Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die Hebraisierung des Volkes
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 452 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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452 S. Jabneeli: die gesprochene Sprache des ganzen Volkes wird; in allen Gruppen, Familien und Ländern, bei jedem einzelnen Juden, wie vor alters; wenn der Begriff des Juden wieder synonym wird mit dem des Hebräisch Redenden, ebenso wie der des Franzosen es mit dem des Französisch Redenden ist. Die Bewegung der Wiederbelebung der hebräischen Sprache in der Diaspora hat schon vor Jahrzehnten eingesetzt. Auf der letzten Konferenz der „Organisation für hebräische Sprache und Kultur** im Jahre 1913 wurden darüber u. a. folgende Angaben gemacht: „Schon vor 50 Jahren wurde in Bukarest ein Verein zur Verbreitung der hebräischen Sprache gegründet, der drei Jahre lang bestand. Zu den Gründern des Vereins gehörte Josef Halevy. Auch der Malbim verhielt sich der Wiederbelebung der Sprache und diesem Verein gegenüber freundlich." Hillel Zlatopolski äußerte sich dort wie folgt: „Nicht erst seit gestern besteht die hebräische Bewegung, sie hat bereits tief im Leben Wurzel geschlagen. Sie nimmt die verschiedenste Gestalt an, aber der rote Faden bleibt immer das Hebräisch-Reden. Die ersten Schritte wurden vor einem Vierteljahrhundert mit der Gründung der „Ssafah B'rurah"-Vereine getan. Dies war „die Zeit des Spotts". Die Menschen waren nicht für das Hebräische vorbereitet und die Sprache war noch nicht geeignet, bei ihnen aufzuleben. Der pseudobiblische Stil beherrschte die Literatur vollständig. Eigentlich blieben diese Schritte ohne greifbare Resultate. Doch ganz allmählich änderten sich die Dinge." Wie Hillel Zlatopolski und Klausner auf der erwähnten Konferenz und Pinchas Schiffmann im Ha-Schiloach 5679 bezeugen, gibt es in Rußland Zehntausende junger Leute beiderlei Geschlechts, die hebräisch reden. In Galizien ist, dank der Tätigkeit der Lehrerschaft während der letzten zehn Jahre, ein nach Tausenden zählendes Heer von Hebräisch-Redenden ausgerüstet; und auch in Amerika fängt diese Bewegung an, sich auszubreiten. Solche Zeichen kündigen am Himmel des jüdischen Volkes die Morgenröte unsrer Sprache an, sie ermuntern und festigen, sie beweisen die Möglichkeit der Wiederbelebung unsrer Sprache im Volke, — aber noch sichern sie sie nicht. Noch hat die hebräische Bewegung die breite Straße nicht betreten. Sie hat ihre klare, extreme Tendenz noch nicht einmal verkündet, geschweige denn das schwere Joch des qualitativ und quantitativ dieser Tendenz angemessenen Anfangs aufgeschultert. Aus Zlatopolskis Worten auf der oben erwähnten Konferenz entnehmen wir ein vollständiges Bild von dem Zustand der hebräischen Arbeit in Rußland vor dem Kriege: „Eine Fülle von Arbeit hat begonnen. Hier ist ein Kindergarten gegründet, dort eine Bibliothek; hier eine Mädchenschule, dort ein Abendkurs eröffnet. — Wir mußten leider einsehen, daß wir noch nicht bereit sind, es fehlt an arbeitenden Menschen, es fehlt an Büchern und Heften. Die Schriftsteller haben uns, trotz unaufhörlicher Bitten, nicht geholfen. Wir haben die Vereine mit schönen Hoffnungen abgespeist, die wir nicht verwirklichen konnten, da wir nicht genug Redner, Hefte und Bücher hatten." Die jahrelange riesige und systematische Arbeit, die erforderlich ist, damit den vielen Millionen unsres Volkes, die in alle Länder des Erdballs zerstreut sind und alle Sprachen der Welt reden, statt der fremden Sprache wieder hebräisch sprechen, muß den Bedürfnissen angepaßt sein, die im geistigen Leben unsres Volks zurzeit in Erscheinung treten. Das Volk der Bibel ist heute das ärmste an hebräischen Bildungsanstalten. Die jüdische Volksbildung hat sich bisher auf die Chadarim, Jeschi-