Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Das Leben des Kindes im Cheder
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 417 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Leben des Kindes im Cheder symbolischen Handlung, durch die das Bekenntnis zur Thora und zum Judentum ausgesprochen wurde. Man begann das Studium des Pentateuchs mit dem dritten Buche Moses, nicht etwa in der Weise, daß man das an dem Fest Begonnene wirklich fortsetzte, sondern nur aus Anhänglichkeit an einen alten Brauch. Zur Zeit der ersten Tannaim war es Sitte, die Kinder zuerst mit diesem Buch vertraut zu machen, das vielleicht deswegen auch den Namen Sifra d'be rab (das Schulbuch) erhielt. Der einjährige Thoravorlesungszyklus war damals noch nicht eingeführt, infolgedessen war dem Unterricht noch keine bestimmte Reihenfolge vorgeschrieben. Es ist jedenfalls Tatsache, daß der Schulunterricht mit dem Priesterkodex begonnen wurde. Nach der Auffassung jener Zeit waren überhaupt dem Leben entnommene Vorgänge, wie sie im ersten Buche Moses erzählt werden, nicht geeignet, bei Kindern Gottesfurcht zu erwecken. In der Agada gibt man für jenen Brauch noch einen anderen Grund an* Es heißt dort: „Die Opfer sind rein, und die Kinder sind rein, also sollen sich die Reinen mit dem Reinen befassen." Es ist auch möglich, daß die Sitte in den Schulen zu Jerusalem aufkam. Dort erhielten viele Kinder von Priestern ihren Unterricht, und diese wollte man schon frühzeitig auf ihr späteres Amt vorbereiten. Selbst nachdem sich der jährliche Abschluss der Thoravorlesung überall in Israel durchgesetzt hatte und die dadurch bestimmte Reihenfolge aus der Synagoge in die Schule eingedrungen und zur Norm geworden war, blieb der uralte Brauch für den Beginn des Unterrichts bestehen. Die Feier fand am Sabbat statt. Geladene Gäste, auch Verwandte und Freunde, sowie Kinder aus dem Cheder kamen ins Haus des gefeierten Knaben, der zu Ehren des Tages mit goldenen Uhren und Ketten über und über geschmückt war. Die kleinen Gäste wurden mit Süßigkeiten festlich bewirtet. Außer dem eigentlichen Helden des Tages war noch ein Kind besonders prächtig geschmückt; das war der „Frager". Die beiden Kinder wurden auf Stühlen oder auf dem Tisch einander gegenüber gestellt, und dann begann zwischen dem Frager und dem Prüfling ein Frage- und Antwortspiel etwa folgender Art: Frager: „Wie heißt du, liebes Kind?" Prüfling: „Ich bin kein Kind mehr, sondern ein großer Knabe, der schon Chumesch lernt." F.: „Was ist das, Chumesch?" P.: „Chumesch, das heißt fünf." F.: „Was für fünf, vielleicht fünf Brezeln für einen Groschen?" P.: „Nein, sondern die fünf Bücher der heiligen Lehre, die Gott Moses auf dem Berge Sinai gegeben hat." F. P. F. „Wie heißen diese?" „B'reschit, Sch'mot, Wajikra, B'midbar und D'barim. „Wenn du schon so groß bist, so sag mir doch, aus welchem Buch du lernst?" P.: „Ich lerne aus Wajikra." F.: „Was heißt Wajikra?" P.: „Es hat gerufen." „ A . - F.: „Wer hat gerufen? Vielleicht Bezalei, der Schulklopfer zur Synagoge? „Nein, Gott hat Moses gerufen, um durch ihn Israel die Opfer zu verkünden." Heft 9, 27