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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 9 · p. 403

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 9
Article
Einige Eindrücke von Jüdisch-Palästina
Date
1919-01-01
Page
403 (sequence 10)
Language
German
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_ Einige Eindrücke von Jüdisch-Palästina und Mädchen hervorgehen können, die der neuen Nation eine wirkliche Hilfe wären. Und nach meiner Ansicht sollte die zionistische Organisation tun, was sie tun kann, diese Bedingungen aufzuheben, die sich gegen das oberste Gesetz der modernen Erziehung vergehen. Das zweite Ziel müßte sein, die Knaben und Mädchen mit dem palästinensischen Leben zu verbinden. Man muß sich klar machen, daß in Palästina, in weit höherem Grad als in einer Gemeinschaft wie England, Erziehung national sein muß oder wenn Sie wollen auf berufliche Ausbildung gerichtet. In Jüdisch- Palästina ist gegenwärtig für eine ganze Anzahl von Berufen und Begabungen kein Platz. Entwickelt ein Kind solche Begabung oder zeigt die Neigung dazu, so wäre es wünschenswert, daß es sie opferte, um andere Arbeit zu tun, mit der der jüdischen Gemeinschaft unmittelbarer gedient wäre. Die Schaffung einer neuen Generation verlangt größere persönliche Opfer von jedem einzelnen, als die Erhaltung einer alten Nation. Jeder Palästinenser, auch jeder künftige, ist in gewissem Sinne ein Soldat, zum nationalen Dienst bestimmt. Und diese Note muß durch alle Schulen dringen, wenn die Nation von der neuen Generation geschaffen werden soll. Insbesondere, scheint mir, werden Opfer von den Mädchen verlangt, nachdem die Erfahrung gelehrt hat, wie Sie auch in Ruppins Buch lesen können, daß erfolgreiche Kolonisation nicht möglich ist, oder jedenfalls in gewissen Formen nicht erfolgreich sein kann, wenn die Frau nicht dem Mann tatkräftig in der Arbeit für die Siedlung hilft. Soll dieser Geist die Schulen und die Erziehungsanstalten in Palästina durchdringen, so bedarf es dazu vor allem einer Schar von begeisternden Lehrern. Wir brauchen eine Schar von Lehrern, die das Beste aus den verschiedenen Elementen im jüdischen Leben zu verstehen und herauszuziehen imstande sind. Zu dem Erstaunlichsten gehört mir, daß man heutigen Tags so wenig von den Lehrern in Palästina hört. Man hört viel und begeistert reden von dem Unterricht als Kulturmittel, aber es scheint wenig Enthusiasmus über die Lehrer zu herrschen. Man hört nicht einen Namen wie den des großen dänischen Lehrers Grundtvig, der vor einem halben Jahrhundert eine dänische Volkshochschule gegründet und so viel für die heutige dänische Nation getan hat. Der stärkste Eindruck, den ich in diesem Zusammenhang empfing, kam mir von einem Arzt, nicht von einem Lehrer. In einer der Kolonien geriet ich in ein Gespräch mit dem betreffenden Arzt, der an all den jungen Leuten sehr zu hängen schien, sie alle persönlich kannte, ein großes Interesse an ihrem geistigen Leben nahm und ihnen offenbar viel Begeisterung zu übermitteln verstand. Dieser Mann beklagte sich bitter über seine große geistige Einsamkeit. Meiner Ansicht nach gibt es vier Wege für den Fortschritt in Erziehungsdingen, die in Palästina verfolgt werden sollten. Erstens sollten wir, nachdem die wahre Begeisterung jetzt aus den Kolonien kommt, nicht aus den Städten, versuchen, der geistigen Einsamkeit der Kolonien zu steuern und sie einander anzunähern. Die Kolonien haben den wahren Geist in vollem Ausmaß. Sie sind die neue Nation im Embryonalzustand, aber sie können ihr neugefundenes Leben den andern nicht mitteilen. Sie arbeiten für sich, und der Rest der Gemeinschaft ist nicht imstande, Anregungen von ihnen zu empfangen. Es wäre unsere Aufgabe, sie mit dem Rest der judischen Gemeinschaft in Berührung zu bringen. Und das, meine ich, konnte erreicht werden, wenn wir uns eine Anzahl gut akademisch gebildeter, anregen- 26*

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