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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 9 · p. 410

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 9
Article
Gedanken zur Gründung der jüdischen Universität in Palästina
Date
1919-01-01
Page
410 (sequence 4)
Language
German
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4io Arje L. Rosenblatt: suchte auch in der Urzeit nicht gerade das Land des Geistes, sondern das Land, „das von Milch und Honig fließt". Wir haben einige Jahrzehnte zionistischer Geschichte hinter uns. Unser nationales Streben steht gegenwärtig in einem bestimmten Zusammenhange mit den großen Ereignissen des Weltgeschehens. Und auch die politische Konstellation ist solcher Art, daß sie auf die Gesundung unseres Körpers mit hinarbeitet. Die Politik, ihrer Beschaffenheit nach, kann ja auch nur dies allein leisten. Wir sollen es aber wissen, uns diese politische Konstellation zunutze zu machen. Unser Körper soll in dem Sinne gesunden, daß er auch jung, frisch und rein sei. Dies ist wirklich der jüdischen Auffassungsweise gemäß: nur ein reiner Körper ist jung und frisch und vor allem ist derjenige jung, der lernen kann. Der Jude hat sich in seiner Gesamterscheinung das beste Zeugnis seiner Jugend und seiner Frische ausgestellt, indem er wieder laut und energisch ruft: Ich will lernen! Wir wollen lernen! Wir taten es stets, wenn auch verschiedenfach. Wir werden im jüdischen Sinne lernen, wie wir jüdischen Mut und jüdischen Willen haben, unsere Lehrstätten uns zu begründen und uns zu sichern. Der Baustein zu einer Universität ist gelegt. Noch ist keine da. Sie ist noch so fiktiv, wie es der jüdische Staat noch selbst ist. Aber sie sind beide im glücklichen Werden. Wir habenbeide in Angriff genommen, wir haben sie beide stets in unserem Innern getragen und projizieren sie endlich nach außen nach der Maßgabe der Weltverhältnisse. Nach und nach wird Fleisch und Blut aus unserem inneren Erleben. Es wäre mißlich, zu fragen, was wir lernen werden. Die Wissenschaft im wahren Sinn des Wortes bedeutet zugleich eine Organisierung der Lebenspraxis nach Prinzipien. Unter allen Umständen muß sich die Lebenspraxis vor dem Prinzip rechtfertigen. Dies ist der Sinn, auf den wissenschaftliche Arbeit hinlenkt. Wir werden daher begreiflicherweise Wissenschaft treiben, sofern dies von uns die im allgemeinsten, aber auch im innerlichsten Sinn gefaßte Lebenspraxis erfordert. Was wir nicht lernen werden, kann man leichter andeuten. In unseren Schulen wird der Religionsunterricht voraussichtlich einen Platz einnehmen, der aus ihm keine besondere und abgesonderte Disziplin macht. Sofern die Schule jüdisch war, im besten Sinne dieses Wortes, hatten wir keinen Religionsunterricht. Ebenso wird eine jüdische Hochschule neben der Disziplin der Philosophie kaum noch eine Theologie beherbergen können. Gott war dem schaffenden Juden nie ein Objekt der Untersuchung. Wie wir in der Urzeit ab und zu in den Götzendienst verfallen sind, so haben wir auch in Nachahmung anderer Untersuchungen Theologie getrieben und dogmatische Glaubenssätze aufgestellt. Maimonides ist nicht ganz mit Unrecht zu einem gewissen Teil verketzert worden. Der Erez-Israel-Jude in seiner ausschließlich positiven Schaffenstätigkeit wird manches nicht mehr zu überwinden haben, was der schaffende Jude des Galuth trotz aller seiner Denkmittel zuerst überwinden mußte. So mußte Spinoza zuerst die Theorie von der Substanz überwinden, am erfolgreichsten -eben an der Substanz selbst. Wie er selbst dadurch zuerst auf einem großen Umwege zu seiner Philosophie gelangte, so gab dies auch Grund zu vielen und unendlichen Mißverständnissen, die noch bis in unsere Zeit hineinreichen. Umwege des Denkens, und gerade des philosophischen, sind die verhängnisvollsten für den wahren Fortschritt der Menschheit. Theologie ist unserer Auffassung nach nichts anderes als der Umweg auf dem Wege zur Philosophie und zur Ethik. Dieser

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