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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 10 · p. 449

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Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 10
Article
Die Hebraisierung des Volkes
Date
1919-01-01
Page
449 (sequence 4)
Language
German
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Die Hebraisierung des Volkes 449 diesen Kampf zur Verfügung gestellt: für den Kampf des Menschen und Juden um das Recht, im eigenen Land von ungeknechteter Arbeit zu leben. Das bezeugen die Beschlüsse der letzten Zionistenkongresse in Rußland, Amerika und anderwärts, betreffend den Nationalfonds und das System des Aufbaus des Landes, die zionistischen Arbeiterbewegungen im Galuth und die Bestrebungen * und Schöpfungen des jüdischen Arbeiters in Palästina. Eine historisch-logische Notwendigkeit ist es, daß die Schöpferkraft unseres Volkes bei seiner Wiedergeburt in Erez Israel mit der wirtschaftlich-sozialen Tätigkeit beginnt, mit deren Ausbreitung wächst und in den Siegen der Kolonisation und der Arbeit im Volke gipfelt, wenn im Laufe der Zeit das Volk vom Lande aufgenommen wird. Anstatt von einer Fülle von Jeschiboth und Seminaren für Rabbiner und Lehrer in Palästina zu träumen, die für den Bedarf des Galuth an Thorah und Gedanken von zweifelhaftem Wert sorgen sollen, anstatt den Volksgeist mit übertriebenen Nachrichten von den reichen Schätzen des Zentrums zu beruhigen, anstatt früh und spät zur Wiederbelebung unserer Sprache gerade in Erez Israel aufzurufen, anstatt zu unrecht, weil zu früh, darauf zu vertrauen, daß der Einfluß Palästinas heute schon stark genug sei, unsere nationale Eigenart im Galuth zu erhalten und große Teile der Diaspora vor dem Untergang zu retten, — wäre es besser, dem jüdischen Volke die Überzeugung einzuimpfen, daß nur durch eine kraftvolle nationale Bewegung im Galuth das neue Leben Palästinas geschaffen wird und daß die volle Auferstehung unserer Sprache eine der Grundlagen dieser Bewegung ist; wäre es besser, das jüdische Volk aufzurufen: zugleich zur Teilnahme an der Bewegung der Erlösung, dem Zionismus, zur Verteidigung seines nationalen Lebens in dem weiterbestehenden Exil, zur Bildung von ursprünglichen, volkstümlichen, anmutigen Formen, zur Rückkehr zur hebräischen Sprache und zur selbständigen Errichtung kultureller Anstalten im Galuth. 2. „Die hebräische Literatur hat keine Leserwelt, und dieser Umstand beraubt auch die Einzelnen der Bewertungskraft. Und solange das Hebräische keine Redesprache ist, darf Volk und Literatur nicht auf Aufstieg hoffen; denn nicht nur viele Leser braucht die Literatur, sondern auch viele, die organisch verbunden mit ihr mitleben." Rahel Katzenelsohn in der Sammelschrift: Ba'awoda, Jaffa 5678. Von verschiedenen Seiten hört man — seit Jahren — vereinzelt und schwach den Ruf zur vollständigen Wiederbelebung unserer Sprache: d. h. zu ihrer Umwandlung zur Redesprache nicht nur in Palästina, sondern auch in der Diaspora. Die zitierten Worte aus dem Aufsatz Rahel Katzenelsohns gehören zu den wenigen in der hebräischen Literatur, die ein so absolutes Verhältnis zum Hebräisch-Reden aussprechen. Doch zugleich zeigen sie uns, wie dieses Wünschen und Hoffen sich nur nebenbei in ein paar Worten, fast nur andeutungsweise ausspricht. Versuchen wir diesmal, die Frage der Auferstehung unserer Sprache von Grund auf zu klären. Die Jargonisten glauben, daß die einzelnen Jargondialekte (Arabisch, Persisch, Kaukasus-Jüdisch, Spaniolisch, vor allem aber der „Jüdisch" genannte deutsche Dialekt) bei den Juden lebendig bleiben werden, solange es Völker und Men- Heft 10. 29

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