freiwillige für den Dienst der hebräischen Sprache werben. Amt der Weltorganisation für Sprache und Kultur wird es sein, den arbeitenden Kräften und der Arbeit selbst ein Ziel zu stecken: hier eine Lücke auszufüllen, dort Überflüssiges wegzunehmen. Die besondere Aufgabe, die wie eine schwere Bürde auf den Schultern der hebräischen Gesellschaft Palästinas lastet, die Aufgabe, die hebräische Literatur in den Stand zu setzen, der Jugend des Landes eine volle hebräische und gemeinmenschliche Bildung zu geben, wird durch die literarische Arbeit erleichtert werden, die im hebräischen Weltzentrum und von allen Kräften des Volkes geleistet wird. Die Härte der Pflicht, die dem kleinen Häuflein Lehrer in Palästina obliegt, den Typus der hebräischen Schule zu prägen, die Methoden eines hebräisch-klassischen Unterrichts auszuarbeiten, das geistige Porträt des hebräischen Kindes zu zeichnen, wird gelindert werden mit Hilfe der hebräischen Lehrerschaft aus der ganzen Welt, die, geeint in einer — der Organisation für Sprache und Kultur angeschlossenen — Lehrerorganisation, mit vereinter Kraft an dem Gedanken und der Literatur der Erziehung arbeitet. Der Überschuß an Energie auf dem Felde der Literatur und Erziehung in Palästina, der dadurch frei wird, wird dann an die wichtigste Front geworfen werden, an die Front am Eingang Palästinas. Hier stürmen die Einwanderer aus dem Galuth an mit ihren fremden Sprachen, gegen die es keine andere Waffe gibt, als die energischste Anstrengung, jedem Einwohner in kürzester Zeit unsere Sprache zu übermitteln. Erfahrene Lehrer aus Palästina versichern, daß man sich in zwei bis drei Monaten die hebräische Umgangssprache aneignen kann. Aber ebenso gut, wie man in sehr kurzer Zeit unsere Sprache erlernen kann, kann man sich jahrelang ihrer Kenntnis bar im Lande aufhalten. Viel hängt vom Willen des Einwanderers selbst ab, von seinen psychischen und materiellen Fähigkeiten; viel vom Milieu, viel von der Hilfe bei der Aneignung der Sprache (Lehrer, materielle Unterstützung), die ihm