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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 10 · p. 443

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Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 10
Article
Vom orientalischen Judentum
Date
1919-01-01
Page
443 (sequence 11)
Language
German
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Artikels vier seiner Zusatzerklärung vom 4. Februar des gleichen Jahres. Die beiden Sätze enthielten die Zauberformel der Befreiung und Belebung aller im osmanischen Reiche wohnenden Elemente: die Garantie ihrer nationalen Autonomien, Sie mußten Halt und Mark auch der jüdischen Zukunft werden. Sein Bekenntnis zu ihnen lieferte der Nationalrat öffentlich. Sein erstes Pressemanifest bleibt der historische Eingangsakt der neuen Epoche. Dann sprach der Nationalrat bei den Patriarchaten vor, dem ökumenischen im Fanar, dem armenischen in Kum-Kapu; bei der türkischen Regierung, bei den Entente- Oberkommissaren, die inzwischen als wahre Herren am Bosporus eingezogen waren. Die Hohe Pforte erhob keinen Einwand; die Mandatare der Mächte empfingen ihn respektvoll als gegebenen Landesfaktor; die christlichen Elemente mit Enthusiasmus. Das war begreiflich. Die versprochenen Autonomien gingen Griechen, Armenier, Juden gleicherweise an. Sie waren alle drei Verfolgte. Ja, auch die Juden. Die säkulare Tradition der edelmütigen Eroberungs-Sultane war von den Jungtürken zerschlagen worden. Auch Juden hatten sie in Stadt und Land politisch als Rajah-Sklaven, bei Wahlen als Null oder Zwangsstimmvieh behandelt (ottomanisierungshalber!); auch sie im Kriege mit Sondersteuern, Gewaltsumlagen und -requisitionen verfolgt, die man Muselmanen ersparte; auch Juden evakuiert, verschleppt, geplündert und gemordet (Dschemal Pascha in Palästina); auch für Juden die Heeresdienstpflicht (von der sie wiederholt entrichtete Befreiungssteuer hätte entbinden müssen) in jene furchtbare Frone umgewandelt, der viele Zehntausende Nichtmuselmanen, Rekruten der entsetzlichen Arbeitsbataillone, in Urwäldern und Wüsten, unter der Peitsche des Treibers und dem Würgen des Hungers erlegen waren. Darum rückten die drei Elemente bald aneinander. Auf jüdischen Antrag ward ein zwischennationales Komitee geschaffen, das gemeinsame Fragen besprach, von Fall zu Fall gemeinsam vorging. Man verständigte sich auf negative Wahlparole, solange Proporz und Nationalitätenkataster nicht zugestanden wären. Man erreichte bedingungslose Aufhebung der Dienstpflicht und sofortige Heimentlassung der noch unter Fahne stehenden Nichtmuselmanen. Leider war das Bündnis nicht von langer Dauer. Zwar die erste Krise (Nachwirkung der Großrabbinerreise) war gut überstanden. Nationalratsvertreter waren sogar zu einem hellenischen Nationalfest in den Fanar geladen worden (die Verbrüderungsrede des Verfassers im uralten Patriarchensale, dessen Wände bis dahin nie Juden gesehen hatten, war ein historisches Novum). Aber bald erschien das Trennende. Griechen und Armenier^ strebten weit über das hinaus, worauf es den Juden ankam. Wir verlangten innere Autonomie im Rahmen des Staatsverbandes, sie wollten vollständigen Austritt. Wir predigten brüderliches Nebeinanderleben mit den Muselmanen, sie sprühten Haß, Rache und Vernichtung. Als sie uns vorschlugen, ihr gemeinsames Manifest mitzuunterzeichnen, das die fernere Nichtanerkennung der türkischen Regierung proklamierte, gaben wir Nein zur Antwort. Juden konnten 1492 nicht so weit vergessen. Auch wünschten wir keine Abenteuer. Bald wurden uns stärkere zugemutet. Man erbat unsere Unterschrift dafür, daß wir Konstantinopel samt beiden Engen, dazu noch Thrazien, den Pontos und die Wilajete Brussa und Aldin (mit Smyrna), Griechenland zugesprochen wünschten. Man setzte sogar der jüdischen Bevölkerung Thraziens die Pistole auf die Brust und forderte augenblickliches Bekenntnis. Hellenisches Militär kerkerte ein und

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