Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die Hebraisierung des Volkes
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 462 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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462 S. Jabneeli: Erlösung aus dem arabischen, persischen, tartarischen, türkischen, spaniolischen. Stumpfsinn — sind doch all diese Sprachen so arm an Büchern und Literatur — und die Öffnung einer Luke für die Strahlen des Gedankens: der jüdischen und der Weltdichtung und -Wissenschaft. Auch für die Jargon redenden Volksmassen wird der unablässige, weitschallende Aufruf zum Hebräischen eine Verheißung werden der Erhebung des Menschen durch eigne Kraft. Schon die Bemühung, das Fest der hebräischen Sprache ins Leben einzuführen, und das allmähliche Vordringen zu dem hohen Ziele werden dem Haus des Juden eine innere Gehobenheit geben und sein Leben verschönern. Der letzten Konferenz für Sprache und Kultur im Jahre 1913 war es gelungen, Schriftsteller und Publikum unter einen Hut zu bringen, doch konnte sie die Arbeit nicht energisch und systematisch genug einrichten. Trotz der starken Beteiligung und des reichen Materials fühlte man doch, daß lässig gearbeitet wurde. Und als die Delegierten auseinandergingen, wurden sie nicht mit einem klaren Arbeitsprogramm entlassen, ihr Wille nicht gestählt, ihre Tätigkeit nicht auf ein zentrales Ziel eingestellt. Während des Krieges freuten wir uns über jeden Funken, der das Feld der Literatur und der Sprache erhellte, von welcher Ecke her er auch aufflog. Herzerquickende Botschaften kamen aus Amerika — Erstarkung der hebräischen Bewegung, Herausgabe von Büchern und Wochenschriften, Träume von hebräischen Seminarien und Tageszeitungen —;. auch aus dem befreiten Rußland während des demokratischen Regimes und nachher aus den Zentren in den neuen Splitterstaaten — Gründung hebräischer Gymnasien, Anerkennung der hebräischen Sprache durch die Ukrainische Regierung, Grüße unsrer Dichter und Schriftsteller in Sammelwerken, im „Ha- Schiloach", neue periodische Schriften, der Stybel-Verlag. Doch zweifellos wird die Planlosigkeit und die Vielheit der Schauplätze, die immer Kräftezersplitterung und -Vergeudung zur Folge hat, aufhören, sobald wieder die ganze Welt offensteht. Dann ist der rechte Ort und die rechte Zeit gekommen, als das klarste und nächste Ziel der hebräischen Arbeit die volle Wiedergeburt unsrer Sprache zu proklamieren; den Arbeitenden die Wege zu ebnen und die Arbeit unmittelbar auf das Ziel einzustellen. Die Wiedergeburt unserer Sprache verlangt die Mobilisation aller Kräfte. Die Arbeit muß von dem Streben durchdrungen sein, allmählich dem Volke alle seine geistigen Bedürfnisse auf dem Wege über die hebräische Sprache zu befriedigen. Aufgabe der Organisation wird dann die Sammlung der Kräfte, die Zentralisation der Tätigkeit und die Arbeitsteilung entsprechend den jeweiligen Bedürfnissen sein, jedoch die Hauptarbeit wird, nach Abruf der Organisation, von der jüdischen Allgemeinheit in den Gemeinden getan werden. Eine Fülle von Einrichtungen und Veranstaltungen wird die Arbeit befruchten. Und wie in zahlreichen jüdischen Gemeinden Gebethäuser errichtet wurden, obwohl viele nicht aus Religiosität, sondern aus Nationalgefühl und mit dem Wunsche, der Gemeinde Prachtbauten zu geben, zu den Baukosten beitrugen, so werden auch die Anstalten zur Verlebendigung unserer Sprache: das hebräische Theater, das hebräische Lehrerseminar, die hebräische Zeitung und das hebräische Buch, die Schule, die Bibliothek von den Gemeindemitgliedern — sei es im Wege über die Gemeinde, sei es mit Hilfe von Privatvereinen — gegründet werden und das Leben der hebräischen Gemeinde verschönen. Treue Arbeiter werden, im Zentrum wie an der