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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 9 · p. 409

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 9
Article
Gedanken zur Gründung der jüdischen Universität in Palästina
Date
1919-01-01
Page
409 (sequence 3)
Language
German
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Gedanken zur Gründung der jüdischen Universität in Palästina 409 Das „Lernen" hatte bei uns grundsätzlich einen sittlichen Wert. Eine geschichtliche Parallele soll diesen Gedanken veranschaulichen. Es wird von Rabban Gamliel IL erzählt, er hätte an der Pforte seines Lehrhauses die Aufschrift anbringen lassen, daß niemand, dessen Gesinnung nicht durchaus wahrhaftig sei, dieses betreten dürfe. Von Plato hingegen wird berichtet, er hätte an den Eingang zu seiner Akademie die Aufschrift setzen lassen, daß niemand hineingehen dürfe, der nicht mit der Mathematik vertraut sei. Der Unterschied in den Aussprüchen ist klar und deutlich; er kann dahin formuliert werden, daß der eine vor allem Wesensechtheit, der andere vor allem die intellektuelle Vorbereitung forderte. Wir wollten lernen, doch wohl in demselben Maße, wie wir Menschen werden wollten. Beides bedingt ja einander. Wenn wir die Sagen über die Schulen von Sem und Eber lesen, gewinnen wir den Eindruck, als ob wir unseren Ursprung von der Schule aus genommen hätten; Abraham, Isaak und Jakob lernten hiernach im Bet-hamidrasch. Jakob, der für alles so viel Geduld haben mußte, wie das Judentum selbst, hatte sogar nach der Überlieferung vierzehn Jahre auf der Schulbank sitzen müssen. Wir hießen das Volk des Buches. Die Araber kannten uns kaum anders als unter diesem Namen. Nicht darum, weil wir viele Bücher schrieben. Wir haben verhältnismäßig weniger Bücher geschrieben als andere Völker. Darauf aber kommt es an, wie wir unser Buch behandelt haben. Wir haben es so behandelt, daß es unter dem Worte Sefer und Bibel der Inbegriff aller Bücher für uns und für die Welt wurde. Ebenso kommt es darauf an, wie viel wir und wie intensiv wir gelernt haben. Es gab bei uns nie eine Zwangsschule. Dennoch, als von einem Symbole einer Zwangsschule wird einmal berichtet, der König Chiskijah hätte an dem Eingange zum Lehrhause ein Schwert hinstellen lassen zum Zeichen: wer nicht lernen wolle, wäre des Todes schuldig. Nun aber fand sich in ganz Israel „von Dan bis Berschewa" kein einziger Mensch ohne einen gewissen Grad von Bildung. Alle lernten. Inwiefern dies der Wahrheit entspricht? Die Hauptsache ist, daß es der Volkswille war, wie es zur Volkssage geworden ist. Wir hatten die Zwangsschule in unserem eigenen inneren Antrieb, Dieser Antrieb ist nun auch in unseren zionistischen Bestrebungen mächtig geworden. Wir hatten bereits unsere Kulturkämpfe, aber wenn auch der Geist eines Achad Haam für das innere Wesen des Zionismus bestimmend ist, so sind in der Zeit der Vorbereitungen wohlgemerkt nicht sowohl die Achad Haamschen als vielmehr die Herzischen Forderungen von maßgebender Bedeutung. Warum? Die Antwort ist: Herzl trat in die Erscheinung lediglich mit der Sorge um unseren nationalen Körper, Achad Haam sorgte von vornherein für den Geist, und diese, der Zeit vorgreifende Sorge ist bei uns nicht gar so sehr geboten. Ja, man möchte fast sagen, sie berührt uns unnatürlich. Es soll niemand für die an sich duftende Blume von vornherein sorgen, daß sie dufte. Wenn sie reden könnte, würde sie sich jede solche Sorge sicherlich verbitten. Wohl aber sollen ihre materiellen Bedingungen, die hinreichende Menge von Feuchtigkeit, Wärme und Licht ihr gewährt werden, alles andere überlasse man ihr selbst, sie wird schon blühen und duften. Wir werden schon lernen, man soll für uns *ur die äußeren Hemmungen wegräumen, oder aber, was dasselbe ist, die gesunde materielle Basis schaffen. Daher der Wert der Herzischen Tat. Der Jude

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