Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die Hebraisierung des Volkes
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 453 (sequence 8)
- Language
- German
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both und Bathe ha-Midrasch, sowie auf die Dajanim und Rabbiner gestützt, die es in jeder jüdischen Gemeinde ohne Rücksicht auf ihren Umfang gegeben hat Heute ist die Seele aus den Chadarim und Jeschiboth entflogen. Die Lehrer sind nicht mehr die Adern, die das Blut — die geistige Nahrung — aus den Zentren der Thorah und des Judentums in die näheren oder ferneren Zellen des Hauses Israel leiten; der Niedergang der Thora und der geistige Kräfteverfall bei den Trägern der religiösen Tradition ist in West und Ost zu groß. Die „Gelehrten", nämlich die Religions- und Sprachlehrer in den Schulen der Alliance im Osten und die Melamdim in den Chadarim und Privatschulen Amerikas und vieler Gemeinden in Südrußland, werden beim Volke gleich hoch eingeschätzt: vor der Person kein Respekt, vor der Thora wenig Achtung. Unter den Juden Persiens und Ägyptens wie in London, Amerika und ab und zu in Rußland treffen wir sehr viele, die kein Wort Hebräisch verstehen. Da fragt es sich: Woher den hebräischen Lehrer nehmen, der — gleichviel, ob religiös und fromm, ob aufgeklärt und frei — jedenfalls national und angesehen ist und in Cheder oder Schule das Banner des Hebräischen hochhält? Den Lehrer, in dessen Hand die geistige Zukunft des jüdischen Volkes liegt? Wo ersteht uns der hebräische Lehrer? Die Antwort lautet: In den besonderen Anstalten zur Ausbildung von Lehrern, die in allen größeren Gemeinden des Exils zu gründen sind. Für die 12 Millionen Juden der Welt ist ein großes Heer von hebräischen Lehrern erforderlich, die die Jugend auf dem Schöße der hebräischen Sprache erziehen, ja dem ganzen Volk die Sprache übereignen sollen, von der Altersstufe der eben beendeten Schulbildung bis zu der der körperlichen und geistigen Vollkraft. Um für je 60 Personen — die Hälfte davon im lernfähigen Alter — einen Lehrer stellen zu können, sind 200000 Lehrer notwendig. Einen Teil dieser Zahl können die bestehenden Jeschiboth und Lehranstalten der Diaspora beschaffen; der andere, größere, ist aus den Hebraisten zu ergänzen. Das Lehrerseminar, das im Jahr 60 ausgebildete Lehrer entläßt, entläßt im Laufe von 20 Jahren seit der ersten Beendigung eines Cötus 1200 Lehrer. Es wären also 80 Lehrerseminare oder andere geeignete Anstalten zu gründen, die ihre Zöglinge für den Unterricht in den großen Zentren des Judentums auszubilden hätten. Ganz allmählich würden diese dann im Laufe von 25 Jahren dem jüdischen Volke die Lehrer stellen, die es nötig hat, um seine Sprache neu zu beleben und seiner geistig-nationalen Existenz Bestand zu geben. Ist aber im jüdischen Volk ein wirkliches Bedürfnis an hebräischen Lehrern fühlbar? Die Antwort ist durchaus positiv. Im Kerzen des Juden von heute lebt noch die innere Forderung, den Sohn im Sinne der religiösen Tradition oder in der Kenntnis der hebräischen Sprache und Literatur zu erziehen. Die zahlreichen Beweise für das negative Verhältnis gegenüber dem Lehrer und Melammed sind gegen das tatsächliche Bestehen des erwähnten Bedürfnisses nicht beweisend. Jedoch haben wir hier, abgesehen von dem fühlbaren Bedürfnis bei dem Individuum, über das Bedürfnis im Leben der ganzen Nation zu urteilen. Da hier allerdings die alten Unterrichtsformen ganz oder teilweise verschwunden sind, müssen andere in ausreichendem Maße ihre Stelle einnehmen. Die Verbindung zwischen dem Juden und seiner Sprache von der Zeit ab, in der er Cheder oder Jeschiba verließ, bis zur Vollendung seines Erdendaseins erhielten (bis in die letzten Generationen hinein) das religiöse Leben — Gebet und Mizwoth — und das Thora-Studium aufrecht. Wer weiß, ob die Thora