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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 9 · p. 402

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 9
Article
Einige Eindrücke von Jüdisch-Palästina
Date
1919-01-01
Page
402 (sequence 9)
Language
German
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402 Alfred E. Zimmern: würde die Geduld haben, auf dieses anscheinend steinige Land seine beliebte Methode der grob empirischen Regeln anzuwenden. Der zweite Grund, warum die Kolonien das Problem nicht selbständig lösen können, ist, weil die fundamentalen Bedingungen des landwirtschaftlichen Lebens in Palästina noch nicht festgelegt sind. Es gibt ungefähr so viele einzelne Gruppen von Traditionen in den Kolonien wie in den Städten. Es ist ein vollkommener Bazar von sozialen und landwirtschaftlichen Experimenten. Nicht zwei Kolonien sind gleich. Die Verschiedenheit ist oft so groß, wie die der Nord- und der Südstaaten von Amerika. Es herrscht eine mit jedem Tage zunehmende Spaltung zwischen den Pflanzerkolonien in Judäa, wo eine große Anzahl von Arabern beschäftigt wird, wo das Leben außerordentlich bequem ist, die Frauen nicht gewöhnt sind, selbst zu arbeiten — es ist etwas wie das Leben von Virginia in den alten Sklavenstaaten — und den Arbeiterkolonien Galiläas, wo die jüdischen Ansiedler den Boden selbst bearbeiten und über den Gedanken lachen, Nichtjuden irgend eine Arbeit der Siedlung tun zu lassen. Hier sind zwei ganz verschiedene gesellschaftliche Ideale am Werk und wenn das so aufgerollte Problem vom jüdischen Volk nicht sorgfältig behandelt wird, wird es sicherlich in der Zukunft große Schwierigkeiten verursachen und die Einheit von Jüdisch-Palästina verzögern, wenn nicht gefährden. Das sind einige von den Schwierigkeiten. Was müssen wir tun, um ihnen zu begegnen? Mir scheint, daß wir die Erfahrung der letzten Jahre an uns vorüberziehen lassen müssen und die Schaffung von mehr oder weniger jüdischen Bedingungen in Übereinstimmung mit unsern Prinzipien und Idealen in den Städten wie auf dem Land erstreben. Das können wir nur tun durch eine entschlossene zionistische Politik, die in jüdischen Traditionen und jüdischem Charakter stets enthaltenen Elemente in harmonische Verbindung mit dem neuen Palästina brächte. Mit andern Worten, auf das Zeitalter der zionistischen Begeisterung hätte ein Zeitalter bewußter Politik zu folgen, die sich auf das Wachstum einer neuen Nation und eines neuen nationalen Bewußtseins richtet, die die ganze jüdische Gemeinschaft in Palästina zu einer Einheit zusammenfaßt. Es scheint mir, daß die Zionisten der Erziehungspolitik in Palästina nicht genug Beachtung geschenkt haben. Sie scheinen Schulen aller Arten subventioniert zu haben, ohne danach zu fragen, ob' diese die Nationaleinheit fördern oder aber eine Denkweise unterstützen, die die Anpassung der jungen Generation an Palästina beeinträchtigt. Ich meine, für die Erziehung in Palästina müßte es zwei ganz bestimmte Ziele geben: erstens moderne Männer und Frauen zu schaffen und zweitens sie mit dem palästinensischen Leben in Beziehung zu setzen. Das erste ist wohl das Ziel jedes anständigen Erziehungssystems. Ich würde das nicht erwähnen, ich würde es als selbstverständlich betrachten, wenn man nicht in Palästina Schulen sähe, die Körper und Geist der Zöglinge ungünstig beeinflussen. Vermutlich sind die meisten dieser Schulen nicht von der zionistischen Organisation subventioniert. Ich bin in einigen gewesen, in denen mir geradezu das Herz weh tat bei dem Anblick der unglücklichen kleinen Kinder, die ich dort sah. Sie haben unter Bedingungen gelernt, körperlichen wie geistigen, die schon am Ende des Mittelalters nicht mehr an der Tagesordnung waren. Es ist nicht zu erwarten, daß aus solchen Schulen Knaben

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