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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 10 · p. 464

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 10
Article
Die Hebraisierung des Volkes
Date
1919-01-01
Page
464 (sequence 19)
Language
German
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464 S. Jabneeli: Die Hebraisierung des Volkes in den ersten Wochen und Monaten nach der Einwanderung geboten wird. Hier liegt der Schwerpunkt der besondern Arbeit Palästinas für die Neugeburt und den Sieg des Hebräischen. Bei der eigentlichen literarischen Arbeit muß das rechte Verhältnis hergestellt werden zwischen der Literatur, die den gegenwärtigen Lebensbedürfnissen des Volks entspricht, und dem Überfluß an geistiger Nahrung, der ihm heute gereicht wird. Die Weltliteratur von den Griechen bis auf Spinoza kann nicht auf einmal vom jüdischen Volk verschlungen werden, sie muß auf Jahre hinaus verteilt werden. Inzwischen werden Energie und Arbeitswille genug für die Literatur der Natur- und Gesellschaftswissenschaften aufgeboten werden, bis ganz allmählich für alle geistigen Fragen des jüdischen Menschen die vom Leben verlangte Lösung gefunden wird. Wer wird unsere Sprache in Palästina zu neuem Leben erwecken? Der hebräische Arbeiter, insbesondere der Landarbeiter. Der Jude, der es müde geworden ist, sich um des täglichen Brots willen unter fremden Völkern herumzutreiben, der sich nach Ruhe sehnt vor dem vielen fremden Reichtum, nach der Geborgenheit im Schöße der heimatlichen Erde, nach der Arbeit im Vaterland. Der hebräische Arbeiter in Erez Israel will sich allein der hebräischen Sprache weihen, will ganz in ihr leben, will in jüdischer und nichtjüdischer Umgebung in Palästina für sie fechten. Der hebräische Arbeiter in der Diaspora, der Keim des neuen jüdischen Volks, beginnt allmählich, die nationale Hoffnung in seinem Herzen Wurzeln schlagen zu lassen. Sein Ohr vernimmt das Wiegenlied, das ihm die Verantwortung kündet, die er, der Erbe der Nation und ihrer Schätze, der Zukunft gegenüber trägt, das ihm erzählt, daß seine Arbeitskraft von der Natur für den Aufbau der neuen Volksheimat bestimmt ist. Größer und größer wird die Zahl der Arbeiter, die sich für ihr geschichtlich-nationales Amt rüsten. Drinnen, in Palästina, wächst Kraft und Arbeit, draußen vollzieht sich die Einigung, reift die nationale Eikenntnis. Der hebräische Arbeiter in Palästina, der treue Diener und Pionier der hebräischen Sprache, möchte in dem jüdischen Arbeiter der Diaspora seinen Kameraden' bei der Neubelebung der Sprache sehen, möchte in ihm die Willensstärke und Energie erblicken, die auch vor der gewaltigsten Aufgabe nicht zurückschreckt. Zehntausende hebräische Arbeiter könnten geeint im ganzen Galuth für die Arbeit des Volks bereit stehen: sobald sie die Fahne der Renaissance unserer Sprache erhöben, könnten sie sie stolz und in Ehren dem Volke vorantragen. Die Vereinheitlichung und Mobilisation der Volkskräfte für das Ziel der Rückkehr in unser Land könnte durchgesetzt werden, wenn das Volk sein ganzes nationales Besitztum schätzen lernt: „Verachte deine Mutter nicht, ist sie auch altul Ein Volk, dessen Kinder imstande sind, ihre ureigene Nationalsprache, die echteste Frucht ihres Stammes zu verachten, ist der Auferstehung nicht wert. Unzählige Geschlechter hat unser Volk gesehn, viele sind ihm untreu geworden. Sie waren ihm entfremdet, glaubten nicht an seine Auferstehung, weigerten sich, das Ihrige dazu beizutragen. Ihnen stand auch die Verleugnung unserer Sprache an. Aber wenn ein Geschlecht, das an das neue Leben Israels glaubt, das an der Schwelle der Ge'ullah steht, das alle seine Kräfte zur Heimfahrt sammelt: wenn dies Geschlecht die hebräische Sprache verleugnet, dann schneidet es mit der einen Hand die Wurzeln des Baumes ab, den es mit der andern großziehn will. Nur dann kann unsere Arbeit Bestand

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