Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Das Leben des Kindes im Cheder
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 418 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3101111-3101150-3101159-3104852--3551-3104902- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
4i8 Hugo Bergmann: F.: „Und warum lernst du gerade dies?" P.: „Weil die Opfer rein sind und ich ein reines jüdisches Kind bin und das reine Kind sich mit den reinen Opfern befassen soll." F.: „Und warum ist das Aleph in Wajikra klein geschrieben?" P.: „Weil ich ein kleines Kind bin, und weil Aleph Lernen bedeutet, und weil nur der die Thora erfüllen kann, der sich ihretwegen erniedrigt und sich mit ihr nicht groß tut." F.: „Und warum tust du dich groß?" P.: „Ich tue mich doch garnicht groß." F.: „Du stehst doch aber auf dem Tisch!" P.: „Nun, dann will ich hinuntersteigen." Und damit stieg das Kind vom Tisch und las den Bibelabschnitt. Dann bekam es von den Eltern und Verwandten Geschenke, und der Stolz der Mutter kannte keine Grenzen. So wurde an diesem Sabbat der Unterricht mit Wajikra eingeleitet. Am nächsten Tage aber wurde das Kind in die erste Klasse des Chumesch-Cheders aufgenommen, und der Unterricht setzte mit dem Wochenabschnitt ein. So kann man zusammenfassend sagen, daß im Cheder durchaus nicht alles so düster und freudlos war, wie man im allgemeinen anzunehmen geneigt ist. Bei aller Strenge der Erziehung bot er dem Knaben doch eine frohe, von jüdischem Geist erfüllte Jugend, die auch den Mann nachhaltig beeinflußte und seinem Leben die Richtung wies. Jerusalem E. M. Lipschütz (Aus dem hebräischen Manuskript übertragen von Kurt Hammerstein.) JA AK OBS TRAUM*) In dem trotz all seiner Schönheit quälenden Drama „Der Graf von Charolais", das Richard Beer-Hofmann vor etwa fünfzehn Jahren veröffentlichte, legte der Dichter in einer der ersten Szenen seinem Helden das stolze Bekenntnis in den Mund: Herr sei das Schicksal über allen Dingen, doch hier, in unserm eigenen Tun und Denken, „bin ich's! Dazu kann's mich nicht zwingen". Aber am Schlüsse des Dramas bekannte der Graf: „ ,Es* trieb uns — treibt uns! ,Es* — nicht ich — nicht du." In dem neuen Drama „Jaakobs Traum", an dem der Dichter sechs Jahre arbeitete und das das Vorspiel zu einem Zyklus von drei Stücken „Die Historie von König David" ist, läßt der Dichter den heidnischen Diener Jaakobs erzählen, daß die Ordnung der Welt erst geboren ward, als das Ungeheure, Chaotische von frohen Göttern gebändigt und in den Fels von Uru-Schalim geschleudert wurde. Ist Idnibaals Erzählung ein Gleichnis für des Dichters eigene Entwicklung? Wie immer dem sei, „Jaakobs Traum" ist ein ungemeines Zeugnis für den guten, wir können auch sagen: für den jüdischen Gott. Die Erkenntnis von der Sendung Israels, die in den letzten Jahren einige unserer besten deutsch- #) Jaakobs Traum. Ein Vorspiel von Richard Beer-Hofmann. S. Fischer Verlag.