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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 10 · p. 450

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 10
Article
Die Hebraisierung des Volkes
Date
1919-01-01
Page
450 (sequence 5)
Language
German
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450 S. Jabneeli: sehen auf Erden gibt. Ihr Nationalismus kann sich also, soweit er die Sprache betrifft, mit der Erhaltung der Dialekte im Volk, mit der Erhaltung des Vorhandenen, zufrieden geben. Bei den Jargonisten ist nicht das Leben des „Jüdischen" selbst fraglich, da diese Sprache ja von sehr bedeutenden Volksteilen gesprochen wird, also lebendig ist, sondern nur die Stellungnahme zu seiner Pflege und Vereinheitlichung, zur Festlegung-seiner grammatischen Gesetze und zur Ausbildung einer Volksliteratur in der Volkssprache. Die Gegenwart ist mit ihnen, deshalb sind sie auch ihrer Zukunft sicher. Die der hebräischen Sprache Ergebenen begnügen sich zumeist mit der Hoffnung auf die Renaissance unserer Sprache in Palästina, mit der Erhaltung einer hebräischen Literatur und mit Gruppen von Hebräisch-Redenden irl der Diaspora. Die Gegenwart ist absolut nicht mit ihnen, deshalb sind sie auch der Zukunft nicht sicher. Nun aber ist in Palästina ein zwar sehr kleiner, aber doch für die Zukunft unseres Volkes und seine Auferstehung im Heimatland sehr wertvoller geschlossener jüdischer Volksteil entstanden, dem Hebräisch zur Sprache geworden ist, — das ist die hebräische Arbeiterschaft. Seit fünfzehn Jahren ist der h< brätsche Arbeiter bestrebt, sein ganzes Leben von der hebräischen Sprache, der er Treue geschworen hat, beherrschen zu lassen. Nur wenige haben die Kenntnis unserer Sprache aus der Diaspora mit ins Land gebracht, noch weniger das Reden in ihr; heute ist sie bei Hunderten von Arbeitern und Arbeiterinnen durch Übung und, bei vielen davon, durch unermüdliche, jahrelange physische Anstrengung zur Lebenssprache geworden. Ein tiefes Gefühl der Pflicht und der Liebe gegenüber unsrer Sprache und wechselseitige Hilfe bei ihrer Aneignung haben den Sieg dieser sprachlichen Revolution bei dem Einzelnen wie bei der Gesamtheit gefördert. Die Gruppe der jüdischen Arbeiter in Erez Israel ist, abgesehen von den Lehrern, bei denen der Beruf es mit sich bringt, die einzige, in der die hebräische Sprache ihre Auferstehung als gesprochene Sprache in Haus, Familie und Arbeit erlebt hat. Aber gerade dieser innere Sieg des hebräischen Arbeiters, gerade diese Fähigkeit, seine hebräische Sprache mit dem wirklichen Leben, dem Leben der Öffentlichkeit, der Familie, der Jugend und mit dem Leben seiner Kinder zu verknüpfen, erlegt ihm eine besondere Sorgfalt und eine erhöhte Verantwortlichkeit für das Schicksal seiner Sprache auf und zwingt ihn, die schwere Frage zu stellen: Wie gelangt unsre Sprache zur vollen Auferstehung? Durch übermenschliche Anstrengung der palästinensischen Minderheit oder durch eine mächtige, allumfassende Bewegung im Galuth? Solange das Volk im Galuth. nur in der Ferne zusieht, wie seine Kinder in Erez Israel hebräisch oder „die heilige Sprache" reden, so lange gleicht unsre Tätigkeit hier, im Lande, an der Aufgabe der Wiederbelebung unsrer Sprache gemessen, den Greisen, die nach Erez Israel pilgern, auf daß es ihnen vergönnt sei, hier zu sterben. Das war die Wallfahrt Einzelner, die das Volk verherrlichte, ohne mitzutun. Es verknüpfte sein Leben und seine Hoffnungen nicht mit dem ihren, es tat keinen Schritt ihnen nach. Doch das Geschlecht, das sich zur Neubelebung unsrer Sprache in unserem Lande rüstet, wendet sich an das ganze Lager und ruft es auf, zu folgen und zu helfen. Hilfe aber für die Neubelebung der Sprache in Palästina bedeutet nicht bloß materielle Hilfe, etwa Unterstützung der Schulen in Palästina (bis die palästinensischen Juden sie aus eigenen Mitteln unterhalten können), sondern — Hilfe der Zunge; d. h. die Juden der Diaspora sollen uns dadurch helfen, daß sie sich des Hebräischen im täglichen

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